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Aus der Stadt Großprojekt von Enercity: So läuft der Bau der Fernwärmeleitung in Hannovers Osten
Hannover Aus der Stadt

So läuft der Bau der Fernwärmeleitung in Hannovers Osten

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11:01 15.07.2019
Am Moorwaldweg verläuft die Leitung über der Erde. Hier isolieren Arbeiter die Rohrstränge. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Längs des Moorwaldweges zwischen Kirchhorster Straße und der Müllverbrennungsanlage in Lahe verlaufen über der Erde Rohre, 400 Millimeter im Durchmesser. Die oberirdische Leitung geht im Zickzack an den Strommasten vorbei, die hier stehen. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum sie den geraden Weg verlässt. „Es sind sogenannte Figuren, also Dehnungsbögen, die Spannungsschäden vermeiden“, sagt Olaf Marcinczak. Er ist Baubeauftragter für das aktuell größte Projekt der Stadtwerke Enercity, der neuen Fernwärmleitung im Osten des Stadtgebietes.

Bilder vom Bau der Fernwärmeleitung in Hannovers Osten

Ziel ist eine „Wärmewende“

„Das ist der Startschuss für eine umfassende Wärmewende in Hannover“, erklärt Susanna Zapreva, Vorstandsvorsitzende von Enercity. Der Begriff Wende im Energiesektor fällt häufig im Zusammenhang mit Strom. Die Stadtwerke und ihr Vertragspartner, der Müllofen-Betreiber Energie from Waste (EEW), wollen aber auch die Wärmeversorgung grüner machen. Ziel von Enercity ist es, bis zum Jahr 2035 die Hälfte der Wärmelieferung in der Landeshauptstadt aus regenerativer Energie zu gewinnen.

Die Rechnung geht so: In die Verbrennungsanlage gelangen täglich Tonnen von Hausmüll und Gewerbeabfällen aus der Region sowie den Landkreisen Hildesheim und Celle. Die Hälfte des angelieferten Materials ist biogener Natur, besteht also aus Gartenabfällen, Holz oder Essensresten. Nutzt man die Energie, die bei der Verbrennung entsteht, für die Fernwärme, ist sie nach Angaben von Enercity und EEW entsprechend zu 50 Prozent regenerativ; es fällt darüber hinaus so gut wie kein Kohlendioxid an. Die Partner investieren mehrere Millionen Euro in die 5,1 Kilometer lange Leitung, die vom Moorwaldweg aus längs der Kirchhorster Straße verläuft und am Gelände des ehemaligen Oststadt-Krankenhauses in der Straße In den Sieben Stücken an das vorhandene Netz anschließt.

Im Osten fehlt derzeit ein großer Einspeiser

Die Investition dient auch der Versorgungssicherheit. Seit im Misburger Gewerbegebiet der Industrieruß-Hersteller Columbian Carbon vor drei Jahren den Betrieb eingestellt hat, fehlt im Osten der Stadt ein großer Einspeiser ins Netz. „Wir haben uns teilweise mit mobilen Heizkesseln beholfen“, sagt Marcinczak.

Die Situation hat zu einem Bauzeitenplan geführt, den Marcinczak als sportlich bezeichnet. Im November vergangenen Jahres haben die Arbeiten begonnen, im Oktober soll der Müllofen mit der Leitung gekoppelt werden. Die Planer und Installateure profitieren von der Situation, die andere plagt – die anhaltende Trockenheit. „Wir bewegen uns in einem Sumpfgebiet. Je feuchter der Boden ist, desto schwieriger wird die Wasserhaltung der Baustelle“, erklärt der Baubeauftragte.

Eine große Buddelei

„Im Prinzip bauen wir einen großen Heizungskreislauf mit zwei parallelen Rohrsträngen“, sagt Marcinczak. Durch den einen läuft auf Temperaturen von mehr als 80 Grad geheiztes Wasser zu den Abnahmestellen der Fernwärmekunden, durch den anderen wird es zum Müllofen zurückgeführt und dort wieder aufgeheizt.

Oberirdisch verläuft die Leitung längs des Moorwaldweges. Die übrigen vier Kilometer Trasse an der Kirchhorster Straße und hin zum Anschlusspunkt In den Sieben Stücken legen die Arbeiter zweieinhalb Meter breite Gräben. 700 Teilstücke mit Längen von 12 bis 16 Metern müssen dafür verlegt, verschweißt, auf Dichtigkeit an den Nähten geprüft und wieder zugeschüttet werden.

Durch den Anschluss des Müllofens steigt die Fernwärmeerzeugung in Hannover um 25 Prozent. Wenn auch die geplante Klärschlammverbrennungsanlage am Moorwaldweg in Betrieb und ans Netz geht, kommen weitere 5 Prozent hinzu. Aktuell sind 55.000 Haushalte Fernwärmekunden, dazu kommen gewerbliche Abnehmer, Schulen, Krankenhäuser und die HDI-Arena mit ihrer Rasenheizung. Das Leitungsnetz, das seine Ursprünge in einem 1962 verlegten zehn Kilometer langen Teilstück am Heizkraftwerk Linden hat, ist mittlerweile um das 33-fache gewachsen.

Enercity will ab Ende 2022 Klärschlamm verbrennen

Rund 135.000 Tonnen Klärschlamm wollen die Stadtwerke Enercity ab Ende 2022 in einer neuen Anlage verbrennen, die das Unternehmen für geschätzte Kosten von bis zu 60 Millionen Euro am Moorwaldweg gegenüber vom Laher Müllofen baut. Auch dieser Ofen soll dann über die neue Leitung Fernwärme liefern.

Das Projekt hat den Hintergrund, dass Klärschlamm wegen des Phosphorgehalts laut Düngemittelverordnung nicht mehr im Umfang wie bisher auf Feldern ausgebracht werden darf. Kommunen brauchen deshalb neue Lösungen, um das Abfallprodukt aus ihren Kläranlagen loszuwerden.

Mit hannoverschem Klärschlamm lässt sich die Anlage zu 45 Prozent auslasten. Der Rest der benötigten Menge soll aus Städten und Gemeinden in einem Radius von 100 Kilometern kommen. „Wir wollen Klärschlammtourismus vermeiden“, sagt Projektleiter Christoph Kollenda. Berechnungen haben ergeben, dass durch den Lieferverkehr im Durchschnitt 32 tägliche Lastwagenfahrten zu den werktags derzeit 3200 Autofahrten auf dem Moorwaldweg hinzukommen.

Laut Kollenda rechnet sich der Anlagenbetrieb über das Geld, das Anlieferer zahlen. „Wir treten in ein unternehmerisches Risiko“, erklärt er. Im Augenblick seien die Anlieferungspreise hoch. Bei den Stadtwerken ist man zuversichtlich, den neuen Ofen auslasten zu können.

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Von Bernd Haase

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