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Aus der Stadt Untersuchung zum Schulstart: Das wollen die Ärzte wissen
Hannover Aus der Stadt

Schulstart 2019: Schulärzte fragen erstmals nach Schwimmfähigkeit der Kinder

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15:04 14.08.2019
„Unser Ziel ist es, dass die Kinder fröhlich und stolz den Raum wieder verlassen“: Die Kinderärztin Andrea Wünsch leitet das Team Sozialpädiatrie und Jugendmedizin bei der Region. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Die Untersuchungen für die rund 11.000 Erstkässler in der Region Hannover, die am Sonnabend eingeschult werden, sind bis auf wenige Ausnahmen abgeschlossen. Am Donnerstag starten dann schon die Tests für Kinder, die 2020 in die Schule kommen.

Kann Ihr Kind schwimmen?

Erstmals werden die Schulärzte die Eltern auch danach fragen, ob ihr Kind schon schwimmen kann oder ob es bald einen Seepferdchen-Kurs macht. Experten der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) warnen schon seit Längerem, dass immer weniger Kinder in Deutschland wirklich schwimmen können. Nur noch 40 Prozent der Kinder bewegten sich am Ende der Grundschulzeit sicher im Wasser.

Die Frage danach, ob ein Kind schwimmen kann oder nicht, sei ein erster wichtiger Schritt, um die Familien auf dieses Thema aufmerksam zu machen, sagt Andrea Wünsch (47), Leiterin des Teams Sozialpädiatrie und Jugendmedizin bei der Region. Mit dem neuen Fokus auf die Schwimmfähigkeit ist die Region Vorreiter in Niedersachsen.

„Mit einem Lächeln im Gesicht“

Die Schuleingangsuntersuchung ist Pflicht. Wenn ein Kind sechs Jahre alt wird, steht diese Untersuchung an, manchmal auch schon zwei Monate vor dem sechsten Geburtstag. Eingeladen werden die Eltern per Brief.

Fast 11.000 angehende Erstklässler

In der Region Hannover sind zuletzt jährlich zwischen 10.500 und 10.900 Lernanfänger von Schulärzten untersucht worden, Tendenz steigend. Geprüft werden neben der eingehenden körperlichen Untersuchung die Bereiche Kognition, Sprache, Feinmotorik, Grobmotorik und die sozial-emotionalen Fähigkeiten. Ein Kind sollte Farben erkennen, einen angemessenen Wortschatz haben, auf einem Bein stehen, sich allein an- und ausziehen können. Es wird getestet, wie oft es innerhalb von zehn Sekunden mit beiden Beinen über eine Linie hüpfen kann.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Sprachentwicklung. Seitdem nicht mehr die Schulen bei der Anmeldung den Test zur Sprachstandsfeststellung machen, sondern die Kitas oft im laufenden Betrieb, bietet die Region eine spezielle Sprachförderuntersuchung für die Kinder an, bei denen die Erzieher Auffälligkeiten bemerken. So können die Fünfjährigen im letzten Kitajahr gezielter gefördert werden.

Die dreifache Mutter Andrea Wünsch will die Angst vor diesem Termin nehmen. „Weder Kinder noch Eltern sollten sich davor fürchten“, sagt die Medizinerin. „Es geht nicht ums Bestehen oder Durchfallen, es geht darum herauszufinden, ob das Kind fit für den Schulstart ist und wo es vielleicht noch gefördert werden sollte.“ Die Untersuchung werde so gestaltet, dass sie angenehm sei und auch Spaß mache: „Unser Ziel ist es, dass die Kinder fröhlich und stolz den Raum wieder verlassen, mit einem Lächeln im Gesicht.“ Eltern sollen den Impfpass und das gelbe Heft mitbringen, in dem der Kinderarzt die Ergebnisse der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen vermerkt hat.

Was untersuchen die Ärzte genau?

Gewicht: Wichtig ist die gründliche körperliche Untersuchung – samt Wiegen. Rund 4,6 Prozent der Erstklässler aus dem vergangenen Schuljahr waren übergewichtig, fast ebenso viele – nämlich 4,2 Prozent – untergewichtig.

 Augen und Ohren: Auch ein Hör- und ein Sehtest gehören dazu. Wissenschaftliche Belege dafür, dass mehr Kinder kurzsichtig werden, weil sie viel Zeit vor dem Smartphone oder Tablet verbringen, kennt Wünsch nicht. In Asien hatte es zuletzt entsprechende Studien gegeben.

Konzentration: Es gibt Tests zur Konzentration, zu Zahlen- und Mengenverständnis. Kann das Kind erkennen, ob die Ärztin vier oder fünf Murmeln oder Stäbe in der Hand hält? Wie weit kann das Kind zählen? Bei den Konzentrationsübungen wird Wert darauf gelegt, dass es nicht um Einhörner, Prinzessinen oder Trecker geht, sondern um Tiere oder Ähnliches, was in der Mädchen- wie in der Jungenwelt vorkommt.

Malen: Kinder malen Formen wie Kreise, Dreiecke und Quadrate ab. Auf das früher übliche Strichmännchenzeichnen wird seit 2015 verzichtet. Es sei auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit, sagt Wünsch, denn früher seien Mädchen, die meist gern zeichnen, klar im Vorteil gegenüber Jungen gewesen. Wichtig ist: Kann das Kind einen Stift halten? Wie ist die Augen-Hand-Koordination, wenn es ein Bild abmalt? Es geht um visuelle Wahrnehmung und Schlussfolgern. Erkennt das Kind, welches Bild nicht in eine Reihe passt?

Sprache Eingehend wird das Sprachvermögen des Kindes geprüft. Zuletzt hatte ein Fünftel der Erstklässler Sprachförderbedarf. In Familien werde zu wenig gesprochen, hatte die ehemalige Grundschulrektorin Christine Baumgart jüngst bemängelt.

Nicht die Eltern, sondern die Kinder werden getestet

Und sonst: Zu sehr ins Detail möchte Wünsch nicht gehen, denn dann bestehe die Gefahr, dass Eltern mit ihren Kindern für die Schuleingangsuntersuchung trainieren. Und das sei nicht der Sinn der Sache. Immer wieder erlebe sie es, dass Eltern ihren Kinder helfen wollen: Dem begegnet Wünsch mit Humor: „Ich sage dann zu der Mutter oder dem Vater, wir zwei waren doch schon in der Schule, und Ihr Kind kann das bestimmt schon prima machen.“

Viele Eltern würden sie fragen, welche Bücher oder Hefte sie kaufen sollten, um die Kinder auf die Schule vorzubereiten, erzählt Wünsch. Ihrer Ansicht nach ist das Alltagsleben oft die beste Übung: Einzelne Socken zu Paaren sortieren, den Tisch decken, gemeinsam spielen – auch so lerne ein Kind Logik.

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