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Aus der Stadt Warum dieser 23-Jährige in Hannover Luxusmode verkauft
Hannover Aus der Stadt

Serie Generationenwechsel in Hannover: Wie der Sohn von Nobelausstatter Möller mit Herrenmode den Schritt in die Selbstständigkeit wagt

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20:43 14.08.2019
Herbert B. Möller und sein Sohn Nick in den neuen Ladenräumen in der Luisenstraße. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Noch sind die Schaufenster verklebt. Im Inneren winden sich Kabelstränge aus den Wänden, Kisten mit Deckenstrahlern stehen herum, Bodenbeläge fehlen, dafür sind schon einige Tische geliefert. „Hier kommt eine Nische mit Barbereich hinein, da hinten richten wir ein Séparée für die Kunden der Maßkonfektion ein“, erklärt Mick Möller. Seit April lässt er das Ladenlokal in der Luisenstraße 8-9 umbauen. In der noblen Flaniermeile wird der junge Unternehmer, erst 23 Jahre alt, am 31. August sein erstes eigenes Geschäft eröffnen. Er füllt eine prominente Lücke – in den Räumen war zuvor die Pariser Edelmarke Hermès ansässig. Künftig steht Möllers Vorname an der Front: „Micks“ wird die neue Adresse für exklusive Herrenmode heißen.

Mick Möller vor seinem ersten eigenen Laden. Quelle: FRANSON

Starthilfe für das erste Geschäft

„Ich möchte für die Kunden eine Clubatmosphäre schaffen“, sagt Möller, unter dessen blauem Maßanzug ein Poloshirt hervorlugt. Neben ihm steht ein älterer Herr, der zum grauen Anzug klassisch Hemd und Krawatte trägt, und lächelt zufrieden. Herbert B. Möller ist Micks Vater, er hat seinem Sohn Starthilfe beim Schritt in die Selbstständigkeit gegeben. Der Senior kennt sich bestens aus in der Branche. Vor 47 Jahren eröffnete er seinen ersten Modeladen mitten im Arbeiterviertel von Linden-Süd. Heute zählt das Geschäft Möller & Möller im Joachimszentrum, das der 71-Jährige mit seiner 50-jährigen Frau Michaela führt, zu den feinsten (und teuersten) Herren- und Damenausstattern der Stadt.

Macht der Sohn dem Vater nun eine Straße weiter Konkurrenz? „Natürlich nicht“, sagt Mick Möller. „Wir wollen uns ergänzen.“ Er wende sich gezielt an ein jüngeres Publikum. Im Idealfall an den Nachwuchs der Stammkunden, die sich seit Jahren bei seinem Vater einkleiden. Auch das Preisniveau werde sich unterscheiden: „Ich höre von jungen Leuten immer wieder, dass die kleinen Schilder im Geschäft meiner Eltern doch zu viele Nullen haben.“ Ihren Preis hat aber auch die hochwertige Bekleidung, die der Junior aus Manufakturbetrieben in England, Italien und Japan bezieht und bald auf 160 Quadratmetern in der Luisenstraße anbietet – in Nachbarschaft zu Luxuslabeln wie Bogner, Marc Cain oder Chopard. Ein Anzug kostet im Micks zwischen 600 und 3500 Euro, ein Hemd gibt es ab 200 Euro, Schuhe starten bei 700 Euro.

Stamm-Geschäft Möller & Möller in der Joachimstraße. Quelle: _FRANSON

„Trüffelsucher“ in der Luisenstraße

Die hiesige Kundschaft sei durchaus bereit, viel Geld auszugeben, sagt Herbert B. Möller. „Vor allem die Luisenstraße ist etwas für Trüffelsucher.“ Es stimme nicht, dass Hannover in Sachen Mode hinter Düsseldorf oder Hamburg zurückstehen müsse. Möllers Kunden, denen er italienische Kiton-Anzüge für bis zu 7000 Euro verkauft, kommen aus ganz Deutschland. Und darüber hinaus: „Es gibt einen Herren aus London, der dreimal im Jahr hier einkauft, weil er unseren Service und unsere individuellen Kollektionen so schätzt.“ Dass man bei Möller & Möller Pferdelederschuhe der US-Marke Alden auch nach jahrzehntelanger Tragedauer von Grund auf reparieren lassen kann, spricht sich herum. In dem Standardhandbuch „Der Gentleman“ wird der Laden in der Joachimstraße sogar als einer der besten Herrenausstatter Europas hervorgehoben.

