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Aus der Stadt Stadt lässt Wohnhaus 18 Monate leer stehen
Hannover Aus der Stadt

Stadt lässt Wohnhaus in Hannover-Bult 18 Monate leerstehen

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08:00 06.01.2020
Im begehrten Stadtteil Bult steht seit Juni 2018 das Reihenmittelhaus (Eingangstür in der Bildmitte) leer – weil die Stadt für den geplanten Verkauf „die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen“ hat. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Wohnungsleerstand ist angesichts des Mangels auf dem Immobilienmarkt ein Ärgernis für alle Suchenden. Umso mehr staunt die Nachbarin eines Reihenmittelhauses im Stadtteil Bult, dass die Stadt das ihr gehörende Gebäude nach dem Auszug von Mietern bereits 18 Monate leer stehen lässt. Auf ihre Anfrage bei der Verwaltung teilt diese ihr mit, dass das Gebäude zwar verkauft werden solle. Doch dafür sei „eine intensive Abstimmung mit diversen beteiligten Fachbereichen nötig“. Die Nachbarin ärgert sich: „Dafür habe ich kein Verständnis.“

Leerstehendes Reihenhaus in der Bult ist ein Erbfall

Gegenüber der HAZ bestätigt die Stadt den Vorgang. Sie habe das Haus aus einer Erbschaft erhalten und sich nun nach dem Auszug der Mieter zunächst Klarheit über Zustand und Sanierungsbedarf der Immobilie verschaffen müssen. Dann habe abgestimmt werden müssen, ob man das Haus vielleicht doch selbst behält, etwa „für spezielle Nutzungszecke wie die Unterbringung von Alleinstehenden Flüchtlingsfrauen und Minderjährigen“. Nun sei die Entscheidung gefallen, die Immobilie zu verkaufen.

„Auf 18.000 Euro verzichtet“

Die Angaben sind nicht falsch, allerdings gehört das Gebäude in einem der familienfreundlichsten Stadtquartiere Hannovers schon seit Jahrzehnten der Stadt. Private Vermieter sind in solchen Zeiträumen durchaus in der Lage, sich einen Überblick über den Zustand zu verschaffen, sodass kein anderthalbjähriger Leerstand nötig ist. Die Nachbarin rechnet vor, dass auch Zwischenvermietung denkbar gewesen wäre. Selbst bei einer Monatsmiete von nur 1000 Euro habe die Stadt auf 18.000 Euro verzichtet: „Geld, das dem Stadtetat und damit den Bürgern gehört und das auch zur Reparatur von etwa 16 Schultoiletten gereicht hätte.“

Stadt: Nicht die höchste Priorität

In der Stellungnahme der Stadt heißt es, ihr sei das „Problem des derzeit sehr angespannten Wohnungsmarktes bewusst“. Es bestehe „ein großer Bedarf an Einfamilien- und Reihenhäusern, wie bei dem besagten Objekt“. Stadtsprecher Möller betont aber gegenüber der HAZ, dass „der Verkauf dieses vergleichsweise kleinen Einzelobjekts im Vergleich zur Bearbeitung großer Wohnbauflächen und Areale nicht die allerhöchste Priorität eingeräumt werden konnte, zumal ja die Eigennutzung auch eine mögliche Option darstellte.

Verkauf soll bald starten

Das in einer Sackgasse gelegene Haus Brehmhof 21, das etwa aus dem Jahr 1933 stammt und 129 Quadratmeter Wohnfläche hat, soll nun vermutlich Ende Januar oder Anfang Februar an den Markt gebracht werden, in der Regel erfolgt das auch durch eine Immobilienanzeige in der HAZ. Danach folgt eine sechswöchige Bewerbungsfrist, dann die Auswahl, bevor die Ratsgremien dem Verkauf zustimmen müssen. Es werden also noch etliche Monate vergehen, bis neue Eigentümer einziehen können.

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