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Aus der Stadt Heftige Kritik an geplantem Umzug des Stadtarchivs
Hannover Aus der Stadt Heftige Kritik an geplantem Umzug des Stadtarchivs
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00:15 12.04.2019
Ein Ort des Publikumsverkehrs, wo Historiker und private Ahnenforscher nach Unterlagen suchen, wo Bauherren alte Wegebücher wälzen und Besucher zu Ausstellungen kommen: Das Stadtarchiv in der Straße Am Bokemahle. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Köln baut sich nach dem dramatischen Einsturz des Stadtarchivs 2009 ein neues Archivgebäude nahe dem zentralen Barbarossaplatz. In Braunschweig wurde das Stadtarchiv ins wiederaufgebaute Stadtschloss integriert, Stuttgart investiert Millionensummen in ein neues, bürgerfreundliches Stadtarchiv. In Hannover aber plant die Verwaltung, das Archiv mit Museumsmagazinen zusammen an den Stadtrand zu verlagern. Die Idee ist auf der einen Seite bestechend logisch: Sowohl Archive wie auch Magazine benötigen spezielle klimatorische Bedingungen. Doch es gibt einen Unterschied: Magazine sind reine Lagerstätten. Das Stadtarchiv dagegen ist vor allem auch ein Ort des Publikumsverkehrs, wo Historiker und private Ahnenforscher nach Unterlagen suchen, wo Bauherren alte Wegebücher wälzen und Besucher zu Ausstellungen kommen.

„Wir stehen fassungslos den geschichtsvergessenen Plänen der Verwaltung gegenüber“

Entsprechend hohe Wellen hat jüngst der HAZ-Bericht über den geplanten Umzug des Stadtarchivs ausgelöst. Der Jazz-Club, der 2016 Hunderte Akten ans Stadtarchiv übereignet hat, erwägt die Rücknahme, „obwohl das ein echter Rückschritt für uns wäre, weil wir die Dokumente nicht fachgerecht lagern können“, sagt Vorstandsmitglied Uwe Thedsen. Und auch im Gymnasium Wilhelm-Rabe-Schule, dessen Schüler seit Jahren im Archiv zur Stadtgeschichte forschen, heißt es, man stehe „fassungslos den geschichtsvergessenen Plänen der Stadtverwaltung gegenüber“, die Einrichtung in eine Randlage zu verlegen.

Stadtsprecherin Anja Menge bestätigt, dass der derzeitige Standort des Stadtarchivs in der Südstadt nahe der Marienstraße „mittelfristig aufgegeben“ werden solle. Der Grund sei einerseits, dass das Archiv immer neue Akten erhalte und daher Platzbedarf angemeldet habe: Statt 2988 benötige die Einrichtung 3555 Quadratmeter, also etwa ein Sechstel mehr. Das wird im Freundeskreis des Stadtarchivs zwar im Grundsatz bestätigt. Allerdings sei vor allem deshalb hoher Druck auf dem Thema, weil Mietverträge für die Magazine städtischer Museen ausliefen und die Stadt eine Lösung für alle Einrichtungen schaffen wolle.

Neuer Standort fürs Stadtarchiv Hannover in Badenstedt?

Bisher ist vor allem von einer Halle in Badenstedt, möglicherweise auch Linden die Rede. Dort sollen Magazinbestände auch der Stadtbibliothek, dem Sprengel-Museum, des Museums August Kestner sowie des Historischen Museums umgelagert werden, zudem der städtische Kunstbesitz. Nach HAZ-Informationen soll auch die hochwertige Bibliothek der Sammler- und Forscherfamilie Kestner, die unter anderem 3000 historische Bücher umfasst, aus dem Neuen Rathaus in das neue Superdepot verlagert werden.

Bis 2021 solle das Magazin bezogen sein, heißt es bei der Stadt, und: „Die Wahrscheinlichkeit, eine entsprechende Fläche in der gewünschten Größe und mit der notwendigen Ausstattung an einem zentrumsnahen Standort zu finden, ist so gut wie aussichtslos.“ Zurzeit werde eine Ausschreibung vorbereitet, um eine geeignete Immobilie zu finden, sagt Sprecherin Anja Menge.

Hans Otte, der Vorsitzende des Freundeskreises Stadtarchiv, fordert dagegen, zu prüfen, ob das Archiv nicht am bisherigen Standort bleiben könne, bis ein geeigneter, zentrumsnaher Standort gefunden ist. „Ein Archiv gilt gemeinhin als ,Gedächtnis der Stadt´“, sagt Otte und erinnert an die Bewerbung Hannovers als Euopäische Kulturhauptstadt.

„Unkomplizierter Zugang zu Wissen“ nötig im Zeitalter von Fake-News

Ähnlich argumentieren Wilhelm-Raabe-Schulleiter Martin Thunich sowie Mitglieder der dortigen Fachgruppe Geschichte. „Das Gedächtnis der Stadt an die Peripherie zu verlegen ist ein politisch fatales Signal“, heißt es in einer Stellungnahme. Das Stadtarchiv biete „Geschichte im Original“, und gerade in Zeiten von Fake-News benötigten interessierte Menschen einen „unkomplizierten Zugang zu Bildung und Wissen“.

Wer die Standorte des hannoverschen Stadtarchivs seit dem 13. Jahrhundert abgleicht, erkennt eine einseitige Richtung der Verlagerung. Ursprünglich war es im Alten Rathaus angesiedelt – und mit jedem Umzug ist es weiter vom Zentrum Hannovers abgerückt, von einem kurzen Zwischenspiel im Alten Rathaus im vergangenen Jahrhundert abgesehen. Die jetzt geplante Verlagerung weit in den Südwesten aber wäre ein sehr großer Sprung. Stadtsprecherin Menge sagt zu, dass das Stadtarchiv gut erreichbar bleiben solle und laut Ausschreibung künftig auch über Parkplätze verfügen müsse.

Stadt will Gebäude Am Bokemahle verkaufen

Nach HAZ-Informationen soll das neue Supermagazin angemietet werden – das bisherige Stadtarchiv-Gebäude Am Bokemahle in der Südstadt, in dem auch das Wohnungsamt untergebracht ist, soll aber verkauft werden. Das füllt kurzfristig die Stadtkasse mit einem Millionenbetrag, der dann an anderer Stelle über die Mietzahlungen der Folgejahre wieder aufgezehrt wird.

Die Freunde Nutzer des Stadtarchivs aber wollen nicht locker lassen und bereiten Protest vor. „Die Stadtmitte scheint uns der einzig angemessene Ort für eine Institution zu sein, die wir als Speicher unseres Gedächtnisses verstehen“, sagt Jazz-Club-Vorstandsmitglied Thedsen.

Von Conrad von Meding

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