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Aus der Stadt „Wir wollen Orlando zum Leuchten bringen“
Hannover Aus der Stadt

Schauspiel Hannover: Die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Corinna Harfouch spielt ab dem 25. Oktober in einer Bühnenversion des Virginia-Woolf-Romans Orlando eine tragende Rolle.

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18:07 22.10.2019
Corinna Harfouch – hier im Treppenhaus der Cumberlandschen Galerie – war schon mehrfach in Hannover zu Gast. Quelle: Tim Schaarschmidt

Frau Harfouch, Sie gewinnen seit Jahrzehnten in schöner Regelmäßigkeit Preise, für Filmrollen wie für Theaterauftritte. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Im ersten Moment erlebe ich einen freudigen Schreck. Doch letztendlich sind mir derartige Auszeichnungen nicht wichtig, sie machen meine Arbeit nicht leichter oder angenehmer. Solche Ehrungen haben zudem immer etwas mit Glück zu tun – ob man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, beispielsweise.

Immer wieder werden Sie für Ihre Energieleistungen und Ihr empathisches Spiel gelobt, kommen bei Publikum wie Kritikern gleichermaßen gut an. Ist Ihnen – in beruflicher Hinsicht – auch schon einmal der Begriff „Scheitern“ untergekommen?

Scheitern tue ich jeden Tag, wenn ich es nicht schaffe, ständig in mein Textbuch zu gucken und den Kampf gegen den inneren Schweinehund mal wieder verloren habe. Aber umso mehr freue ich mich natürlich, wenn ich mein Ziel dann doch erreiche. Und was das Scheitern in der öffentlichen Wahrnehmung angeht: Man darf seinen Kompass nicht nach Rezensionen ausrichten, muss sich von schlechten und guten Kritiken losmachen können. Diese – mögliche – Art des Scheiterns interessiert mich also nicht.

Vor wenigen Tagen sind Sie 65 Jahre alt geworden, ehedem das gesetzliche Renteneintrittsalter. Wollen Sie künftig etwas kürzertreten?

In unserem Beruf gibt es diese Art von Einschnitt nicht, ich empfinde die Zahl 65 auch nicht als negativ. Allerdings will ich künftig häufiger zu Hause sein, mehr Zeit mit meinen Enkeln verbringen und nicht mehr so viel woanders arbeiten. Aber natürlich werde ich weiterhin Filme drehen und Theater spielen.

Sie sind schon sehr viel herumgekommen, Großstadtleben – vornehmlich in Berlin – ist Ihnen nicht fremd, doch wohnen Sie in einem Dörfchen in Brandenburg. Was bedeutet es in diesem Zusammenhang, dass Sie nicht mehr so viel „woanders“ arbeiten wollen?

Ich habe vor Kurzem in einem Nachbarort einen Kneipensaal gekauft, drum herum baue ich jetzt ein Theater auf. Ich will dort aber nicht nur Regie führen und auf der Bühne stehen, sondern in diesem Saal sollen auch Feste gefeiert werden, Workshops stattfinden, Kinofilme zu sehen sein. Von solch einem Projekt träume ich schon lange, und wenn‘s dann läuft, muss ich auch nicht mehr so viele weite Fahrten im Auto bewältigen.

2015 waren Sie am Schauspiel Hannover im Heiner-Müller-Stück „Der Auftrag“ als Weißclown zu sehen. Vor einem guten halben Jahr haben Sie das hiesige Publikum in der Schauspiel-Tanz-Gesangs-Lesung „Die Nachtigall des Zaren“ hellauf begeistert. Und nun werden Sie mit Virginia Woolfs „Orlando“ – die aktuelle Spielzeit und vielleicht sogar darüber hinaus - noch viel häufiger zu Besuch an der Prinzenstraße sein. Welches Verhältnis haben Sie zu Hannover?

In wohne derzeit in einer Unterkunft hinter dem Hauptbahnhof. Dort nehme ich extrem viel Elend wahr, sehe Alte, Verrückte, Bettler, Drogenabhängige, Obdachlose. Vor Jahren habe ich in Linden gewohnt, da ist mir das nicht so aufgefallen. Doch wenn ich diese Not so gehäuft erlebe, frage ich mich schon, wie in einer so reichen Stadt so viel Elend existieren kann und warum sich die Gesellschaft mit solchen Zuständen abfindet.

