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Aus der Stadt So will Hannover seine Parks schützen
Hannover Aus der Stadt

So will Hannover seine Parks schützen

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18:34 22.05.2019
„Grünflächen sind für die Lebensqualität in Hannover ein wichtiger Faktor“: Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette und Umweltmanager Norbert Kuczma mit der Karte zum Projekt Stadtgrün 2030.
„Grünflächen sind für die Lebensqualität in Hannover ein wichtiger Faktor“: Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette und Umweltmanager Norbert Kuczma mit der Karte zum Projekt Stadtgrün 2030. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Wenn die Stadt ihre Bewohner befragt, was sie an Hannover besonders schätzen, gehören die vielen Parks, die Grünflächen und der Stadtwald stets zu den meistgenannten Punkten. „Aber Hannover ist eine wachsende Stadt“, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette. Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen bedrohten zunehmend die Grünanlagen. Sie hat ihre Umweltverwaltung daher ein Freiraumkonzept erarbeiten lassen, das gefährdete Gebiete auflistet, aber auch Flächen für mögliche neue Grünqualitäten. Die 140-seitige Analyse mit dem Titel Stadtgrün 2030 ist jetzt fertig, sie soll in den nächsten Monaten in den Ratsgremien diskutiert werden und dann für zehn Jahre eine Richtschnur geben, wo sich Freiflächen entwickeln können.

Tausende Quadratmeter Naturfläche verschwinden für Wohnungsbau

Am Kronsberg etwa weichen gerade Tausende Quadratmeter Ackerland dem Neubaugebiet Kronsrode. Langfristig sollen zudem gut 800 Kleingärten zu Wohnbauland umgewandelt werden, auch wenn zunächst ein mehrjähriges Moratorium verhängt wurde. „Unsere Grünflächen aber sind für die Lebensqualität in Hannover ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Tegtmeyer-Dette. Weil die Bevölkerung älter werde, dürften sich Wege in Naherholungsgebiete nicht verlängern. Und weil das Klima sich wandele, müsse eine Stadt vermehrt auf Frischluftschneisen achten und naturnahe Flächen pflegen.

Neue Spielplätze, naturnahe Friedhöfe und ein längerer Uferpark

Das Konzept listet 17 Schwerpunkte mit insgesamt 61 Einzelprojekten auf, in denen die Grünflächenverwaltung in den kommenden zehn Jahren aktiv werden will. Dabei sind etwa neue Rad- und Fußwegverbindungen durch die Industriebrachen Misburgs und am Lindener Hafen, aber auch neue Spiel- und Freizeitsportanlagen etwa auf der Südstädter Hoppenstedtwiese, der Neubau des Fitness-Parcours am Westufer des Maschsees oder eine Spielplatzanlage in Stöcken. Friedhöfe sollen naturnaher gestaltet werden, am Stadtfriedhof Stöcken könnte ein zusätzlicher Eingang im Nordwesten helfen, Anwohnern Wege zu verkürzen. In der List wollen die Planer den Grünzug Pastor-Jaeckel-Weg weiterentwickeln, in Linden am Ihmeufer den Stadtteilpark entlang der Auestraße weiterbauen. Dort ist im ersten Bauabschnitt ein Skatepark entstanden. „Wir wollen die Grünanlagen bis zum Schwarzen Bären erneuern“, sagt Martina Schunke vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Für einige Projekte ist die Finanzierung schon gesichert, für die meisten aber braucht es noch Geld.

Konfliktfrei ist das Thema nicht – denn das Freiraumkonzept ist nur eines von aktuell drei Entwicklungsplänen für die wachsende Stadt Hannover. Die großflächige Stadtkarte, die Tegtmeyer-Dette am Mittwoch gemeinsam mit dem zuständigen Sachgebietsleiter Norbert Kuczma präsentierte, listet auf, wo das Wohnflächenkonzept von 2013 und das Gewerbeflächenkonzept von 2012 Ansprüche auf Platz erheben. Bisher seien etwa 50 Prozent des Stadtgebiets Freiraum – inklusive Wiesen, Wald-, Acker- und Wasserflächen. „Wir sind zwar eine der grünsten Städte deutschlandweit“, sagt Tegtmeyer-Dette. Wenn aber die Wohn- und Arbeitsqualität in Hannover hoch bleiben solle, dürften die Grünareale nicht verschwinden.

