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Aus der Stadt TiHo-Sexismusdebatte: „Nicht würdig“ oder „ein großer Spaß“?
Hannover Aus der Stadt

Sexismusdebatte an Hannovers TiHo: „Nicht würdig“ oder „ein großer Spaß“?

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00:16 15.06.2019
Militärkluft, Marschschritt, anzügliche Sprüche: Dieses Bild aus einem Handyvideo zeigt die Aktion der Studenten. Quelle: RND Collage/privat/Screenshot
Hannover

Männliche Tiermedizinstudenten, die in Flecktarnkleidung durch die Hochschule ziehen und mit T-Shirt-Sprüchen behaupten, sie wollten ihre „Schlampen-Mitstudentinnen“ mal so richtig „feucht machen“: Der Vorgang an Hannovers TiHo schlägt im Internet hohe Wellen. HAZ-Leser Klaus Thorben etwa schreibt auf unserer Homepage: „Kommilitoninnen als ,Hoes’ – also Schlampen – zu bezeichnen, die man mal wieder so richtig feucht macht, ist kein ,großer Spaß’, sondern einfach nur dumm und einer Universität nicht würdig“. Robert Rubekula hingegen bezeichnet den Vorgang als „so eine Art Abistreich mit wie immer mäßig lustigem ,Motto’“ – und empfiehlt, das Thema entspannter zu sehen. Offenbar aber hat es eine Vorgeschichte.

TiHo-Präsident Gerhard Greif distanziert sich von „primitivst frauenverachtendem“ Vorgang

Hochschulpräsident Gerhard Greif hat den Vorgang in einer ersten, internen Stellungnahme als „in Wort, Kontext und Kostüm (...) zutiefst unanständig, nationalistisch, militaristisch, menschenfeindlich und primitivst frauenverachtend“ bezeichnet. Einigen Kommentaren zufolge, die offenbar von Hochschulmitgliedern stammen, ist dem Eklat ein Auftritt des TiHo-Frauenchors vorausgegangen, in dem sich über männliche Studenten lustig gemacht wurde: Das Geschlechterverhältnis an der Hochschule ist 85:15, von 2430 Studierenden sind 2066 Studentinnen. Der Darstellung mehrerer Kommentatoren zufolge soll der martialische Auftritt der Studenten eine ironische Reaktion auf den Vortrag des Frauenchors gewesen sein. Dabei waren Sechstsemester zum „Bergfest“, also zur einwöchigen Feier der Studienhalbzeit, als „Männerchor“ in Militärkleidung mit Tarnfleckhosen und Fahnen durch die Hochschule gezogen. Auf ihre Shirts hatten sie als Motto dieses anzügliche Wortspiel gedruckt: „VETeran – we make TiHoes Vet again“. Ziemlich explizit besagt es, dass Veteranen „Tiho-Schlampen“ wieder feucht machen wollen, wobei „Vet“ für Veterinäre steht, aber ausgesprochen „wet“ (englisch für feucht) verstanden wird.

Debatte zum TiHo-Eklat auf HAZ.de: „Männer im Rudel“

Ein HAZ.de-Nutzer mit dem Fantasienamen Vanilleeis fragt: „Was sagen die betroffenen Mitstudentinnen dazu? Wahrscheinlich haben sie es als das aufgefasst, was es war: ein großer Spaß. Und all das wird wieder ausgeschlachtet, damit diverse Gremien eine Daseinsberechtigung haben ...“. HAZ.de-Leserin Marlene antwortet: „Bei Studenten sollte man ja eigentlich von einem höherem Bildungsstand ausgehen! Sollte man, scheint aber wohl nicht so zu sein! Wenn Mitstudentinnen eventuell nichts dazu sagen, heißt es nicht, dass sie es gut finden. ,Männer’ im Rudel nicht gut zu finden, kommt manchmal nicht gut!“

Facebook-Kommentare zum TiHo-Eklat: „Das war ein Scherz“

Auf Facebook kommentiert Adrea Herold: „Oh man... jetzt höre ich nur ,Mimimi’, und im Video sehen und höre ich grölende, klatschende Studenten/innen. Kann man auch mal fünf gerade lassen? Das war ein Scherz, und als solcher sollte er auch empfunden werden!“ Ulrike Bode hingegen schreibt: „Schade, dass die Studenten es nicht geschafft haben, bei diesem eigentlich ja sehr witzigen Brauch die Grenzen zwischen ,frech’ und ,geschmacklos’ abzuwägen. Die Aktion ist in der Tat daneben, die Kritik in meinen Augen angebracht bzw. notwendig.“ Oliver Stiehler bezieht sich ironisch auf die Stellungnahme des TiHo-Präsidenten, wenn er schreibt: „Kann man da nicht noch Rassismus mit unterbringen? Ich bin noch nicht empört genug.“

Eingang der TiHo am Bünteweg: HAZ-Leser bewerten den Vorgang unterschiedlich. Quelle: Ralf Decker

Sexismus-Vorwurf an der TiHo: „Die Jungs haben direkt den Spruch abgeklebt“

Sophie Wallmann prangert den HAZ-Artikel als „hetzerisch“ an und bemängelt, dass dieser nicht erwähne, dass „die Jungs direkt den Spruch auf den T-Shirts abgeklebt und sich entschuldigt haben“. Tina Weigel allerdings antwortet: „Wer im sechsten Semester Tiermedizin studiert, sollte weiter denken können als drei Meter Feldweg und nicht erst merken, dass man sich gerade wie der erste Mensch verhält, wenn es einem 20 andere zurückmelden.“ Und eine Katharina de Lo OK schreibt: „In den letzten 26 Jahren scheint sich an der TiHo Einiges geändert zu haben – ich kann mich nicht an ein irgendwie öffentlich gefeiertes ,Bergfest’ erinnern. Soviel zum Thema ,Tradition’. Die hohe Männerdichte bei den Feiernden lässt mich die Aktion einer Studentenverbindung vermuten, was mich dann hingegen schon wieder weniger wundert.“ Facebook-Kommentator Fritz Schulze-Wischeler geht noch weiter: „Für mich sah es aus wie ein Auftritt der Identitären Bewegung. Hat die TiHo ein Faschismus-Problem? Da steckt mit Sicherheit eine Burschenschaft dahinter. So ein Scheiß hat in Hannover nichts zu suchen. Das wäre doch eine Maßnahme, die verantwortliche Studentenverbindung dicht zu machen.“

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Von Conrad von Meding

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