Und kennen Sie Hannover auch aus anderer Perspektive?

Ja, natürlich. Ich habe den Maschsee erlebt, schöne Parks besucht, sehe aber auch, welche Wunden der Zweite Weltkrieg im Stadtbild hinterlassen hat. Überhaupt nicht begreifen kann ich, wenn jemand behauptet, Hannover sei langweilig. Denn das finde ich nun wirklich nicht.

Schon lange haben Sie mit der neuen hannoverschen Intendantin Sonja Anders zu tun, die zehn Jahre lang Chefdramaturgin am Deutschen Theater war, haben dort selbst häufig auf der Bühne gestanden. Wie kommt‘s, dass sie sich in Hannover bei „Orlando“ wiedertreffen?

Das Werk von Virginia Woolf wird derzeit an etlichen deutschen Theatern gespielt, weil es viele aktuelle Fragen aufwirft: Was ist männlich, was weiblich, was gibt es dazwischen und was bedeutet Vielfalt? Der Roman geht überaus fantasievoll und bilderreich mit diesen Themen um, und ich liebe ihn ebenso wie Sonja Anders. Hinzukommt, dass Lily Sykes, die englische Regisseurin unseres Stücks, in der Nähe von Virginia Woolfs Wohnort aufgewachsen ist und mir den Text noch einmal auf ganz andere Weise nahegebracht hat. Von ihr kann ich viel über clowneske Spielweisen und neue Erzählperspektiven lernen; sie ist nicht nur eine gute Regisseurin, sondern auch eine wunderbare Lehrerin für mich.

Auf Regisseurin Lily Sykes (r.) hält Corinna Harfouch große Stücke. Quelle: Tim Schaarschmidt

Im aktuellen „Orlando“ treten Sie ab Freitag mit Oscar Olivo auf, der sieben Jahre festes Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover war. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

Ich kenne Oscar Olivo schon lange, habe mit ihm im Vorjahr am Deutschen Nationaltheater Weimar Macbeth gespielt, in einer Heiner-Müller-Übersetzung. Oscar ist ein toller Schauspieler und Tänzer, ein genialer Körperartist, und ich finde es großartig, ein Projekt wie „Orlando“ gemeinsam mit ihm zu verwirklichen. Uns verbindet außerdem, dass er am gleichen Datum wie ich Geburtstag hat – wenngleich er 27 Jahre später zur Welt kam.

Nun ist „Orlando“ kein Zwei-Personen-Stück, man könnte auch ein halbes Dutzend Schauspieler auf die künstlerische Reise schicken. Wen spielen Sie, wen verkörpert Oscar Olivo?

Wir verkörpern überhaupt keine Figuren im herkömmlichen Sinn, sind nicht auf Rollen fixiert. Wir erzählen eine fantastische Geschichte, in ganz verschiedenen Spielformen. Die Bühne ist ein weiterer Spieler, die Kostüme und die Regisseurin ebenso, und wir alle erzählen, was uns an dieser Geschichte interessiert. Wir wollen Orlando zum Leuchten bringen.

Die Hauptfigur macht über die Jahrhunderte viele Wandlungen durch, vom „Er“ zur „Sie“, vom Krieger zur Poetin. Wie geht es Ihnen mit dem heutigen Oktobertag – würden Sie sich angesichts der allgemeinen Weltlage auch gerne auf einen Streifzug in die Zukunft begeben, 300 Jahre voraus und mehr?

Ich käme niemals auf die Idee, mich irgendwo anders hinzuwünschen. Diese Welt ist so reich und vielfältig, dass ich gar keinen Grund sehe, in die Zukunft zu reisen. Wir müssen aber darauf achten, uns durch die Flut schlechter Nachrichten, die uns tagtäglich berieseln, nicht handlungsunfähig zu machen. In weiten Teilen entziehe ich mich dieser Informationsquälerei, an den meisten Dingen kann ich ja eh nichts ändern. Wichtig ist jedoch, mit offenen Augen und mit Herz und Verstand seinen Platz in dieser Welt zu finden. Und das versuche ich.

Von Michael Zgoll

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