Manchmal sind es kleine Schritte, die zu einem Mehr an Natur führen. Nahe der Melanchthonstraße (Hainholz) etwa habe die Stadt kürzlich einen Supermarktparkplatz auf die Hälfte verkleinert und dort Rasen eingesät, sagt Grünflächenmitarbeiter Ralf Lippert. An Tempo-30-Straßen, die erneuert würden und keine Radwege mehr bräuchten, könnten stattdessen Grünstreifen entstehen. Probleme, mehr Grün zu schaffen, gebe es vor allem in den dicht bebauten Quartieren der Kernstadt.

Stadt appelliert: Keine Kiesgärten anlegen

Umso wichtiger sei, dass Vorgärten in der Stadt nicht als Kiesbeete naturfremd gestaltet würden, sagt die Dezernentin. Die sogenannten Gärten des Grauens sind in der Diskussion, seit Bremen sie verbieten will. Auch in Niedersachsens Bauordnung ist vorgeschrieben, dass Freiflächen gärtnerisch anzulegen sind – trotzdem nimmt die Zahl der pflegeleichten Kiesgärten zu. Vor allem wenn Folien unter dem Kies verlegt seien, „dann ist der Boden darunter tot“, sagt Tegtmeyer-Dette. Mit blühender Natur hingegen könne man sogar für die Insektenwelt etwas tun. Vorschriften wollten derzeit weder Stadtbaurat Uwe Bodemann noch sie als Umweltdezernentin erlassen, sagt Tegtmeyer-Dette. „Aber wir appellieren: Wer das Privileg hat, in der Stadt einen Vorgarten zu besitzen, der sollte ihn bitte naturnah nutzen.“

Das Konzept wird am Montag, 3. Juni, ab 15 Uhr im Umweltausschuss des Rates im Neuen Rathaus öffentlich vorgestellt – allerdings erst nach einer lange Anhörung zum Umgang mit Landwirtschaftsflächen. Es ist zusätzlich auf hannover.de unter dem Stichwort Stadtgrün 2030 im Internet zu finden.

Stadtpark muss für 9 Millionen Euro erneuert werden

Der Stadtpark, neu angelegt 1951 zur ersten Bundesgartenschau nach dem Krieg, ist in die Jahre gekommen. Im frisch vorgelegten Freiraumkonzept Stadtgrün 2030 ist die Erneuerung das teuerste Einzelprojekt: 9 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Das Gelände hinter dem Kuppelsaal gehört zu den Gartenkleinoden Hannovers, unter anderem beheimatet es 140 Rosensorten sowie eine große Zahl Stauden und Rhododendren sowie ungewöhnliche Baumarten. Defekt aber sind unter anderem die Abdichtungen der Fontänenbecken, auch an Wegen und Beeten müsse viel getan werden, heißt es bei der Stadt. „Wir hoffen aber, im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadtbewerbung den Stadtpark stärker in den Fokus rücken zu können“, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette.

Stadtteilpark in Linden wird erweitert

Am Ihmeufer nahe der Legionsbrücke ist der erste Abschnitt des neuen Stadtteilparks Linden-Süd bereits fertiggestellt – mit Skateanlagen, Basketballfeld und Mehrgenerationen-Fitnessparcours. Im neuen Freiraumkonzept ist vorgesehen, die gestaltete Grünfläche zu verlängern – bis zum Schwarzen Bären. Auch wenn das Areal bei Hochwasser überschwemmungsgefährdet sei, entstehe som Naturqualität in dicht bebauten Gebieten, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette.

Von Conrad von Meding