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Aus der Stadt So wird die Bahnbrücke Königstraße in Hannover abgerissen
Hannover Aus der Stadt So wird die Bahnbrücke Königstraße in Hannover abgerissen
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20:15 07.10.2018
Der Brückenabriss aus der Vogelperspektive. Quelle: Schultze-Landré
Hannover

13 Bagger fressen sich durch Hunderte Tonnen von Backstein und Beton. Die Zeit läuft an Hannovers größter und wichtigster Verkehrsbaustelle des Jahres: Genau zwei Wochen haben die Ingenieure und Baufirmen, dann muss am 15. Oktober frühmorgens der Bahnverkehr wieder rollen östlich von Hannovers Hauptbahnhof. Man schaut auf die Luftbilder und fragt sich: Wie soll das gehen?

Erst von oben lässt sich das Ausmaß der Bauarbeiten in der Königstraße richtig erahnen.

Angesichts der Aufgabenstellung ist Projektleiter Matthias Michaelis erstaunlich entspannt. „Wir sind im Zeitplan“ sagt er.

Eisenbahnbrücke stammt von 1880

Von 1880 stammt die Brücke, oder zumindest der älteste Teil von ihr im Bereich des Thielenplatzes. Damals wurde begonnen, die Eisenbahntrasse in der Innenstadt auf einen Damm zu verlegen, weil der stetig zunehmende Zugverkehr zu oft Kutschen, Fahrräder und Fußgänger ausgebremst hatte. Der Brückenbau war ein Riesenprojekt: Zimmerleute errichteten eine gewölbte Holzschalung, an der mit Ziegelsteinen der Brückenbogen gemauert wurde. Wenn solch ein Bogen fertig ist, stabilisiert er sich selbst. 138 Jahre lang hat das gehalten, davon können die Erbauer der heutigen Betonbrücken nicht mal träumen. Aber jetzt ist das Haltbarkeitsdatum überschritten gewesen.

1878 war der Bau der Brücke ein aufwendiges Projekt. Jetzt läuft seit April der Abriss.

Eine neue Brücke zu bauen, das lässt Ingenieure wie Projektleiter Michaelis eigentlich kalt – daran ist nichts wirklich Besonderes. „Die Besonderheit beim Neubau in der Königstraße besteht darin, dass wir praktisch einen Steinwurf vom wichtigsten Bahnknoten Norddeutschlands entfernt arbeiten“, sagt er, und: „Die Ausfahrt eines Hauptbahnhofs wie in Hannover legt man nicht mal so eben für 14 Tage still.“

Gehen Sie hier auf Zeitreise durch den zentralen Verkehrsknoten in Hannover.

ICE, Metronom, Enno und andere auf einem Gleis Richtung Osten

Fast nichts geht mehr östlich vom Hauptbahnhof. Nur eine Verbindung ist noch offen nach Osten, ein einziges Gleis, das auf einer Zusatzbrücke 1998 im Vorfeld der Expo für die S-Bahn errichtet wurde und nicht abgerissen wird. Dieses Gleis teilen sich jetzt: der ICE von Berlin ins Ruhrgebiet, der Metronom Enno nach Braunschweig, der Regionalexpress von Braunschweig nach Rheine (Westfalenbahn) und der extra eingerichtete S-Bahn-Shuttle zwischen Wunstorf und Lehrte. Mehr geht nicht durch östlich vom Hauptbahnhof. Alle anderen Zugverbindungen fallen aus oder sind verlegt.

Die Vorbereitungen für den Brückenabriss starteten im April, zum Einheitsfeiertag wurden jetzt die Oberleitungen gekappt, und seitdem haben die Bauarbeiter freie Hand. Abriss und Neubau erfolgen in acht Schritten:

Bis Sonntag: Sowohl die zweiteilige Bahnbrücke von 1880 wie auch das 1960 gegossene Zwischenstück und der erste Erweiterungsbau von 1970 wird abgerissen. Nur die letzte Erweiterung mit einem Gleis von 1998 auf der Emmichplatz-Seite bleibt.

