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Aus der Stadt Ex-SPD-Fraktionschefin Kastning: „Man braucht eine gewisse Robustheit“
Hannover Aus der Stadt

SPD-Ratsfraktion in Hannover: Ex-Fraktionschefin Christine Kastning bleibt noch zwei Jahre in der Kommunalpolitik aktiv

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16:03 29.12.2019
Christine Kastning ist als Chefin der SPD-Ratsfraktion zurückgetreten. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Wohnungen bauen, Schulen sanieren, Kitaplätze schaffen – noch immer geht es Christine Kastning um dicke Bretter, die sie bohren will. Wenn sie von Förderprogrammen für den Wohnungsbau spricht, von der dritten Betreuungskraft in Krippen, dann fahren ihre Finger energisch durch die Luft, ihre Augen werden streng. Klar ist, Kastning meint es ernst. Ernsthaftigkeit dürfte eine der hervorstechendsten Eigenschaften der SPD-Ratsfraktionschefin sein, die nach 13 Jahren ihren Hut genommen hat und jetzt nur noch einfache Ratsfrau ist. Ein Abschied auf Raten aus der Kommunalpolitik.

„Echte Fortschritte bei der Schulsanierung erzielt“

2006 übernahm die studierte Ökonomin das Ruder in der größten Ratsfraktion. Damals wurde ein gewisser Stephan Weil (SPD) Oberbürgermeister. Dem Rat hatte Kastning damals bereits fünf Jahre angehört. Wirtschafts- und Finanzthemen lagen der Nord/LB-Mitarbeiterin gewissermaßen im Blut, doch schon immer ging es ihr um die ganz großen Linien in der Stadtpolitik. Zu den Dauerthemen zählte damals bereits der Sanierungsstau in Hannovers Schulen. Seit 2003 seien etliche Millionen Euro in die Modernisierung der Schulen geflossen, betont Kastning. Zwar gibt es noch immer viele stinkende Schultoiletten, doch die SPD-Politikerin meint: „Bei der Schulsanierung haben wir echte Fortschritte erzielt.“

Die Wohnungsknappheit ist das zweite dicke Brett, das sich Kastning vorgenommen hat. Ab 2013 verabschiedete der Rat auf Initiative der SPD ein kommunales Förderprogramm nach dem anderen. Millionen Euro flossen in den Wohnungsbau, aber noch immer bleibt der Markt angespannt. „Nicht auszudenken, wie die Situation auf dem Wohnungsmarkt wäre, wenn wir vor einigen Jahren keine Förderprogramme aufgelegt hätten“, sagt die 54-Jährige.

Kein Glück bei der Kandidatenkür für den Landtag

2013 war nicht nur das Jahr der ersten Wohnraumförderprogramme – Kastning wollte in jenem Jahr auch den Sprung in die Berufspolitik wagen. Die Lindenerin ließ sich als Kandidatin für die Landtagswahl aufstellen, traf aber auf parteiinterne Konkurrenz. Die Parteibasis stimmte zur Hälfte für sie, zur Hälfte für ihre Gegnerin aus Herrenhausen, Thela Wernstedt. Am Ende musste das Los entscheiden, und Kastning zog den Kürzeren. Die Enttäuschung sei groß gewesen, sagt sie, dennoch entschied sie sich, weiterhin im Rat Kommunalpolitik zu betreiben.

Über Kastnings Führungsstil streiten sich die Geister. Sie selbst sagt: „Es gehört auch eine gewisse Robustheit dazu, eine Ratsfraktion zu führen.“ Zugleich sei es entscheidend, jedem Fraktionsmitglied Respekt zu erweisen. „Als Fraktionschefin musste ich erkennen, wie viele Diskussionen ich zu welchen Themen zulasse“, fährt Kastning vor. Weggefährten meinen, dass die Ökonomin nach innen ein strenges Regiment geführt habe, nach außen aber blass blieb. Keine Attacke gegen den politischen Gegner, keine Konfrontation mit der Stadtverwaltung.

Kastnings Grundhaltung: Unvoreingenommenheit

Tatsächlich sucht Kastning nicht den Konflikt, sondern die Lösung. „Ich bin ein pragmatischer Mensch“, sagt sie. Das bedeute aber nicht, dass sie keine Haltung habe. „Meine Grundhaltung ist zutiefst sozialdemokratisch. Ich versuche, jedem Menschen unvoreingenommen zu begegnen“, sagt Kastning. Es gehe ihr vor allem darum, den Menschen in Hannover ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen. „Eine Stadt muss sich daran orientieren, was die Menschen brauchen“, sagt sie.

2021 Abschied aus der Kommunalpolitik

Kastning hat seit ihrem Rücktritt vom Chefposten mehr Zeit – für ihre Arbeit bei der Landesbank. Etwa 30 Stunden hat sie pro Woche für ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Rat erübrigen müssen, eigentlich ein Vollzeitjob. Jetzt steht sie ihrem Arbeitgeber wieder häufiger zur Verfügung. Die politischen Termine hätten sich verringert, sagt Kastning, der Druck ebenfalls. Zur Kommunalwahl im Jahr 2021 will sie nicht wieder antreten. 20 Jahre saß sie dann im Rat. Das Bohren dicker Bretter will Kastning künftig der nächsten Generation überlassen.

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