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Aus der Stadt Frau wird Opfer einer Gewalttat im Drogenrausch
Hannover Aus der Stadt Frau wird Opfer einer Gewalttat im Drogenrausch
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00:16 21.12.2018
Raimund W. (l.) wird von Anwalt Holger Nitz verteidigt. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Der 48-jährige Raimund W. musste sich am Dienstag vor dem Schwurgericht Hannover wegen versuchten Totschlags verantworten. Der seit seinem 12. Lebensjahr drogenabhängige Mann hatte am 24. Juli 2018 eine Bekannte aus der Drogenszene, mit der seit vier Tagen eine Art Beziehung führte, in seiner Mittelfelder Wohnung brutal verprügelt. Doch die Kammer verurteilte W. nur wegen des Delikts „Vollrausch“ zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren. Der 48-Jährige, so der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch, habe eine gefährliche Körperverletzung begangen, als er seine Bekannte malträtierte. Allerdings habe er derart unter dem Einfluss von Alkohol, Kokain, diversen Tabletten und Ersatzdrogen gestanden, dass er nicht mehr schuldfähig war. Gleichzeitig ordnete das Gericht eine Unterbringung von W. in einer Entziehungsanstalt an; der Mann wurde unverzüglich in das Maßregelvollzugszentrum in Moringen gebracht.

Laut Anklage hatte W. das 38-jährige Opfer gegen eine Wand geschleudert, hatte die Frau getreten und gewürgt. Er räumte ein, dass er es wohl gewesen sein müsse, der seine Kurzzeit-Partnerin so zugerichtet hatte – doch mit echten Erinnerungen konnte er nicht aufwarten. Die Frau fuhr am Tattag noch selbstständig in die Innenstadt und zeigte W. später an. Auslöser für den Gewaltexzess war offenbar eine Information, die W. von einem Bekannten bekommen hatte: Seine Freundin sei HIV-positiv. Der 48-Jährige war wütend, fürchtete er doch, sich beim ungeschützten Geschlechtsverkehr angesteckt zu haben (was sich später als nicht zutreffend erwies). Doch soll es in der Wohnung in der Beuthener Straße schon die halbe Nacht zu Auseinandersetzungen zwischen dem Paar gekommen sein, die Polizei war bereits zweimal gerufen worden.

Katastrophale Lebensläufe

Kleinere Straftaten gehörten für Raimund W. schon seit vielen Jahren zum Alltag. Lediglich zwischen 2010 und 2015 schaffte er es, seinen Drogenkonsum deutlich zu reduzieren und als Hausmeister zu arbeiten. Zuvor hatte er in seinem Leben schlechte Erfahrungen ohne Ende gesammelt; dazu zählten ein abwesender Vater, ein gewalttätiger Stiefvater, eine alkoholabhängige Mutter – die vor Kurzem gestorben ist -, Heimaufenthalte und seine Beschaffungskriminalität. Bei seinem inzwischen fast volljährigen Sohn, nach Auskunft einer Betreuerin hochbegabt, scheint sich die Aneinanderreihung katastrophaler Biografien nahtlos fortzusetzen: Auch der 17-Jährige wurde zwischen den Eltern ständig hin- und hergeschubst, war bereits im Heim, ist drogenabhängig sowie bereits mehrfach straffällig geworden – und er hat schon zwei Suizidversuche hinter sich.

Vor Gericht wirkte W. verständig, versuchte jede Frage des Schwurgerichtsvorsitzenden Wolfgang Rosenbusch zu beantworten, konnte seine Lage recht treffend reflektieren und zeigte sich sehr zerknirscht ob der Gewalt, die er seiner Freundin im Juli angetan hatte. Das Opfer musste aus dem Frauengefängnis in Hildesheim nach Hannover gebracht werden, die 38-Jährige sitzt selbst wegen kleinerer Delikte im Zusammenhang mit ihrer Drogenabhängigkeit ein.

Opfer konnte fliehen

Die Frau konnte sich ein wenig besser an die Ereignisse des Tattages erinnern als der 48-Jährige. W. habe sie geschlagen und gewürgt, irgendwann sei der Satz gefallen: „Ich bring’ Dich um und schmeiß’ Dich auf den Müll.“ Nur durch das beherzte Eingreifen eines Mitbewohners von W. habe sie ihre Bewegungsfreiheit wiedergewonnen und aus der Wohnung fliehen können. Doch als sich der Angeklagte im Gerichtssaal bei ihr entschuldigte, murmelte sie, es tue ihr leid, dass er sich nun vor einem Schwurgericht verantworten müsse: „So schlimm war das alles doch gar nicht.“

Die Staatsanwaltschaft plädierte für eine Verurteilung von W. wegen versuchten Totschlags im Vollrausch, Verteidiger Holger Nitz auf zwei Jahre Haft wegen Vollrauschs und eine Einweisung in eine Entziehungsanstalt. In Paragraf 323a des Strafgesetzbuchs heißt es, dass mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann, wer sich vorsätzlich oder fahrlässig durch Alkohol oder andere Drogen in einen Rausch versetzt und dann im Zustand der Schuldunfähigkeit eine Straftat begeht. W. hatte am Tattag derartige Mengen Drogen konsumiert, dass er mehrmals ohnmächtig geworden und umgefallen war. Außerdem stellte die Kammer fest, dass der 48-Jährige bei seinem Gewaltexzess keine Tötungsabsicht gehegt habe.

Von Michael Zgoll

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