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Aus der Stadt Immer mehr glutenfreies Essen: Caterer von Eltern genervt
Hannover Aus der Stadt Immer mehr glutenfreies Essen: Caterer von Eltern genervt
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00:15 22.10.2018
Glutenfreies Essen ist gesünder – nicht für alle: Der Caterer Vom Feinsten verlangt jetzt einen Nachweis vor der Bestellung. Quelle: Franziska Kraufmann/dpa
Hannover

Weil Eltern massenweise gluten- und lactosefreie Spezialgerichte als Schulessen für ihre Kinder bestellt haben, hat der Caterer Vom Feinsten dem jetzt einen Riegel vorgeschoben. Jetzt bekommen nur noch Schüler das Gericht, die erwiesenermaßen eine entsprechende Unverträglichkeit haben. Der Caterer hat alle Familien per Mail angeschrieben und darauf hingewiesen, dass die Sonderessen teuer und aufwendig in der Herstellung und extra verpackt seien. Es muss auch gesondert entsorgt werden.

In dem Schreiben an die Eltern heißt es, das gluten- und lactosefreie Gericht sei erst im vergangenen Schuljahr ins Sortiment aufgenommen worden, nun habe man aber festgestellt, dass es an bestimmten Tagen unverhältnismäßig oft bestellt werde. Vom Feinsten-Mitbegründer und Geschäftsführer Kai Emmermann sagt, an einem Standort, der sonst auf elf oder zwölf Extragerichte komme, seien auf einmal 90 bis 110 solcher Essen bestellt worden.

Glutenfreies Gericht in Herstellung 70 Prozent teurer

Für das lactose- und glutenfreie Essen müssen Schüler 4,90 Euro zahlen, während die herkömmlichen Gerichte einen Preis zwischen 3,80 und 4,50 Euro haben. Die tatsächlichen Produktionskosten lägen deutlich höher, sagt Emmermann, „etwa 70 Prozent mehr als andere Gerichte“. Der Caterer liefert täglich in der Stadt Hannover rund 5000 Kita- und Schulessen aus. Nicht an allen Schulen können Eltern zwischen den Gerichten wählen, manche entscheiden sich auch für ein Hauptgericht.

Der Zuschuss der Stadt ist für allergenfreies Essen nicht höher als für andere Gerichte. Im Schnitt liegt der Essenpreis bei 3,80 Euro, da nach dem Mittagessenkonzept ein Menü aber nicht mehr als 2,80 Euro kosten soll, wird das Schulessen mit jeweils einem Euro bezuschusst.

„Jede Diätreduktion kann zu Mangelernährung führen“

Vom Feinsten warnt in seiner Rundmail an die Eltern, dass es aus gesundheitlichen Gründen auch nicht gut sei, übermäßig viele gluten- und lactosefreie Lebensmittel zu verzehren, wenn gar keine Unverträglichkeit vorliege. Eine Einschätzung, die Kai-Peter Schubert vom Kinderkrankenhaus auf der Bult bestätigt. Der Kindergastroenterologe sagt: „Jede Reduktionsdiät ohne Indikation, bei der wesentliche Nährstoffe weggelassen werden, führt bei Heranwachsenden zu Mangelernährung.“ Eltern sollten nicht ohne ärztliche Diagnose etwa einfach Milch und Milchprodukte weglassen, Calcium sei wichtig für den Knochenaufbau.

Mittlerweile neigten viele Menschen zu glauben, sie hätten eine Gluten-Unverträglichkeit, sagt Schubert: „Das Gespenst von der Zöliakie geht um, in jedem dritten Fall ist das gar nicht so.“ Selbst wenn Bauchschmerzen durch eine glutenfreie Ernährung vergingen, sei das kein eindeutiger Beleg für eine Unverträglichkeit. Es könne auch sein, dass man einfach vorher zuviel zuckerhaltige industriell gefertigte Kost zu sich genommen habe und die Blähungen durch die glutenfreie Nahrung aufhörten. Wenn jemand häufig glutenfrei esse, ohne dagegen allergisch zu sein, könne entweder eine echte Gluten-Unverträglichkeit nicht erkannt werden und man erkranke später an Osteoporose, ohne den Grund dafür zu kennen, oder man werde übergewichtig, da glutenfreie Kost mehr Kohlenhydrate und Kalorien enthalte.

Haben andere Schulcaterer auch Probleme?

Hermann Josef Kahl vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte meint, solange man nur hin und wieder glutenfrei essen und sonst eine Mischkost zu sich nehme, sei das unproblematisch.

Die Stadt Hannover hat jetzt andere Schulcaterer angefragt, ob sie auch Probleme mit übermäßigen Bestellungen von glutenfreiem Essen hätten. Bei Vom Feinsten hat sich laut Emmermann kein Elternteil auf die Rundmail bislang gemeldet.

Von Saskia Döhner

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