Nacht zu Montag: Zwei große Eisenbahnkräne heben Hilfsbrücken aus Stahl ein, die provisorische insgesamt acht Gleise aufnehmen können.

Bis 14. Oktober: Auf den Hilfsbrücken werden Gleise angeschlossen und Oberleitungen neu verdrahtet.

Ab 15. Oktober: Der Bahnverkehr soll wieder ganz regulär rollen.

Dann aber gehen die Vorbereitungen für die neue Brücke erst los. Auf dem Thielenplatz sind riesige Fundamente gegossen worden. Auf denen entsteht ein Baugerüst, in dem die neue Brücke zusammengebaut wird und später an den richtigen Ort gerollt wird. Allerdings wäre die neue Brücke so groß, „dass sie bis in den Biergarten des Paulaner auf der anderen Straßenseite reichen würde“, sagt Michaelis. Damit wäre die Verbindung Lavesstraße/Joachimstraße/Theaterstraße über Monate für Autos blockiert gewesen. Deswegen wird auch hier wieder in zwei Schritten gearbeitet. Zunächst wird nur ein Teil der neuen Brücke fertiggestellt.

6. bis 15. April: An den zehn Tagen wiederholt sich das derzeitige Sperrungsdrama mit allen Zugausfällen und Verlegungen erneut. Die Hilfsbrücken werden demontiert, der erste Brückenteil wird vom Thielenplatz aus an die endgültige Stelle gerollt und angeschlossen, zwei Gleise für S-Bahnen werden wieder als Hilfsbrücken ausgeführt.

Bis Juli: Rollt der Bahnverkehr fast wie gewohnt, allerdings fehlt konstruktionsbedingt ein Gleis. Auf dem Thielenplatz startet wieder der Brückenneubau, dann gibt es eine Teilsperrung, die Hilfsbrücken werden entfernt, der zweite Teil der neuen Brücke wird hydraulisch eingesetzt.

Bis 14. Oktober: Die Fuge zwischen dem ersten Brückenneubauteil und dem zweiten wird geschlossen, darauf das letzte Gleis montiert.

Bis Jahresende: Die Restarbeiten werden noch Monate dauern. Unter anderem soll die Brückenansicht zum Thielenplatz wieder originalgetreu hergestellt werden, sie war denkmalgeschützt.

18 Millionen Euro Baukosten

Drei Jahre Vorbereitungszeit hat das Projekt gekostet, 18 Millionen Euro wird es monetär verschlingen. Die Bahn versucht, die Belastung für die Anlieger so gering wie möglich zu halten – so wurde etwa vor dem Brückenabriss der Schotter nicht mit Lkw, sondern mit Zügen auf Lagerplätze nach Wülfel und Linden gebracht.

Auf das Ende der Arbeiten freuen sich vor allem die Geschäftsleute in der Königstraße. Die Straße ist bis zur Brücke zwar normal befahrbar und keine Sackgasse, aber der Durchgangsverkehr vom Thielenplatz fehlt derzeit. Projektleiter Michaelis ist zuversichtlich, pünktlich fertig zu werden – denn auf ihn wartet schon das Anschlussprojekt. „Danach ist die Bahnbrücke Plathnerstraße dran“, sagt er.

So entstanden die Luftbilder

Die spektakulären Luftbilder vom Abriss der Eisenbahnbrücke hat Thomas Schultze-Landré gefertigt, als er am Donnerstag über die Baustelle geflogen ist. Der Vermessungsingenieur aus Emmerthal hat für die Baufirma Züblin, die am Brückenneubau beteiligt ist, unter anderem 3-D-Modelle der Unterführung konzipiert und die Abrissmassen berechnet. Er ist selbst ganz in der Nähe aufgewachsen, an der Lavesstraße/Ecke Blumenstraße, und kennt diesen Bereich Hannovers daher gut.

Von Conrad von Meding

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