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Aus der Stadt Gewalt, Drogen, Schwänzen: Wer am Gymnasium scheitert, sprengt oft die Klasse
Hannover Aus der Stadt

Rektoren aus Hannover berichten: Wer am Gymnasium scheitert, sprengt oft die Klasse

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07:55 19.12.2019
Wer kann im Unterricht mithalten? (Symbolbild) Quelle: Felix Kästle/dpa
Hannover

Die rund 600 Jugendlichen, die pro Schuljahr in Hannover von zumeist Gymnasien und Realschulen auf Gesamt- oder Oberschulen wechseln, bringen an den aufnehmenden Schulen massive Probleme. Selbst durch den eigenen Abstieg frustriert, sprengen sie Klassengemeinschaften, stören durch Gewaltaktionen, Drogenkonsum und -verkauf, kommen unpünktlich, ohne die notwendigen Materialien und Hausaufgaben oder schwänzen oft tagelang den Unterricht. Nicht schlechte Deutschkenntnisse oder fehlende Leistungen in den Fächern sehen die Rektoren der aufnehmenden Schulen als Schwierigkeit, sondern vor allem das mangelhafte Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler. Das ist das Ergebnis einer Anhörung zu sogenannten Schulformwechslern am Mittwoch im Schulausschuss der Stadt Hannover.

„Schulbesuch an sich ist ein Wert“

„Das mangelnde Sprachvermögen oder die Defizite in den Fächern können wir heilen“, sagte Karin Haller von der Peter-Ustinov-Oberschule in Oberricklingen. „Die oft seit Jahren bestehenden Probleme im Arbeits- und Sozialverhalten nicht.“ Von den 300 Schülern dort haben 36 Prozent einen sonderpädagogischen Förderbedarf, gut ein Drittel sind Sprachlernschüler.

Um die Schulformwechsler, von denen viele wochenlang zuvor überhaupt nicht mehr zur Schule gegangen sind – Haller sprach „von 70 oder 100 Fehltagen im Schuljahr“ – besser zu integrieren, gibt es seit diesem Sommer an der Oberschule eine sogenannte Sprungbrettklasse. Hier lernen Sechst- bis Neuntklässler in einer Lerngruppe von maximal zehn Schülern, begleitet von einer erfahrenen Lehrkraft, einer Sonderpädagogin, Sozialarbeitern und Ergotherapeuten, erst mal Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und „dass der Schulbesuch an sich ein Wert ist“.

„Der Schulbesuch an sich muss wieder einen Wert bekommen“: Karin Haller von der Peter-Ustinov-Oberschule. Quelle: Christian Behrens

„Schüler kommen in ein System, das sie nie wollten“

„Wenn ich an das nächste Schuljahr denke, wird mir angst und bange“: Michael Bax von der Leonore-Goldschmidt-Schule und Sprecher der Gesamtschulen in Hannover. Quelle: Christian Behrens

Michael Bax von der Leonore-Goldschmidt-Schule (der ehemaligen IGS Mühlenberg) und Sprecher der Gesamtschulen, kritisierte, dass die Gesamtschulen, die ohnehin schon die Hauptlast bei der Inklusion und Integration der Zugewanderten trügen, auch noch besonders viele Wechsler aufnehmen müssten: „Da werden Schüler in ein ungeliebtes System gezwungen, in das sie nie wollten.“ Viele kämen mit den großen Systemen und den langen Schultagen mit dem verpflichtenden Ganztagsangebot auch gar nicht zurecht. Das Problem werde sich noch verschärfen, meinte Bax: „Wenn ich an das nächste Schuljahr denke, wird mir angst und bange.“

Realschulen am Limit

Auch die Realschulen sehen sich zusehends überfordert. „Uns fehlen Sozialarbeiter, die Lehrer müssen die Lerngruppen alle halbe Jahre neu zusammenschweißen“, sagte Cornelia Weller, Leiterin der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule in Döhren. Weder sei es gut, die Wechsler auf die bestehenden Gruppen aufzuteilen, noch, sie alle zusammen in eine neue Klasse zu geben.

„Uns fehlen die Sozialarbeiter“, sagt Realschulleiterin Cornelia Weller. Quelle: Christian Behrens

„Beratungsresistente Eltern“

Karl-Heinz Heinemann, Sprecher der Gymnasien in Hannover und selbst Direktor der Lutherschule, sagte, man versuche, so früh wie möglich Familien darauf vorzubereiten, dass ihr Kind es am Gymnasium nicht schaffen könnte. Dieses Frühwarnsystem habe sich bewährt, wichtig sei es aber, den Eltern dann auch Plätze an anderen Schulen anzubieten. Die aber fehlten. Es gebe aber auch immer mehr „beratungsresistente Eltern“, klagte er.

„Es gibt beratungsresistente Eltern“: Der Sprecher der Gymnasien, Karl-Heinz Heinemann Quelle: Christian Behrens

Um die Schüler besser zu verteilen, soll es ab nächsten Jahr erstmals eine zweite Verteilerkonferenz kurz vor Ende der Sommerferien geben. In diesem Sommer hatten 80 Kinder zu Schuljahresanfang noch keinen Schulplatz.

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