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Aus der Stadt So war die Lange Nacht der Lüttjen Lage
Hannover Aus der Stadt

So war die Lange Nacht der Lüttjen Lage in Hannover

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16:29 27.09.2019
Sie sind die „Chronisten der Schrecken des Alltags“: Die Autoren der Lüttjen Lage. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Das sind sie also. Die „Chronisten der Schrecken des Alltags“, die gnadenlosen Sezierer der kleinen Peinlichkeiten und der großen Widersprüche. (Fast) alle Autoren vereint auf einer Bühne. Zum 70. Geburtstag der HAZ hat die Redaktion mit ihren Lesern erstmals eine „Lange Nacht der Lüttjen Lagen“ gefeiert. Nicht der hochprozentigen Getränke, sondern der spitzen Zeitungsglossen. Mehrere Hundert Besucher sind der Einladung ins Astor-Kino gefolgt, und so wurde drei Stunden lang gegniggelt, gelacht und applaudiert.

Die Lokalglosse in der HAZ: Hinter der Schadenfreude die Selbsterkenntnis

Für HAZ-Leser gehört die Lüttje Lage längst zum festen Programm der Zeitung, links oben auf der ersten Lokalseite –und auch im Internet täglich auf HAZ.de. Ob sie Einblicke gibt in die Erziehungsprobleme einer (Groß-)Familie oder Spott über der Krankenkasse ausgießt, ob sie vom Spaziergang mit dem gelehrigen Hund handelt oder von großer Politik im kleinen Hannover: Meist hat sie hinter aller Komik eine zweite Ebene, hinter der Schadenfreude eine Selbsterkenntnis, hinter dem schnellen Gag einen kleinen Aha-Effekt.

Lüttje Lage mit Ukulele-Musik

Die Lülas (wie sie in der Redaktion genannt werden) von Simon Benne handeln meist von den Versuchen, die vier Sprösslinge an Lebensweisheit teilhaben zu lassen. Da wird der Besuch der Matthäus-Passion zu einem lehrreichen Kulturausflug, weil ein spielendes Kind auf der Kirchenbalustrade einen Schuh zu verlieren droht – ausgerechnet über dem Kopf des Cellisten.

Volker Wiedersheim findet auf nahe jeden Ortsteil der Umlandkommunen einen Reim und komponiert sie zur „Ode an die Perlen der Regiön“. So kommt Ukulele-Musik in den Saal, das Publikum klatscht ab dem zweiten Refrain mit. Felix Harbarts Hund muss ausgerechnet am Wochenende krank werden, wenn in der Tierklinik Notfalltarife gelten. Rüdiger Meise durchlebt mit seinen Zwillingen chaotische Stunden in Supermarkt und Sporthalle. Bert Strebe zerknittert sich in einem IC-2 das Jackett derart, dass es später aussieht wie ein Jackett-2. Es sind oft die kleinen, scheinbar alltäglichen Dinge des Lebens, aus denen die Autoren ihren Stoff saugen.

„Es steht doch in der Zeitung“

Aber: „Stimmt denn immer alles in den Glossen?“, will Moderator Jan Sedelies von Simon Benne wissen. „Natürlich, es ist die reine Wahrheit“, beteuert der: „Nur wenn Sie meine Töchter fragen, bekommen sie wohl manchmal eine andere Antwort.“ Wenn aber die Objekte der Berichterstattung gegen den Tenor der Texte protestierten, dann entgegne er: „Selbstverständlich stimmt das – es steht doch in der Zeitung.“

Die jüngste Autorin ist jünger als die Rubrik

Als Überraschungsgast ist der langjährige Chef vom Dienst Christian von der Osten gekommen. Er zeigt, dass es Glossen in der HAZ schon viel länger gibt als den Rubriktitel Lüttje Lage, länger als seit 1996 also. Von 1968 ist die älteste der Glossen, die von der Osten vorträgt, sie handelt von tierischen Hupgeräuschen der Autos in der Stadt. Das Kontrastprogramm kommt von Mitarbeiterin Johanna Stein, der „einzigen Autorin, die jünger ist als die Rubrik“. Auch sie ärgert sich über Technik, doch 50 Jahre später sind es die Algorhithmen der Fitnessstudio-Apps, die sie unerwartet älter schätzen.

„Ein guter Start in den Tag“

Gerichtsreporter Michael Zgoll berichtet vom Konflikt mit seiner Frau wegen kaputter Socken. Altredakteur Hans-Peter Wiechers nimmt die Kulturhauptstadt aufs Korn – auf ihn gehen von etwa 7000 erschienenen Lüttjen Lagen nach eigener Zählung alleine 1000 zurück. Susanna Bauch (abwesend, aber lesend vertreten von Jutta Rinas) lästert über zweifelhafte Schönheiten am Schwimmbeckenrand und kranke Ehemänner beim Weihnachtsfest, Mathias Klein gibt Einblicke in den Familienstreit bei der Urlaubsvorbereitung mit der pubertierenden Tochter.

Es geht wohl vielen im Publikum so wie HAZ-Leserin Agnes Heimann aus Ricklingen. „Die Lüttje Lage ist morgens das erste, was ich lese – sie zaubert mir immer ein Lächeln auf die Lippen, das ist ein guter Start in den Tag.“

„Lüla funktioniert gedruckt und digital“

Und die Lüttje Lage funktioniert nicht nur gedruckt, sondern auch digital, hebt Chefredakteur Hendrik Brandt hervor: „Weil die Geschichten gut erzählt sind, weil wir gute Autoren haben.“ Und so wird es wohl weiter Lüttje Lagen geben. Jeden Erscheinungstag. Links oben auf der ersten Lokalseite. Und bestimmt auch mal wieder eine Lange Nacht der Lüttjen Lage.

Zum Weiterlesen:

Unsere Glossen digital: Die Lüttjen Lagen der HAZ

Von Conrad von Meding

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