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Sexistischer Auftritt in Hannover: TiHo-Studenten sorgen für Eklat

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00:18 14.06.2019
Militärkluft, Marschschritt, anzügliche Sprüche: Dieses Bild aus einem Handyvideo zeigt die Aktion der Studenten. Quelle: privat/Screenshot/M
Hannover

Ein sexistischer Auftritt von Studenten in einem Hörsaal bereitet der Tierärztlichen Hochschule (Tiho) Hannover Probleme. Bereits Mitte Mai hatten die Studenten des 6. Semesters mit einem „Bergfest“ gefeiert, dass sie die erste Studienhälfte geschafft haben. Traditionell stürmen die Studenten dann eine Woche lang verkleidet Vorlesungen anderer Semester. Dieses Mal marschierte ein „Männerchor“ in Militärkleidung mit Tarnfleckhosen und Fahnen ein. Auf ihre Shirts hatten die Männer als Motto ein anzügliches Wortspiel in Trump-Manier gedruckt. „VETeran – we make TiHoes Vet again“, was recht explizit besagt, dass Veteranen „Tiho-Schlampen“ wieder feucht machen wollen.

Hochschulpräsident Gerhard Greif fand in einer internen Mail an Studentenvertreter deutliche Worte und kritisierte die Aktion. Im Wortlaut heißt es dort: „Die Aussagen in Wort, Kontext und Kostüm sind zutiefst unanständig, nationalistisch, militaristisch, menschenfeindlich und primitivst frauenverachtend.“ Ob der Vorfall Folgen für die Beteiligten haben wird, ist unklar. Die Studentenvertretungen zumindest wollen Wege finden, um derartige Vorfälle künftig schon im Vorfeld verhindern zu können. So wollen Asta und Studentenparlament von nun an bei den Vorbereitungen für zukünftige Bergfeste das Motto kontrollieren.

Kritiker fordern öffentliche Verurteilung von Sexismus

Auch unter den Studenten der Tiho sorgt der Auftritt für Aufregung. Studentinnen kritisieren, dass die Hochschulleitung den Vorfall nicht ausreichend aufgegriffen hat. „Es gab keine öffentliche Stellungnahme von Präsident, Gleichstellungsbüro oder Asta“, sagt eine Studentin. „Wir hätten uns eine Verurteilung von Sexismus und Diskriminierung gewünscht, die alle Tiho-Studenten erreicht.“ Allerdings ging die Stellungnahme nur an einzelne Studenten, die Sprecher für das 6. und 8. Semester sind, außerdem an den Asta.

Die Hochschule weist die Vorwürfe von sich. Es habe viele Gespräche mit den Studenten aus dem „Chor“, mit Kritikern, Asta und Gleichstellungsbeauftragter gegeben. „Der Vorwurf, dass wir nichts gemacht haben, trifft nicht zu. Die Hochschule distanziert sich aufs Schärfste von den sexistischen Aussagen und dem militaristischen Gebaren“, sagt dagegen Tiho-Sprecherin Sonja von Bredthorst mit Verweis auf die Mail des Präsidenten. „Dafür gibt es ja Semestersprecher, dass sie solche Informationen weiter verteilen.“

Das reicht den Kritikern indes nicht. „Wenn man will, dass eine Stellungnahme öffentlich innerhalb der Hochschule wird, muss man selbst dafür sorgen, dass sie auch alle erreicht.“ Man habe den Eindruck, ein missliebiges Thema solle still und leise beiseite geräumt werden. Es gehe um ein deutliches Signal aus der Hochschulleitung, was auch künftig toleriert wird und was nicht. Offensichtlich gebe es hier an der Tiho Nachholbedarf: Statt breiter Verurteilung der Aktion seien einige Kritikerinnen auf dem Campus und in sozialen Medien von Mitstudenten angegangen worden.

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Von Bärbel Hilbig

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