Bodenständig trotz Luxus

Trotz des Luxus, der in dem 400 Quadratmeter großen Stammgeschäft mit Parkett, Vitrinen, üppigen Sitzmöbeln und reichlich Deko zu spüren ist, wirken die Möllers nicht abgehoben. „Ich bin Elektrotechniker“, sagt der 71-Jährige schmunzelnd. Mit einem Kollegen wollte er 1972 in der Plinkestraße einen Betrieb für Lüftungs- und Klimatechnik gründen, doch das klappte nicht. Stattdessen entschied er sich, mit seiner damaligen, inzwischen verstorbenen Frau ein Bekleidungsgeschäft zu eröffnen, den Lindener Kleiderschrank. „Wir hatten viele Kunden aus der Hanomag, die kamen im Dreischichtbetrieb nach Dienstschluss“, erinnert er sich. Sie durften ein Novum für Hannover anprobieren: den Ibiza-Look. „Das war bunte Hippiemode.“ Schon fünf Jahre später eröffnete Möller seinen ersten Laden für eine zahlungskräftigere Kundschaft in der Altstadt, 1985 siedelte er in die Galerie Luise um, seit 2007 ist sein Geschäft am heutigen Standort zu finden.

Möller junior hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. „Das Interesse an Mode war immer da, ich habe nach der Schule schon regelmäßig im Geschäft meiner Eltern ausgeholfen“, berichtet er. Nach dem Abi an der Bismarckschule studierte er zwei Jahre an der LDT Nagold in Baden-Württemberg, einer Akademie für Modemanagement. Danach arbeitete er ein Jahr im Traditionshaus Lodenfrey in München. Dort hätte er als Führungskraft aufsteigen können, „aber dann hat mich mein Vater angerufen und gesagt, dass in der Luisenstraße ein Laden frei wird“.

Stamm-Geschäft Möller & Möller in der Joachimstraße. Quelle: FRANSON

Stammhaus bleibt in Vaters Hand

Ohne die Unterstützung seiner Eltern – in finanzieller wie fachlicher Hinsicht – hätte er den Sprung in die Selbstständigkeit wohl nicht so früh gewagt, sagt Mick Möller. Bedenken, dass der Senior ihm zu sehr ins laufende Geschäft hineinredet, hat er nicht. „Ich weiß genau, was ich will, aber mein Vater weiß aus Erfahrung, dass manche Gedanken eben nicht funktionieren“, sagt er diplomatisch. Einen handfesten Streit habe es zwischen ihnen noch nicht gegeben, erklärt Herbert B. Möller. „Das führt zu nichts, dann gehen wir uns lieber für eine gewisse Zeit aus dem Weg.“ Ob Mick auch irgendwann das Stammhaus übernimmt, sei offen, sagt Möller senior, der noch nicht ans Aufhören denkt. Der zweite Sohn Glenn, 31 Jahre alt, hat sich anders orientiert und ist in die Verlagsbranche eingestiegen.

Benachbarter Standort: Die neuen Ladenräume von Micks in der Luisenstraße sind nur wenige Gehminuten von dem Stammhaus Möller & Möller in der Joachimstraße entfernt.

Harmonie mit Musik

Dass die beiden Möllers gut harmonieren, zeigt sich auch jenseits des Jobs. Vater und Sohn spielen beide in der Band The Briccs, die mit Rockmusik aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren auftritt, zuletzt beim Bierfest in der Altstadt. Der 71-Jährige sitzt am Schlagzeug, der 23-Jährige greift zur Gitarre. Auch dass Mick mit Vornamen genauso heißt wie der Frontmann der Rolling Stones, ist einer musikalischen Vorliebe des Vaters geschuldet. Und bei Bruder Glenn stand ein berühmter Jazzposaunist namens Miller Pate.

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