Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Nach Israel zu kommen, wäre mega“
Hannover Aus der Stadt „Nach Israel zu kommen, wäre mega“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 06.02.2019
"Es ist alles eine Überraschungskiste": Die Garbsenerin Carlotta Truman singt beim Vorentscheid für den ESC. Quelle: Linda Tonn
Hannover

Wer Pippi Langstrumpf sein Vorbild nennt, weiß, was er will. Und hat vielleicht sogar zwei rote Zöpfe. Beides traf auf die neunjährige Carlotta Truman zu, als sie sich vor zehn Jahren ins Finale der Fernsehshow „Das Supertalent“ sang. Mit einer außergewöhnlichen Stimme und eine großen Portion Selbstvertrauen. „Ich war ziemlich frech“, sagt die Garbsenerin heute. Die Haare sind mittlerweile blond, das Lächeln ist gleich geblieben – und wieder geht es um ein Finale. Truman tritt in Berlin beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) an. Mit Sängerin Laurita will sie sich als Duo „Sisters“ bei „Unser Lied für Israel“ gegen die Konkurrenz durchsetzen. Wenn das gelingt, vertreten beide Sängerinnen Deutschland beim ESC in Tel Aviv. Quasi in letzter Sekunde hat der Norddeutsche Rundfunk die Beiden nominiert. „Völlig überrumpelt“ fühle sie sich gerade, erzählt die 19-Jährige bei einem Latte Macchiato. Verfolgt habe sie das Musik-Spektakel schon seit vielen Jahren, besonders seit der Teilnahme der Hannoveranerin Lena. Aber selbst dabei sein? „Bis zu diesem Jahr war ich ja noch nicht mal alt genug“, sagt sie.

Vom Kinderstar zur zielstrebigen Künstlerin

Carlotta Truman ist erwachsen geworden. Plapperte sie früher als Kinderstar und Teilnehmerin bei Castingshows wie dem „Supertalent“ und „The Voice Kids“ unüberlegt und offen in die Fernsehkameras, sagt sie heute Sätze wie „je älter ich werde, desto mehr denke ich über Fragen nach“. Das quirlige Gesangstalent, das noch vor einigen Jahren scheinbar furchtlos über Bühnen von Stadtfesten jeglicher Größe wirbelte und die TV-Jurys mit schlagfertigen Sprüchen überzeugte, hat sich zu einer zielstrebigen Künstlerin entwickelt. Ein wenig ruhiger, ein wenig reflektierter. „Seit zehn Jahren mache ich Musik und stehe in der Öffentlichkeit“, sagt sie. „Ich habe gelernt, was ich will und was nicht. Und das sage ich auch.“

Ihre Verträge verhandelt die Künstlerin mittlerweile selbst, auch über den Terminkalender bestimmt nur sie. Zu einem Treffen in ihrer Heimatstadt Garbsen kommt Truman mit dem geliehenen Auto der Oma. Gerade hat sie noch ihre Familie besucht, bevor es am kommenden Tag nach Wiesbaden geht – Proben mit Duettpartnerin Laurita. Dafür, dass die beiden als Nachzügler vor knapp sechs Wochen zusammengecastet wurden, klappt der gemeinsame Song schon ganz gut. In Dauerschleife hört sich Truman derzeit das fast gleichnamige Lied „Sister“ an – „fünf Mal am Tag mindestens“ – damit beim großen Auftritt auch wirklich jede Zeile sitzt.

Dass sie am 22. Februar tatsächlich um ein Ticket für den ESC in Tel Aviv singt, kann die 19-Jährige in manchen Augenblicken nicht wirklich fassen. Bis zum Jahresbeginn hatte sie die Teilnahme am Vorentscheid noch überhaupt nicht im Kopf. „Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt noch einmal zu einer Castingshow möchte“, sagt Truman, die erst im vergangenen Oktober ihr Studium in Popular Music an der Musikhochschule begonnen hat. Dort war sie gerade angekommen. Dort sollte es weitergehen. Dann kam der Anruf, das Casting und letztlich Duettpartnerin Laurita. Da seien doch eigentlich noch die Prüfungen an der Uni, auf die sie sich derzeit vorbereiten müsse, sagt Truman.

Die letzte Klausur schreibt Studentin Truman also am 14. Februar – ab dem 18. Februar ist sie als Sängerin und ESC-Anwärterin Carlotta Truman in Berlin. Dann werden Kostüme anprobiert, Tanzschritte auswendig gelernt und Kontakte zu den anderen Kandidaten geknüpft. Der Vorentscheid ist die Generalprobe für den 64. Eurovision Song Contest am 18. Mai im Internationalen Kongresszentrum in Tel Aviv. „Die Bühne in Berlin wird gleich aufgebaut sein, wir tragen die gleichen Klamotten und tanzen die gleiche Choreografie“, sagt Truman. Naja, Israel werde mit Sicherheit noch eine Nummer größer sein.

Ob sie unbedingt gewinnen will? „Nach Tel Aviv zu kommen, wäre schon mega“, sagt die Sängerin. Verbissen wirkt sie dabei nicht, eher ein wenig zu entspannt. Es sei schon verrückt, dass man sie überhaupt ausgewählt habe, findet Truman. Deshalb werde sie sich jetzt nicht zu große Hoffnungen machen – aber trotzdem alles geben. „Dann ist die Enttäuschung später nicht zu groß.“ Nach dem Plan für die Zukunft zu fragen, geht der mittlerweile erwachsenen Garbsenerin dann doch ein wenig zu weit. Das Studium zu bekommen, sei für sie schon ein großer Schritt gewesen. Das reiche eigentlich fürs Erste. Öfter live auf der Bühne zu stehen, mehr eigene Texte schreiben, vielleicht. „Zusammengefasst: Ich will meinen Weg und meine Musik finden“, sagt Truman. Und vielleicht helfe ja der ESC dabei.

Von Linda Tonn

Hilfsorganisationen erinnern in der Marktkirche mit einer Mahnwache an das Schicksal der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge. Sie fordern, dass Hannover als „sicherer Hafen“ Menschen aufnimmt.

06.02.2019

Die Stadt Hannover soll Obdachlosen im Winter die unfertige U-Bahnstation unterm Hauptbahnhof öffnen – mit der Forderung ist ein Ratsherr abgeblitzt, hat aber Debatten ausgelöst.

09.02.2019

Die Genossenschaft Gartenheim will einen Neubau in die Pelikanstraße stellen. Doch die Ratsmehrheit verbietet das: zu hoch sei das Gebäude – und zu hässlich. Aus der Opposition hagelt es Kritik.

09.02.2019