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Aus der Stadt Abschied nach 27 Jahren: Oswald Nachtwey verlässt die IGS List
Hannover Aus der Stadt Abschied nach 27 Jahren: Oswald Nachtwey verlässt die IGS List
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00:15 31.01.2019
Schulpreis mit der eigenen Schule gewonnen: Oswald Nachtwey verlässt nach 27 Jahre die IGS List. Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Den Deutschen Schulpreis gewinnen mit der Schule, die man vor 27 Jahren selbst mitgegründet hat – für einen Schulleiter kann es eigentlich keinen schöneren Erfolg geben. Oswald Nachtwey ist das mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) List im vergangenen Jahr gelungen. Ein dreiviertel Jahr später geht der bislang erste und einzige Schulleiter der Gesamtschule in den vorzeitigen Ruhestand - nach 41 Jahren im Schuldienst. „So richtig wahrhaben will ich das noch nicht“, sagt der 63-Jährige, „ich arbeite bis zu dem Tag einfach weiter.“ Er weiß, dass er seine Schule in gute Hände übergibt. Seine Nachfolgerin wird Petra Hoppe, bislang didaktische Leiterin an der IGS List.

Aufstieg durch Bildung

Oswald Nachtwey hat den Aufstieg durch Bildung, von der überzeugt ist, selbst erlebt. In seiner Grundschulklasse im Eichsfeld war er der einzige, der aufs Gymnasium wechselte. „Ich bin das typische katholische Arbeiterkind vom Land“, sagt er. Sein Vater war Arbeiter, erst Sattler, später hat er Kraftwerke mitgebaut, seine Mutter Hausfrau. Die Familie hatte einen bäuerlichen Nebenerwerbsbetrieb. Dort mitzuhelfen war wichtiger als Hausaufgaben zu machen. Als Schüler hat Nachwey beides erlebt – die „richtig guten Pädagogen“ und Lehrer, die er „schrecklich“ fand.

Lebensraum Schule

„Lebensraum für Kinder gestalten“ – mit diesem Ziel ist Elisabeth Holtkamp Lehrerin geworden. Und das ist für die 63-jährige Rektorin der Grundschule Lüneburger Damm im Heideviertel bis heute das wichtigste pädagogische Ziel. Nach zwölf Jahren als Schulleiterin geht sie Ende des Monats in den Ruhestand. Sie möchte zu den Schülern eine besondere Beziehung aufbauen, ihnen an der Schule mehr als nur Faktenwissen vermitteln. Sie sollen über Sport- und Kulturangebote im Ganztag auch Anregungen für Hobbys bekommen. Gerade Kinder aus sozial benachteiligten Familien könnten davon besonders profitieren, sagt sie. Wenn sie im Ruhestand ist, möchte sie ins Theater gehen, Konzerte besuchen, sich um ihre Enkel kümmern und dann in den Urlaub fahren, wenn mal keine Schulferien sind. dö

Er studierte Mathematik, Geografie und Sport für das Grund- und Hauptschullehramt in Göttingen. Sein Referendariat machte er in Osterholz-Scharmbeck nördlich von Bremen. 1980 kam er an die Hauptschule an den Altenbekener Damm. „Ich wollte immer eine möglichst gute Beziehung zu meinen Schülern haben“, sagt Nachtwey. Er habe alle seiner Schüler mit Migrationshintergrund zuhause besucht, bei den Eltern sei das gut angekommen: „Die waren sehr überrascht, dass ein Lehrer Hausbesuche macht und sich für sie interessiert.“ Er unterstütze Studenten bei ihren ersten praktischen Erfahrungen in der Schule, machte sich intensiv Gedanken über die Gestaltung des Unterrichts, saß mit dem SPD-Politiker Walter Meinhold in der „Gemeinsamen Kommission für Lehrerbildung“.

Viel Widerstand gegen die neue IGS

1986 wechselte er an die IGS Garbsen, wurde dort Fachbereichsleiter für Gesellschaftslehre. Ende der achtziger Jahre engagierte er sich in der Initiative, in der List eine neue Integrierte Gesamtschule zu gründen. 1991 wurde Nachtwey zum Leiter der Planungsgruppe ernannt. Damals waren die Bedenken gegen die neue Schule groß. Eine vierzügige IGS ohne Oberstufe sei eine pädagogische Totgeburt, hieß es. Außerdem brauche Hannover keine weitere IGS, die Gesamtschulen in Linden, Mühlenberg und Roderbruch seien genug.

