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Aus der Stadt Stadt Hannover erlaubt nur drei Nächte in fensterlosem Hotel
Hannover Aus der Stadt

Stadt Hannover erlaubt nur drei Nächte in fensterlosem Box-Hotel

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09:29 20.01.2020
Könnten mehr als drei Übernachtungen im fensterlosen Hotel gesundheitsschädlich sein? Die Stadt hat dem Betreiber eine Auflage erteilt. Quelle: Katrin Kutter (Archiv)
Hannover

Diese Auflage gibt es nur für ein einziges Hotel in Hannover: Für das fensterlose Box-Hotel an der Herschelstraße hat die Stadtverwaltung angeordnet, dass Gäste maximal drei Nächte hintereinander übernachten dürfen. Sie hatte dem Betreiber monatelang die Baugenehmigung vorenthalten, weil sie eine Unterbringung in fensterlosen Räumen nicht für menschenwürdig hält und meinte, das Projekt sei mit dem Baurecht nicht vereinbar. Erst als ein Gericht die Stadt verdonnerte, die Genehmigung zu erteilen, gab sie nach – schob dann aber die Sonderauflage mit den drei Nächten hinterher. Der Betreiber Oliver Blume fühlt sich diskriminiert und will nun erneut klagen.

Hannover ist nichts für Mutige“

Hannover ist nichts für Mutige“, sagt der 54-jährige Unternehmer. Anfang des Jahrtausends hatte er die Billigmarke Easy-Apotheke gegründet, die Box-Hotels sind seine neueste Erfindung. In Göttingen läuft das Konzept schon länger mit Erfolg, derzeit werden Eröffnungen in Leipzig, Bremen und Hamburg vorbereitet. Drei bis fünf Box-Hotels wolle er pro Jahr eröffnen, sagt Blume. „Solche Schwierigkeiten wie in Hannover erlebe ich nirgendwo – dabei ist es meine Heimatstadt, und eigentlich war ich immer überzeugter Hannoveraner.“

Stadt: Urteil eins zu eins umgesetzt

So sieht die Schlafbox im Box-Hotel aus. Quelle: Michael Mehle

Die Stadt argumentiert, Blume selbst habe in seiner Betriebsbeschreibung notiert, dass das Box-Hotel „nur einem Aufenthalt von wenigen Tagen dienen soll“. Auch das Gericht habe den Betrieb laut Urteilsbegründung nur deshalb zugelassen, weil die Gäste „nur für wenige Tage ein Quartier“ nähmen und dort „ihren Lebensmittelpunkt nicht in der Schlafbox“ hätten. Die Stadt habe „das Urteil des Gerichts eins zu eins umgesetzt“.

Gericht nennt keine Zahl

Tatsächlich listet die Betriebsbeschreibung neun mögliche Zielgruppen auf, etwa Stadttouristen, Messe- und Kongressbesucher, Wohnungssuchende sowie Messeaussteller und deren Montageteams und andere. Nur bei Fernpendlern ist dort von „bis zu drei regelmäßigen Übernachtungen in der Woche“ die Rede, bei Messegästen von „ein bis zwei Übernachtungen“ – bei allen anderen sieben Kategorien gibt es keine Angaben zur Dauer. Auch das Gericht nennt keine Zahl.

Box-Hotel als Alternative zu Hostels

„Das ist eine völlig grundlose Benachteiligung“: Box-Hotel-Erfinder Oliver Blume in einem der hannoverschen Zimmer. Quelle: Conrad von Meding

„Aufenthalte in Hotels und Hostels sind eigentlich immer zeitlich begrenzt“, sagt Blume, das gelte für Luxushotels ebenso wie für einfache Absteigen. Das Box-Hotel soll eine Alternative zu Hostels sein, in denen die Gäste in Mehrbettzimmern schlafen und sich außer Gemeinschaftstoiletten auch Gemeinschaftsduschen teilen. „Bei uns gibt es mehr Privatsphäre, weil die Zimmer abschließbar sind und eigene Duschen bieten“, sagt Blume. Auch der Preis entspricht eher Hostels: Der Preis startet bei 24,99 Euro.

„Stadt darf keine Auflagen erfinden“

Blume ist sich sicher, dass er erneut gegen die Stadt gewinnt: Das Göttinger Box-Hotel ist ebenso wie das hannoversche nach Niedersächsischer Bauordnung genehmigt, „es kann da keine Unterschiede geben“. Überdies habe das Verwaltungsgericht geurteilt, dass die Stadt ihm die Genehmigung wie beantragt erteilen müsse: „Da kann die Stadt nicht plötzlich neue Auflagen erfinden.“ Die Stadt bleibt bei ihrer Haltung.

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Von Conrad von Meding

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