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Aus der Stadt Vergewaltigungsprozess: Neue Indizien belasten 32-Jährigen
Hannover Aus der Stadt Vergewaltigungsprozess: Neue Indizien belasten 32-Jährigen
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00:19 14.03.2019
Dem Angeklagte werden im Schwurgerichtssaal die Handschellen abgenommen. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

 Seit Montag muss sich ein 32-jähriger Arnumer vor dem Schwurgericht verantworten, weil er eine 22 Jahre alte Radfahrerin nahe Harkenbleck von ihrem Fahrrad gerissen und sich an ihr vergangen haben soll. Angeklagt ist der gebürtige Hannoveraner Tobias H. wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Vergewaltigung, besonders schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung. Auf Antrag von Rechtsanwalt Steffen Hörning, der die Studentin vertritt, wurde die Öffentlichkeit noch vor Verlesung der Anklageschrift ausgeschlossen. Im Zuschauerraum saßen rund 25 Besucher; beim Verlassen des Saals riefen Angehörige H. zu: „Halt durch, Tobi“ und „Du schaffst das“. Der Angeklagte und sein Verteidiger Anselm Schanz gaben keinerlei Erklärungen ab.

Nebenklage-Anwalt Steffen Hörning beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit. Quelle: Michael Wallmüller

Das Verbrechen geschah am 19. August 2018 auf der Hemminger Kreisstraße zwischen Arnum und Harkenbleck. Der Angeklagte soll die junge Frau an jenem frühen Sonntagmorgen gegen 2 Uhr einige Zeit mit einem Fahrrad verfolgt und sie dann nahe einer Kleingartenkolonie unvermittelt von ihrem Rad gestoßen haben; sie war auf dem Weg von Hemmingen-Westerfeld zu ihrem Heimatort Harkenbleck. Laut Staatsanwaltschaft schlug der Täter mehrfach mit einem Holzknüppel auf sein Zufallsopfer ein und fügte der Frau schwere Kopfverletzungen zu. Dann soll H. die 22-Jährige in einen Graben gezogen, sie entkleidet und unter anderem mit einem Stock sexuell missbraucht haben. Weil ein Passant herbeieilte, der von einem Arnumer Tischtennisturnier kam und die Hilfeschreie des Opfers hörte, ließ der Täter von der Frau ab, steckte aber noch rasch ihre Geldbörse ein.

Das ist der Radweg, auf dem die 22-Jährige angegriffen wurde. Rechts liegen die Kleingärten einer Harkenblecker Kolonie, im Hintergrund ist Arnum zu sehen. Quelle: Andreas Zimmer

Die Polizei suchte mehrere Wochen nach dem Täter und veröffentlichte ein Phantombild. Eine DNA-Spur führte schließlich zu dem bereits wegen Körperverletzung und Vermögensdelikten vorbestraften Tobias H., seit dem 19. September 2018 sitzt er in Untersuchungshaft. Er bestreitet, etwas mit dem versuchten Mord und der Vergewaltigung der Frau zu tun zu haben. Zu seiner Verteidigung erklärte er gegenüber den Ermittlungsbehörden, er habe seine Jacke – mit DNA-Spuren des Opfers – einem Albaner geliehen; nun werde er von einer Gruppe Albaner bedroht, weil einer dieser Männer der wahre Täter sei und er von dessen Beteiligung an dem Verbrechen wisse.

Angeklagter schweigt

Der Angeklagte, ein schlanker Mann mit zurückgekämmten dunklen Haaren und einem Vollbart mit zwei gezwirbelten Kinnspitzen, äußerte sich in der Schwurgerichtsverhandlung nicht zu den Tatvorwürfen. H. hatte sich in den Vorjahren zeitweise als selbstständiger Hausmeister verdingt und ist in Hemmingen als Gründer einer Fußballmannschaft und Rapper bekannt, der einen Hang zu Höherem hatte. Oft bewarb er sich bei TV-Castingshows, war gelegentlich auch im Fernsehen zu sehen. Die meisten der Projekte, die der Mann anging, sollen aber schief gegangen sein.

Das Opfer, eine junge Frau mit mittellangem braunen Haar, sagte vor dem Schwurgericht rund anderthalb Stunden lang aus, ihr zur Seite stand eine Prozessbegleiterin. Dem Vernehmen nach ist die 22-Jährige durch das Verbrechen nach wie vor erheblich beeinträchtigt und befindet sich in psychologischer Behandlung.

Hilfeschreie in der Nacht

Kurz vor der Mittagspause durften Medienvertreter und Zuhörer den Sitzungssaal wieder betreten. Befragt von der Kammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch wurde anschließend der 46-jährige Zeuge, der die Hilfeschreie des Opfers in jener Nacht gehört und der Studentin zu Hilfe geeilt war. Der etwa 1,80 Meter große Täter sei aus einem Graben aufgetaucht und habe ihm in Gossenjargon zugerufen: „Verpiss dich oder ich schieß dich tot.“ Bevor sich der Vergewaltiger entfernte, habe er an seiner Hose herumgenestelt. Die 22-Jährige war im Gesicht blutüberströmt, am Unterleib nackt und wirkte völlig verstört. Weinend rief das Opfer kurz darauf bei der Notrufnummer der Polizei an: „Ich wurde gerade vergewaltigt.“

Im Laufe der weiteren Verhandlung wurde bekannt, dass man am Tag nach dem Überfall in unmittelbarer Nachbarschaft des Wohnhauses von H. eine Tasche mit dem Mobiltelefon des Opfers gefunden hatte; dies war über die Ortungsfunktion des Geräts aufgespürt worden. Bei der Festnahme von H. im September, so sagte eine Polizeibeamtin aus, sei aus dem Dachgeschoss des umstellten Wohngebäudes eine Tüte herausgeworfen worden. Darin befanden sich Handschuhe – die von dem 32-Jährigen möglicherweise bei der Tat verwendet wurden – sowie die entwendete Geldbörse des Opfers inklusive Personaldokumenten. Es fanden sich nicht nur DNA-Spuren des Opfers an einer Jacke von H., sondern auch DNA-Spuren des Arnumers an einer Bauchtasche der Frau. Außerdem war sein Mobiltelefon zur Tatzeit in der Funkzelle Harkenbleck eingeloggt.

Das Gericht hat sechs Verhandlungstage anberaumt. Es ist aber gut möglich, dass das Urteil schneller gefällt wird.

Von Michael Zgoll

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