Ein Blick für auch für hochbegabte Kinder

Sigrid Promann, die die Grundschule Beuthener Straße in Mittelfeld leitet, kommt aus dem Kreis Diepholz und hat als Kind eine „typische Dorfschule mit zwei Jahrgängen in einer Klasse“ besucht. „Ich bin unheimlich gern zur Schule gegangen.“ Nach dem Realschulabschluss besuchte sie das Gymnasium in der Kreisstadt (“Man musste mit Rad, Bus und Zug dorthin fahren, eine echte Weltreise“). Sie war die erste aus ihrer Familie, die Abitur machte. An der Universität Hildesheim studierte sie Grund- und Hauptschullehramt, kam ins „Heer der arbeitslosen Lehrer“, hangelte sich zehn Jahre lang mit Feuerwehrstellen durch, unter anderem an der Grundschule Laatzen-Grasdorf. 1992 kam sie an die Grundschule Beuthener Straße, wurde dort 1999 Konrektorin und 2002 kommissarische Schulleiterin. Den Schulversuch für hochbegabte Schüler hat sie maßgeblich mit vorangetrieben. Sie findet es wichtig, den Blick fürs einzelne Kind zu haben, auch für seine besonderen Begabungen. Sie geht mit 60 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Der Schuldienst habe ihr stets Spaß gemacht, sagt sie, sei aber auch immer bürokratischer geworden. Nun sei Zeit für einen Generationenwechsel, sagt sie. dö

Die Entwicklungsgeschichte der neuen Schule sei alles andere als ein pädagogischer Spaziergang gewesen, sagt er. Es habe Erfolge und Rückschläge gegeben. Der Abschied von der Schulstunde im 45-Minuten-Takt und die Aufhebung der äußeren Fachleistungsdifferenzierung im 7. und 8. Jahrgang habe länger gedauert als erhofft. Jetzt aber werden an der IGS List alle Kinder bis zur 8. Klasse gemeinsam und nicht in Kursen unterschiedlicher Leistungsniveaus unterrichtet. Nachtwey führte als einer der ersten Schulleiter in Hannover Bläserklassen ein. Später kamen Chor- und Forscherklassen hinzu.

Nichts geht ohne Netzwerke

„Der Blick über den Zaun“ war den Schulleiter immer besonders wichtig. Die IGS List ist Mitglied eines gleichnamigen Schulverbundes. Die Lehrer der Mitgliedschulen besuchen sich gegenseitig und schauen einen Tag lang einem Schüler über die Schulter. Seit 2016 ist Nachtwey zudem Leiter des Qualitätsnetzwerks der 30 Gesamtschulen in der Region Hannover.

Sinn fürs Praktische

Ruth Pfeiffer arbeitet gern praktisch, mit ihren Händen. Nach dem Abitur hat sie erst mal ein Jahr Praktikum auf dem Bau gemacht. „Da habe ich viel gelernt“, sagt die 65-jährige Leiterin der Grundschule Am Stöckener Bach. Zunächst wollte sie eigentlich Berufsschullehrerin werden, wechselte dann zu Grund- und Hauptschullehramt. Ihre Fächer waren Deutsch, Mathematik und Werken. Nach dem Referendariat bekam sie eine Feuerwehrstelle an der damaligen Orientierungsstufe Isernhagener Straße, 1985 ergatterte sie eine von damals 114 in ganz Niedersachsen ausgeschriebenen Stellen – an der Grundschule Nienburg. 1997 kam Pfeiffer an die Grundschule Am Stöckener Bach. Inklusion ist ihr eine Herzensangelegenheit: „Eine Grundschule sollte eine Schule für alle Kinder im Viertel sein.“ dö

Eine IGS könne ohne Oberstufe sehr wohl existieren, sagt Nachtwey: „Wir sind der lebende Beweis.“ Gerade für die intensive Lernbegleitung der Schüler ist die IGS List 2018 mit dem 2. Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden.

Auch wenn Oswald Nachtwey es noch nicht so wichtig wahrhaben will, am 31. Januar ist sein Arbeitsleben zu Ende. Langweilig wird dem Extremsportler, der gern Fußball und Volleyball spielt, Windsurfing und Wildwasserkajak macht, Ski fährt und zu Terminen grundsätzlich mit dem Rad kommt, sicher nicht werden. Mehrere Reisen sind für dieses Jahr schon geplant. Eine Skitour in den Bergen, eine Wanderung durch die Pyrenäen, eine Kajakfahrt durch die Wildnis Kanadas, Windsurfen auf Kreta. „Nichts tun kann ich nicht“, sagt Nachtwey.

Von Saskia Döhner

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