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Aus der Stadt Diese beiden Hannoveraner wollen die SPD wieder „cool“ machen
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SPD-Vorstandswahl: So wollen Ahmetovic und Strauchihre Partei in Hannover erneuern

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10:00 15.11.2019
Ulrike Strauch und Adis Ahmetovic kandidieren als Duo für den Vorsitz der hannoverschen SPD. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Das Rathaus verloren, bei der Europawahl nur drittstärkste Kraft – die hannoversche SPD ist nach zwei Wahlschlappen schwer angeschlagen. Jetzt soll neues Führungspersonal die Genossen aufrichten und der Partei neuen Schwung geben. Gute Chancen, im Januar als Führungsduo gewählt zu werden, haben der 26-jährige Adis Ahmetovic und die 69-jährige Ulrike Strauch. Mit der HAZ sprachen sie über die Beweggründe für ihre Kandidatur und darüber, wie sie die SPD erneuern wollen.

„Warum sollten junge Leute in die SPD eintreten?“

Die Abwärtsspirale der hannoverschen SPD habe ihr große Sorgen bereitet, sagt Strauch, die seit 35 Jahren der Partei angehört. Sie habe sich nach der Wahlniederlage von Oberbürgermeisterkandidat Marc Hansmann gefragt, ob es nicht Zeit für sie sei, Verantwortung zu übernehmen. „Und dann kam der Anruf von Adis Ahmetovic“, erzählt sie. Eine Nacht musste sie darüber schlafen, dann habe sie sich entschieden, mit dem jungen Genossen anzutreten.

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„Ich bringe viel Lebenserfahrung mit und habe als Förderschullehrerin einen zutiefst sozialdemokratischen Ansatz“, sagt Strauch. Ahmetovic dagegen sei eine Identifikationsfigur für die Jüngeren, und das sei jetzt besonders wichtig. „Aus welchem Grund sollte man jungen Menschen noch raten, in die SPD einzutreten?“, fragt sich Strauch. Hierauf könne der 26-Jährige Antworten geben.

Mit den Menschen sprechen – auch abseits des Wahlkampfs

Ahmetovic hat noch zu seiner Zeit als Juso-Chef von Hannover einen beachtlichen politischen Erfolg errungen. Gegen alle Widerstände in seiner Partei war es ihm gelungen, ein vergünstigtes Monatsticket für Stadtbahnen und Busse durchzusetzen, mit dem Jugendliche durch die gesamte Region fahren können. „Und jetzt macht die Üstra mit der Jugendnetzkarte Werbung“, sagt er.

Auch ihn treibt der Niedergang seiner Partei um. „Die letzten zwei Wahlergebnisse haben gezeigt: Die SPD hat viel Vertrauen verloren, auch in Stadtteilen, in denen die Partei zuvor stark war – wie im Sahlkamp oder in anderen Stadtteilen“, sagt er. Dieses Vertrauen müsse man zurückgewinnen. „Wir müssen als SPD mit den Menschen auf der Straße in Kontakt treten und ihnen zuhören. Das darf nicht nur auf den Wahlkampf beschränkt sein“, fordert Ahmetovic.

SPD will in Grünen-Hochburgen wildern

Keine Scheu hat er, sich in die Stadtteile zu wagen, die inzwischen zu Grünen-Hochburgen geworden sind, etwa Linden und Limmer. Auch dort müsse sich die SPD bemühen, Grünen-Wähler von SPD-Politik zu überzeugen. „Wenn nötig, suchen wir den Dialog mit den Menschen in jedem Kiosk und in jeder Kneipe“, sagt Ahmetovic. Dafür sei eine klare politische Agenda zu den entscheidenden Themen der Stadt nötig: Wohnungsknappheit, Verkehrswende, Umweltschutz und Sicherheit.

Strauch betont, dass es um mehr gehe als darum, wo welche Straße erneuert werden soll. Sie will die SPD-Ortsvereine wieder zu sozialen und kulturellen Treffpunkten in den Stadtteilen machen. Der Mitgliederschwund in den Basisorganisationen ist zum Teil enorm. So zählte die SPD in Anderten, dem Heimatverein Strauchs, einst 150 Mitglieder, jetzt sind es nur noch 58. „Die Partei sollte eine geistige Heimat bieten“, sagt Strauch. Dabei müsse sich die SPD fragen, für welche Werte sie stehe. „Dazu zählen nach meinem Verständnis auch christliche Werte“, sagt die 69-Jährige.

„Zeigen, dass die SPD auch cool ist“

Beide Kandidaten sind sich einig, dass sich die Stimmung in der Partei ändern müsse. Innerparteiliche Querelen, Geschacher um Posten, miesepetriges Auftreten – das solle der Vergangenheit angehören. „Wir müssen rausgehen und gute Laune verbreiten. Zeigen, dass die SPD auch cool ist“, sagt Ahmetovic. Seine Duo-Partnerin Strauch formuliert es anders: Es gehe darum, eine „frohe Botschaft“ zu verkünden.

Das sind Ulrike Strauch und Adis Ahmetovic

Die 69-jährige Ulrike Strauch gehört der SPD seit 35 Jahren an. Sie ist die Witwe des verstorbenen Bürgermeisters Bernd Strauch, der zu den beliebtesten SPD-Politikern der Stadt gehörte. Ulrike Strauch war mehrere Jahre Leiterin der Astrid-Lindgren-Förderschule in Badenstedt. Als die Förderschulen nach und nach geschlossen wurden, arbeitete sie als Koordinatorin für Inklusion an der Integrierten Gesamtschule Linden. 2016 ging Strauch in den Ruhestand. Innerhalb der SPD hatte sie mehrere Ämter inne. Unter anderem war sie sechs Jahre Schatzmeisterin beim Stadtverband. Strauch hat drei Kinder und einen Enkel.

Der 26-jährige Adis Ahmetovic ist in Hannover geboren, seine Eltern sind Anfang der Neunzigerjahre vor dem Krieg auf dem Balkan geflohen. Sie stammen aus Bosnien-Herzegowina. Ahmetovic ist im Sahlkamp aufgewachsen, hat an der Herschelschule Abitur gemacht und danach Gymnasiallehramt mit den Fächern Politik und Deutsch studiert. Er ist der Erste in seiner Familie mit einem akademischen Abschluss. Vier Jahre war Ahmetovic bei den Jusos aktiv, inzwischen arbeitet er als persönlicher Referent von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Ahmetovic ist zudem stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Region Hannover.

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