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Aus der Stadt Fridays for Future im Seniorenheim: Betagte Theatergruppe spielt Umweltstück
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Seniorentheatergruppe in Hannover-Kleefeld: Fridays for Future im Seniorenheim: Betagte Theatergruppe bringt Umweltstück auf die Bühne

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23:28 18.11.2019
Die Theatergruppe des GDA Wohnstift in Kleefeld in ihrem Theaterstück „Der Ring des Hieronymus“, das von der Forschung eines umweltfreundlichen Antriebs für Autos handelt. Quelle: Lisa Eimermacher
Kleefeld

Fridays for Future im Seniorenheim? In ihrem aktuellen Theaterstück „Der Ring des Hieronymus – Eine geheimnisvolle futuristische Theaterkomödie“ beschäftigt sich die Theatergruppe des GDA Wohnstift in Kleefeld mit der Forschung nach einem umweltfreundlichen Antrieb für Autos. Das Durchschnittsalter der Theatergruppe unter Leitung von Albrecht von Blanckenburg liegt bei 83 Jahren. Bei der Aufführung waren auch einige Kinder und Enkel der Darsteller zu Gast, um sich das Stück anzuschauen.

Senioren mit dem Smartphone

Regisseur von Blanckenburg hat das Stück schon vor einigen Jahren geschrieben – es war für Kinder gedacht. „Wegen der aktuellen politischen Situation habe ich das Stück wieder herausgekramt. Das fanden unsere Bewohner des Wohnstifts auch ganz toll, weil sie natürlich die Demonstrationen der Umweltbewegung mitbekommen“, sagt er. Passend zur heutigen Zeit werden auch Smartphones und Tablets eingebunden. Mit Irokesenperücke und Smartphone in der Hand spielt Christa Simon die Studentin Julia Markgraf. Und Sybille Hoppe hat für „Der Ring des Hieronymus“ erstmals ein iPad bedient.

Kommissarin Schaller (Sybille Hoppe) und Studentin Julia (Christa Simon) suchen den verschwundenen Ring – im Internet. Quelle: Lisa Eimermacher

Die Themenfindung für das Seniorentheater sei gar nicht so leicht, erläutert Albrecht von Blanckenburg, der im GDA Kleefeld die Theater- und Musikgruppe leitet. Beim letzten Mal habe man ein orientalisches Märchen aufgeführt. „Diesmal wollten wir etwas Aktuelles machen, was auch Bezug zum Leben der Senioren hat“, erklärt er. Deshalb handelt das Stück von einem mysteriösen Ring, der einem Professor Hieronymus Markgraf gehörte. Der im Zweiten Weltkrieg verschollene Chemiker forschte an einem umweltfreundlichen Treibstoff für Autos. Im Krieg verschwand nicht nur der Chemiker, sondern auch die Geheimformel für seinen Wasserstoffantrieb. Übrig blieb nur ein geheimnisvoller Ring mit Gravierung, den seine Enkelin in der heutigen Zeit verwahrt. Doch dann verschwindet auch noch dieser Ring.

Studentin Julia Margraf (rechts, gespielt von Christa Simon) bekommt den geheimnisvollen Ring von ihrer Großmutter Josephine (Ingrid Werner) anvertraut. Quelle: Lisa Eimermacher

„Das Thema ist hochaktuell und passt in die heutige Zeit“, sagt Gisela Banse. Sie ist das älteste Mitglied der Theatergruppe. Die 94-Jährige findet es gut, dass das Thema nun auch auf der Bühne angesprochen wird. Sie verkörpert die Chemieassistentin im Stück.

Geht es auch ohne Auto?

Die Senioren beschäftigt das Thema. Auch, weil es ihre Enkel betrifft. „Ich habe gerade heute in den Nachrichten gehört, wie viele neue Autos VW pro Tag produziert“, sagt Ingeborg Schiffler. „Wenn ich mir vorstelle, dass die noch alle auf unseren Straßen untergebracht werden sollen – das ist doch nur Chaos! Da muss doch irgendetwas passieren!“, sagt die 90-Jährige. Sie habe ihr Auto kürzlich nach 50 Jahren abgegeben, aber das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Trotzdem komme man „ohne Auto sozusagen nirgendwohin“, beklagt die Seniorin. „Ich finde schon, dass es auch ohne Auto geht“, meint hingegen Schauspielkollegin Edelgard Szawlowski. „Ich brauche kein Auto“. Sie habe ihr Auto vor 20 Jahren abgegeben und fahre lieber mit dem Fahrrad, dem Bus oder der Bahn.

„Das Theaterspielen und Merken der Texte hält jung“, sagt Dieter Werner. Er spielt Professor Fritz Markgraf, der in die Fußstapfen seines Vaters Hieronymus tritt und dessen Forschung weiterführt. „Wir haben ja nun schon einige technische Möglichkeiten, etwas für das Klima zu tun“, sagt der 83-jährige ehemalige Lehrer. Er kritisiert die Fridays-for-Future-Bewegung. Die Jugendlichen sollten sich lieber mit Mathematik, Chemie und Physik beschäftigen, anstatt freitags nicht zum Unterricht zu gehen. „Dann würden sie wirklich was für die Zukunft tun“, sagt er.

Auf der Suche nach der Formel für den Wasserstoffantrieb: Dieter Werner als Professor und Gisela Nanse als seine Laborassistentin Quelle: Lisa Eimermacher

Insgesamt hat die Seniorentheatergruppe das Stück bisher in drei Vorstellungen vor jeweils rund 100 Zuschauern aufgeführt. „Die positive Rückmeldung vom Publikum gibt den Schauspielern positive Energie, die ja vielleicht im Alter manchmal nicht mehr so vorhanden ist“, sagt GDA-Kulturreferentin Christina Nitschke.

Das Publikum im GDA-Wohnstift in Kleefeld. Quelle: Lisa Eimermacher

Am 22. November wird „Der Ring des Hieronymus“ im Wohnstift Birkenhof in Kirchrode und am 17. Januar im Marienstift in Barsinghausen aufgeführt. Außerdem hat die Gruppe Kontakt zur IGS Roderbruch aufgenommen, um dort im Januar aufzutreten. „Ich finde es wichtig, mit Schülern darüber ins Gespräch zu kommen, wie Senioren mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen“, sagt von Blanckenburg.

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Von Lisa Eimermacher

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