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Aus der Stadt Kind in Hundekäfig gequält: Wie konnte es dazu kommen?
Hannover Aus der Stadt

Staatsanwaltschaft Hannover klagt Mutter wegen Kindesmisshandlung an

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18:38 05.08.2019
Hier soll ein Mädchen gequält worden sein: Siedlung Würmsee in Burgwedel. Quelle: Bert Strebe
Burgwedel

Das Haus stehe zum Verkauf, sagt ein Nachbar. „37.000, glaube ich“, sagt er. „Aber wenn Sie’s kaufen, nehmen Sie am besten gleich die Axt mit. Es ist hin. 37.ooo, das ist zu viel.“

Das Haus, von dem hier die Rede ist, ist ein kleiner, einstöckiger Bau mit roten Holzwänden, mehr ein Wochenend- als ein Wohnhaus. Von außen wirkt es ganz gemütlich. Aber innen müssen sich schlimme Szenen abgespielt haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die ehemalige Bewohnerin, eine Mutter von zwei Kindern, wegen schwerer Misshandlung Schutzbefohlener, wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt. Sie soll eine ihrer Töchter systematisch gequält haben.

Das Fleckchen Erde heißt Siedlung Würmsee und gehört zu Kleinburgwedel. In einer Stichstraße stehen gut 20 Häuser auf weitläufigen Grundstücken. Man sieht: Wer hier wohnt, will in Ruhe in seinem Garten sitzen, und an den Werkzeugen und Baustoffen unter Vordächern kann man ablesen, dass die Leute noch selbst Hand anlegen, wenn etwas repariert werden muss. An jeder zweiten Pforte hängt ein Schild mit der Aufschrift „Warnung vor dem Hund.“

Haus verlassen

An der Pforte zu dem roten Haus hängt nichts, nicht mal ein Namensschild. Das Metalltor ist verrostet und schief, an einem zweiten Tor baumelt eine gebrochene Kette. Die Brombeeren wachsen durch den Zaun, das Gras steht hoch, auf der Terrasse stapeln sich Müllbeutel: Das Haus ist verlassen. „Die Frau wohnt hier schon seit ewigen Zeiten nicht mehr“, sagt eine Nachbarin.

Die ewigen Zeiten haben 2017 begonnen. Die heute 44-jährige Frau, die hier einmal gewohnt hat, hat laut Staatsanwaltschaft ihre damals sechsjährige Tochter in einem Zeitraum zwischen dem 12. August 2016 und dem 12. September 2017 immer wieder in eine Hundebox aus Metall gesperrt, wie man sie aus den Kofferräumen von Autos kennt. Wenn das Kind nicht gehorchte, wenn es frech gewesen ist, wenn es in der Schule nicht erreicht hat, was es erreichen sollte – dann, sagt Staatsanwalt Thomas Klinge, sei das Kind in der Box eingeschlossen worden, teilweise habe die Mutter die Tür mit Kabelbinder arretiert.

In eine solche Transportbox soll die Mutter ihre Tochter gesperrt haben. Quelle: dpa/Symbolbild

Aus den Akten ergibt sich, dass das Mädchen stundenlang in der Kiste ausharren musste. Auch nachts. Außerdem soll die Mutter dem Kind ein Elektrohalsband umgelegt haben; dabei handelt es sich um ein Halsband, mit dem man Hunden per Fernbedienung zwar schwache, aber durchaus schmerzhafte Stromstöße verabreichen kann. Die Geräte wurden für die Hundeerziehung erfunden, in Deutschland sind sie verboten.

Prozess im September

Die Mutter hat einen solchen Apparat dennoch besessen und offenbar mehrfach bei ihrer Tochter eingesetzt. Dass sie derart ausgestattet war, war wohl kein Zufall. Die Frau soll Hunde der Rasse Laekenois gezüchtet haben, das ist eine Variante des Belgischen Schäferhunds. Ein Gewerbe hatte sie dafür nach Angaben der Stadt Burgwedel nicht angemeldet, und offenbar betreibt sie das Geschäft auch nicht mehr. Ihre Internetseite ist 2012 zuletzt aktualisiert worden.

Die mutmaßlichen Misshandlungen werden vom 23. September 2019 an vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts Hannover verhandelt. Warum die Untersuchungen so lange gedauert haben, ist nicht bekannt. Auch wo die Mutter heute wohnt, wird von den Behörden nicht mitgeteilt.

Klar ist allerdings, dass die Töchter – die damals Sechsjährige und ein „deutlich jüngeres“ Mädchen – nicht mehr bei der Mutter leben. Das Jugendamt der Region Hannover hatte, wie die Verwaltung mitteilt, einen Hinweis bekommen und ist „umgehend“ eingeschritten. Die Kinder wurden der Frau weggenommen.

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Von Antje Bismark, Thomas Oberdorfer und Bert Strebe

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