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Aus der Stadt Lernmethoden wie vor 100 Jahren passen nicht zur heutigen Zeit
Hannover Aus der Stadt Lernmethoden wie vor 100 Jahren passen nicht zur heutigen Zeit
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00:15 07.03.2019
Mit Tablet und Zirkel: Fünftklässler Benthe und Paul lernen an der KGS Pattensen für die Zukunft. Quelle: Tim Schaarschmidt
Pattensen/Hannover

 Reiner Frontalunterricht passt nicht in eine Schule der Zukunft. An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Ernst-Reuter-Schule in Pattensen wird zunehmend selbstorganisiert und projektbasiert gelernt, der Lehrer versteht sich immer mehr als Lernbegleiter, der regelmäßig mit dem Schüler überprüft, wo dieser steht und wo er eigentlich stehen sollte. Digitale Medien helfen bei der Individualisierung des Unterrichts. Die Kinder in der 6. Klasse von Ricarda Maack sind angetan vom Lernen mit I-Pads in der ersten Tablettklasse: „Die sind viel leichter als die schweren Bücher“, sagt Benthe (11), „vorher hat gar nichts mehr in den Schulranzen gepasst, die Hefte wurden gequetscht und waren schnell kaputt.“ Xenia lernt Vokabeln lieber digital. Da könne man sich ein Wort auch mal vorsprechen lassen.

Ihr Klassenkamerad Paul findet, dass man mit dem Tablet in der Geometriestunde viel einfacher und anschaulicher Sachen ausprobieren kann als auf Papier. „Es macht mehr Spaß.“ Außerdem habe man ja in einigen Fächern auch noch gedruckte Bücher. „Anstatt alle Kinder gleichzeitig zu unterrichten, kann ich mich mehr um den einzelnen kümmern“, sagt Englischlehrerin Maack (30).

Ideengeber für „Bildung 2040“

Die KGS Pattensen versteht sich als eine „Schule im Aufbruch“. Die gleichnamige Initiative, der weltweit schon mehr als 100 Schulen angehören, war 2012 von der ehemaligen Schulleiterin Margret Rasfeld, dem Neurobiologen Gerald Hüther und dem Juraprofessor Stephan Breidenbach gegründet worden. Die Herausforderungen der Zukunft könne man nicht mit den Lehrmethoden wie vor 100 Jahren beantworten, sagt Rasfeld. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte die 67-jährige Bildungsbotschafterin als Hauptrednerin zum Auftakt seines Kongresses „Bildung 2040“. Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – wie Globalisierung, Digitalisierung und Umgang mit Vielfalt – gewachsen zu sein, müssten Schüler kreativ und kooperativ lernen, sagt Rasfeld. Der klassische Fächerkanon sei genauso überholt wie Unterricht im 45-Minuten-Takt und das reproduktive allein auf Arbeiten ausgerichtete Lernen.

„Eine ganze Schule krempelt man nicht mal so eben um“: Kommissarische Schulleiterin Mirjam Gerull. Quelle: Tim Schaarschmidt

Die KGS Pattensen (910 Schüler, 90 Lehrer und 20 andere Mitarbeiter) hat sich schon vor zwei Jahren von der Bewegung inspirieren lassen, als eine der ersten Schulen in Niedersachsen. Man will Vorreiter und Beispielgeber sein für andere Schulen, hat Ende November 2018 eine „Roadshow“ zu dem Thema ausgerichtet mit Rasfeld als Gast. „Eine ganze Schule krempelt man nicht von einem auf den anderen Tag um“, sagt die kommissarische Schulleiterin Mirjam Gerull. Das sei ein Prozess, an dem die gesamte Schulgemeinschaft – Schüler, Lehrer wie Eltern beteiligt sein müssten.

„Diese Generation muss die Zukunft gestalten“

Die ersten Effekte seien aber schon spürbar: „Es gibt viel mehr Anlässe, in die Tiefe zu gehen“, sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich. „Ich konnte noch nie so detailliert den Kindern sagen, wo ihre Baustellen sind.“ Auch hier hilft der individuelle Unterricht mithilfe der digitalen Medien. Lehrer und Schüler sprechen regelmäßig miteinander, es gibt Lernzeiten, in denen die Schüler selbstständig arbeiten, Klassen- und Jahrgangsräte, bei denen die Jugendlichen sagen, was sie stört, aber auch andere loben. Kinder sollen mitbestimmen. „Wir bilden die Generation aus, die die Zukunft gestalten muss, die Menschen, die in die Politik gehen und Unternehmen leiten“, sagt Ulrich. Gelernt wird nicht nur im Klassenraum, sondern auch auf dem Flur oder draußen.

Die KGS Pattensen will die Schüler für die Zukunft fit machen – mit neuen kooperativen Lernmethoden.

Unterricht in Schülerfirmen und Projektideen

Im 9. und 10. Jahrgang haben die drei Gymnasialklassen und die drei Haupt- und Realschulklassen immer mittwochs Profilunterricht. Die einen betreuen die Schülerfirma „FitimBiss“. Das geht vom Einkaufen, Kalkulieren übers Zimtschnecken-Backen und Quarkspeisen-Zubereiten bis zum Verkaufen. „Die Zimtschnecken sind so gut, dass ich sie schon zuhause gemacht habe“, sagt Luca (15). Amélie (15) bereitet am liebsten Smoothies zu. Die Jugendlichen simulierten Betriebsabläufe, sagt Lehrerin Agnieszka Heubaum, und lernten dabei ganz viel fürs Leben.

Fürs Leben lernen: (v.l.) Amelie (15), Luca (15), Joshua (15) und Amelie (16) stehen mit einem Tablett Zimtschnecken in einer Schulküche. An der Ernst-Reuter-Schule (Kooperative Gesamtschule) findet Projektunterricht statt. Quelle: Moritz Frankenberg

Im Kurs „Projektmanagement“ und „Global Goals“ müssen die Schüler Verantwortung übernehmen, für sich und für die Gruppe. Lehrerin Victoria Veits (31) ist „helfende Hand“, nicht „Beurteilerin“. Ob sie einen Kräutergarten anlegen, Bäume für einen Schulwald pflanzen oder ein Pfandsystem – das Projekt ist nicht so entscheidend, das gemeinsame Umsetzen um so mehr.

Elternvertreter stehen voll hinter der Idee

Schullelternratsvorsitzende Susanne Farkhar (52) steht voll hinter der Idee des neuen Lernens: „Eltern werden hier richtig eingebunden, sie geben ihre Kinder nicht nur ab, die Potenziale der Kinder lassen sich so viel besser heben.“ Die Schüler würden Dinge finden, die sie berühren und begeistern, die sie glücklich machten.“ Sie kämen voller Lust aufs Lernen in die Schule und das dürfte man nicht vermasseln, sagt die dreifache Mutter. Denn allzu oft werde in der herkömmlichen Schule die Lust aufs Lernen genommen.

Schulelternratsvorsitzende Susanne Farkhar steht voll hinter den modernen Unterrichtsmethoden. Quelle: Moritz Frankenberg

Von Saskia Döhner

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