Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Reaktionen auf rosa Fenster von Schwulen in Hannover: „Das ist demütigend“
Hannover Aus der Stadt

Reaktionen auf rosa Fenster von Schwulen in Hannover: „Das ist demütigend“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:06 10.12.2019
Die Fenster des Anstoßes: Von den rosa gestrichenen Rahmen an der Südstädter Hausfassade fühlte sich ein homosexuelles Paar diskriminiert. Quelle: Mirko Voltmer/Bild Hannover
Hannover

Im Streit mit Mietern hat die Wohnungsgenossenschaft Gartenheim homosexuellen Mietern die Fenster rosa streichen lassen – das Thema hat in Hannover empörte Reaktionen hervorgerufen. Im Internet wird das Thema kontrovers diskutiert. Florian Kusche vom Verein Gaymeinsam sagt, dass Schwule, Lesben und Diverse immer wieder unterschwellige Diskriminierungen erlebten – aber der Vorgang aus der Südstadt gehe „deutlich über das Unterschwellige hinaus. Das klingt ganz klar nach Diskriminierung.“

Gartenheim dementiert Diskriminierung

Gartenheim-Vorstand Günter Haese hatte gegenüber der HAZ dementiert, dass seine Gesellschaft überhaupt von der Homosexualität der Bewohner gewusst habe. Der gesamte Vorgang sei grotesk. Nur weil die Mieter sich gegen den Austausch der Fenster gewehrt hätten und diese dann zwischen allen neuen Fenstern in der Fassade unschön gewirkt hätten, habe er als andere Farbgestaltung vorgeschlagen, sie mango- oder erdbeerfarben zu lackieren.

Vergleich spricht Mietern 1000 Euro zu

Die Fenster des Anstoßes: Von den rosa gestrichenen Rahmen an der Südstädter Hausfassade fühlte sich ein homosexuelles Paar diskriminiert. Quelle: privat

Vor Gericht allerdings befand Richter Marco Hartrich sie als rosa. Ein Vergleich sieht vor, dass die Mieter als Ausgleich für den Streit um die Modernisierung und für die empfundene Diskriminierung 1000 Euro von Gartenheim bekommen.

Heftige Reaktionen im Internet

„Unglaublich“, schreibt Claudia Möller auf der Facebook-Seite der HAZ: „Erdbeerfarben ist das nun wirklich nicht. Was manche Vermieter sich erlauben, ist schon seltsam.“ Ivie Leon schreibt: „Selbst wenn der Vermieter tatsächlich nicht wusste, dass seine Mieter schwul sind, ist die Maßnahme trotzdem diskriminierend. Es ist demütigend und unnötig.“ Und Dany Sahs ärgert sich, dass „Diskriminierung in allen Facetten anscheinend salonfähig geworden ist – egal ob gegen Andersdenkende, Homosexuelle, Frauen usw.“

„Offene Diskriminierung hat abgenommen“

Insgesamt, sagt Gaymeinsam-Vorstand Kusche, habe in der Gesellschaft die offene Diskriminierung gegenüber Homosexuellen abgenommen. Dass etwa Mietverträge verweigert oder gleichgeschlechtliche Paare nicht in Clubs gelassen würden, sei ihm aus jüngerer Vergangenheit nicht bekannt. „Im Gegenteil: Viele wissen ja, dass gerade homosexuelle Paare meist sehr sauber und ordentlich auftreten.“

Gartenheim: „Keine Vorbehalte“

Die Fenster des Anstoßes: Von den rosa gestrichenen Rahmen an der Südstädter Hausfassade fühlte sich ein homosexuelles Paar diskriminiert. Quelle: Mirko Voltmer/Bild Hannover

Es seien nur Einzelfälle, die aber glücklicherweise nicht mehr unter den Teppich gekehrt würden, sondern zu öffentlichen Diskussionen führten – wie jetzt im Fall Gartenheim. Nach Darstellung des Mieteranwalts Christian Steding war dem Paar 2008 ein gemeinsamer Hauptmietvertrag untersagt worden, stattdessen musste einer der Mieter einen Untermietzuschlag zahlen. Gartenheim-Vorstand Haese dagegen sagt, weder würden im Unternehmen homosexuelle Mieter noch Mitarbeiter benachteiligt: „Da habe ich keine Vorbehalte.“

Im Internet auch Zustimmung

Im Internet erfährt er auch Zustimmung für die Aktion. „Also, ich finde es hübsch“, schreibt etwa Max Hübner. Ein Carlo Colucci kommentiert ironisch: „Bunt statt braun.“ Und Lydia Keller hält es für „durchaus vorstellbar, dass die Mieter schwierig waren. Vermutlich haben sich beide Seiten mit Dreck beworfen, und so richtig unschuldig ist niemand.“

„Wie der Rosa Winkel“

Der Großteil der Kommentatoren aber verurteilt den Fensteranstrich. „Selbst wenn es da eine Vorgeschichte gibt, ist es ziemlich dumm vom Vermieter, sich so wenig im Griff zu haben“, schreibt Elvira Lessing. Gitte Matthes fühlt sich an die Zeichen erinnert, mit denen die Nazis Homosexuelle gebrandmarkt haben: „Es gab Zeiten, da war´s der Rosa Winkel.“ Und Kevin Bäsche schlägt sogar Enteignung vor: „Eigentum verpflichtet. Recht, Anstand und Diskriminierungsfreiheit sind die obersten Gebote.“

Lesen Sie auch

Von Conrad von Meding

Nachwuchsarchitekten werden in Hannover ausgezeichnet: Die Lavesstiftung ehrt besondere Entwürfe – und die Fakultät der Leibniz-Uni.

29.11.2019

Das Künstler-Werkstatt-Atelier two lives Einklang engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für die HAZ-Weihnachtshilfe. Nun stellen die Initiatoren gestaltete Pflanzenköpfe aus.

29.11.2019

Seit 35 Jahren ist er das Gesicht der Hannöverschen Aidshilfe – nun übergibt Bernd Weste (69) den Vorsitz des Vereins an seinen Nachfolger Karsten Pilz. Im Gespräch mit der HAZ zieht er Bilanz.

29.11.2019