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Aus der Stadt Bezirksrat Nord fordert Entlastung für Alt-Vinnhorst
Hannover Aus der Stadt

Schwerlastverkehr: Bezirksrat Nord fordert Entlastung für Alt-Vinnhorst

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00:16 04.06.2019
„Der Lärm belastet die Anwohner Tag und Nacht“: Auf der Straße Alt-Vinnhorst sind viele Lastwagen unterwegs. Quelle: Foto. Katrin Kutter
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Vinnhorst

Seit vielen Jahren beklagen Vinnhorster die Belastung durch Lastkraftwagen in der Straße Alt-Vinnhorst: Die viel befahrene Straße führt durch ein Wohngebiet, an einem Kindergarten und einer Grundschule vorbei. Im Bezirksrat gab es deshalb mehrere Vorstöße, den Schwerlastverkehr für Lkw ab 3,5 Tonnen aus dem Abschnitt zwischen Beneckeallee und Schulenburger Landstraße zu verbannen. Bisher verliefen alle Bemühungen im Sande. Die Verwaltung hat eine abschließende Prüfung mehrmals vertagt, auf Antwort zum jüngsten Vorstoß warten die Politiker seit fast zwei Jahren.

„Das erfreut uns nicht gerade. Wir sehen Handlungsbedarf“, sagt SPD-Fraktionschef Robert Nicholls. Der Bezirksrat hat die Verwaltung jetzt einstimmig aufgefordert, am 1. Juli bei einer Anhörung Auskunft zu geben. „Die Stadt muss sagen, was passiert und was nicht“, fordert Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke. Es wäre die erste Anhörung zum Thema seit 13 Jahren.

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Lkw fahren auch nachts

„Uns dauert das viel zu lange“, betont CDU-Fraktionschefin Angelika Jagemann. Besonders die CDU hatte immer wieder Anträge gestellt, die allerdings im Bezirksrat keine Mehrheit fanden. „Es fahren auch nachts Schwerlasttransporter. Der Lärm belastet die Anwohner Tag und Nacht“, sagt Jagemann. Die Situation sei schwierig, räumt die CDU-Fraktionschefin ein, denn eine Entlastung in der Straße Alt-Vinnhorst ginge wohl zulasten der ebenfalls bereits stark befahrenen Beneckeallee.

Jagemann wartet auch darauf, dass die Stadt die Ergebnisse einer Verkehrszählung vorstellt. „Der Schwerlastverkehr muss raus aus Alt-Vinnhorst. Wir wollen Nägel mit Köpfen machen“, sagt CDU-Ratsherr Thomas Klapproth.

Kommentar: Mut zum Versuch

Wenn ein Kind bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist das schrecklich. Wohl jedem geht so etwas besonders nahe. Die Betroffenheit ist größer, weil ein Leben so früh endet, und die Forderungen nach einer Veränderung der Straßensituation werden umso dringlicher erhoben. Dennoch ist nichts falsch an diesen Forderungen. An der Vahrenwalder Straße ist vor einem Jahr etwas passiert, was tatsächlich häufig vorkommt. Nicht unbedingt an dieser Stelle, aber an sehr vielen Kreuzungen in vielen Städten. Ein Fahrer eines Autos oder Lkw biegt rechts ab und übersieht einen Radfahrer. Mehr Technik und weitere Spiegel an Lastkraftwagen sollen helfen.

Doch Spiegel allein sind keine Versicherung gegen Unfälle, zu unübersichtlich ist oft dennoch die Situation beim Abbiegen. Vor unkonzentrierten und eiligen Fahrern schützen Spiegel erst recht nicht. Die meisten Fahrer, die Radlern die Vorfahrt nehmen, sitzen sowieso im Pkw. Bis elektronische Abbiegeassistenten eines Tages für alle Lkw in der Europäischen Union verbindlich vorgeschrieben sind, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. Deshalb stellt sich die Frage, ob die Stadtverwaltung nicht doch andere Mittel finden kann, um Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club steht nicht allein mit seiner Forderung, die Grünphasen für Rechtsabbieger und Radfahrer zu trennen. Gerade an Stellen in der Stadt mit viel Lastwagenverkehr wäre es einen Versuch wert.

Von Bärbel Hilbig