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Aus der Stadt Jungschützin: „Schützenwesen ist Sport und Leidenschaft“
Hannover Aus der Stadt

Schützenfest Hannover 2019: Jungschützin Milena Balzer im Interview

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20:18 02.07.2019
Jungschützin Milena Balzer (16) liebt das Schützenfest. Die Tradition war ein Grund für sie, Mitglied im Schützenverein zu werden. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

 

Was fasziniert Sie am Schützenwesen – ist es die Geselligkeit oder der Sport?

Es ist die Mischung aus Sport und Tradition bei uns im Verein – an beidem habe ich total viel Spaß. Man kann beides auch gar nicht trennen. Der Sport nimmt für mich aber einen größeren Teil des Schützenwesens ein. Das Mannschaftsgefühl beim Schießen ist viel stärker als die meisten Außenstehenden denken.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, in einen Schützenverein einzutreten?

Der ausschlaggebende Punkt war der Schützenausmarsch. Meine Mutter war zwar früher auch im Verein, aber als ich geboren wurde, war sie schon ausgetreten. Am Tag des Ausmarschs bin ich mit meinem Vater extra immer zum Brötchenkaufen – sonst eigentlich nie. Ich fand die Aufstellung, die Musik und das Losmarschieren immer super schön. Und habe mir gesagt: Irgendwann möchte ich dabei sein.

Mit welchen Vorurteilen gegenüber Schützenvereinen würden Sie am liebsten aufräumen?

Darf ich nur eins? (lacht) Das Klischee, was mir am meisten zu Ohren kommt, ist: „Die Schützen saufen nur.“ Das verletzt mich immer wieder, weil das Schützenfest mehr Anerkennung verdient. Das Schützenwesen ist keine Rechtfertigung, um zu saufen. Natürlich ist bei einem Volksfest Alkohol ein Thema, aber nicht mehr als bei allen Nicht-Schützen. Hier geht es um die Ehrung von sportlichen Leistungen. Das sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden.

Sie sind sehr erfolgreich im Schießen. Was macht diese Sportart aus?

Man hört beim Schießsport nie auf zu lernen – vor allem über sich selbst. Wenn sich in den Lebensumständen etwas verändert, muss man mental auch ganz anders an den Sport rangehen. Man ist mit sich selbst auf einer ganz anderen Ebene. Beim Wettkampf schieße ich zwar alleine, aber man kämpft für eine Mannschaft mit, die mir auch den Rücken stärkt. Man lernt Koordination und Konzentration.

Viele Schützenvereine haben Probleme, junge Mitglieder anzuwerben. Wie ist das in Ihrem Verein?

Ich merke natürlich, dass der Nachwuchs fehlt. Bei uns im Verein haben wir in der Jugend aber eine total gute Zeit. Die jungen Leute sind mit viel Engagement und Ehrgeiz dabei. Das war auch mal anders – vor allem, als ich angefangen habe. Um mehr junge Menschen zu begeistern, betreiben wir zum Beispiel einen Instagram-Account.

Was sagen Ihre Freunde, die nicht Mitglied sind, zum Schützenverein?

Ich kann nachvollziehen, dass bei der Suche nach einem Hobby nicht der erste Gang zum Schützenverein führt. Als ich die Idee hatte, gab es zwar wenig Vorurteile, aber Unverständnis darüber – einfach, weil man es nicht kennt. Mit der Zeit wurde es mehr angenommen und akzeptiert. Als ich dann die ersten Bilder von den Erfolgen gezeigt habe, haben sich meine Freunde gefreut. Mittlerweile sind manche vielleicht sogar neidisch darauf, was man als Schützin alles erleben kann.  

Wie würden Sie eine ihrer Freundinnen überzeugen, in den Schützenverein einzutreten?

Ich würde die Gemeinschaft unter den Schützen hervorheben. Mit Freunden, die ich hier gefunden habe, bin ich auf einer ganz anderen Ebene, weil wir den Sport und die Leidenschaft teilen.

Was ist für Sie das Positive an der Tradition?

Wir sind Teil einer langen Geschichte und wir sind hier um die Tradition fortzuführen – darauf bin ich stolz. Beim Schützenausmarsch bekommen wir dann die Rückmeldung: Die Zuschauer feiern uns dafür, was wir tun.  

Haben Sie als junge Frau in Ihrer Schützenlaufbahn bisher Nachteile gegenüber Männern erfahren?

Es gibt viele weibliche Schützinnen, die die Männer beim Schießen abziehen. Insofern ist die Geschlechteraufteilung sportlich nicht präsent. Und auch bei den Mitgliedern und Verantwortlichen ist die Verteilung ausgewogen.

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