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Aus der Stadt Waldarbeiter fällen mehr Bäume – und werden häufig beschimpft
Hannover Aus der Stadt Waldarbeiter fällen mehr Bäume – und werden häufig beschimpft
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09:09 14.03.2019
In der südlichen Eilenriede nahe der Adolf-Ey-Straße müssen Forstarbeiter morsche Äste aus einem Baum schneiden. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Die alte Buche am Rande der Eilenriede reckt sich 35 Meter in die Höhe. Der dicke, knorrige Stamm vermittelt den Eindruck von Stabilität. Ein Baum, wie er im Buche steht. Doch Felix Bettin, Leiter der städtischen Forstbetriebe, runzelt die Stirn. „Das ist unser Problembaum“, sagt er. Der mächtige Stamm werde im Inneren von Pilzen zersetzt. Der riesige Baum steht neben einem Radweg. Etliche Schulkinder fahren jeden Morgen an ihm vorbei. „Der Baum stellt eine Gefahr dar und müsste gefällt werden“, sagt Bettin. Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Ein Sachverständiger könnte prüfen, wie stabil der Baum wirklich ist, welche Kraft noch in den Wurzeln steckt. Das Gutachten kostet zwischen 1500 und 2000 Euro. Lohnt sich der Aufwand?, fragen sich Bettin und seine Kollegen.

Wird zu viel abgeholzt?

Die Stadtverwaltung ist in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. HAZ-Leser meinten, dass in Hannovers Stadtwäldern deutlich mehr abgeholzt werde als üblich. Naturschützer bestätigten den Eindruck. Erschwerend kam hinzu, dass auf dem Gelände der Sophienschule etliche Bäume und Büsche gefällt wurden, um das Grundstück für einen Schulneubau vorzubereiten. Anwohner wurden vorab nicht informiert und waren entsprechend verärgert.

Tatsächlich muss die Stadt in diesem Jahr mehr Bäume und Büsche aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht abholzen. An Straßenrändern, entlang von Rad- und Spazierwegen in der Eilenriede, aber auch in der Umgebung von Kinderspielplätzen rücken Forstarbeiter an, um morsche Äste und Stämme zu entfernen. Damit haben die Waldarbeiter derart viel zu tun, dass in diesem Jahr die übliche Durchforstung der Eilenriede entfällt. Eigentlich durchkämmen Mitarbeiter den Wald systematisch und schauen, wo das Dickicht gelichtet werden muss, um gesundes Pflanzenwachstum zu ermöglichen. „Da die Durchforstung entfällt, werden insgesamt sogar weniger Bäume gefällt“, sagt Oberförster Bettin. Da die Kettensägen aber vermehrt entlang von Wegen und Straßen angeworfen werden und vermeintlich gesunde Bäume kappen, bekämen die Hannoveraner den Eindruck, es werde flächendeckend und rücksichtslos abgeholzt.

Klima setzt Bäumen zu

Hannovers Forstbetrieb muss in diesem Jahr mehr morsche Bäume fällen, die Radler und Spaziergänger gefährden könnten. Die Gründe sind vielfältig. Zunächst hat das Klima in den vergangenen zwei Jahren den Bäumen zugesetzt. „Im Jahr 2017 standen die Bäume monatelang im Wasser, in 2018 war es dann sehr trocken“, sagt Forstbetreibsleiter Felix Bettin. Das setze die Pflanzen unter Stress und mache sie anfällig für Pilzbefall. Im Grunde halte die Trockenheit noch an, meint Bettin, denn abgesehen von den vergangenen Regentagen habe es im Winter zu wenig Niederschlag gegeben.

Zudem hat die Stadtverwaltung ihre Kontrollen entlang von Wegen und Straßen verstärkt. Fünf neue Stellen wurden ausgeschrieben, um die Standsicherheit von Bäumen systematisch zu überprüfen. Die Stadt hat neue Messgeräte angeschafft, um Fäulnis im Inneren von Stämmen genauer nachzuweisen. „Die Kontrollgänge sind sehr arbeitsintensiv“, sagt Bettin. Dadurch werden zugleich mehr morsche Bäume aufgespürt, die gefällt werden müssen.

Hintergrund der erhöhten Sorgfalt dürfte auch der tragische Unfall im Maschpark vor zwei Jahren sein. Im Sommer 2017 wurde ein 31-Jähriger von einem herunterfallenden Ast erschlagen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, kam aber zu dem Schluss, dass die Stadt keine Schuld trage. Die Fäulnis im Inneren des Astes sei nicht sichtbar gewesen. Dennoch gilt der Vorfall als Zäsur. Von da an nahm es die Stadt mit der Verkehrssicherungspflicht noch genauer.asl

Waldarbeiter werden beschimpft

„Wir müssen uns oft Beschimpfungen anhören“, berichtet Daniel Freimann, Mitarbeiter des Forstbetriebs. Insbesondere wenn die Arbeiter vermeintlich intakten Bäumen zu Leibe rücken, gebe es Ärger. „Wenn wir aber erklären, warum wir einen Baum fällen, beruhigen sich die Leute“, sagt Freimann. Einer habe sich sogar für seinen aggressiven Ton entschuldigt.

Alle 18 Monate überprüfen Forstmitarbeiter die Bäume entlang von Straßen und Wegen, manchmal sogar häufiger. Das geschulte Auge erkennt, ob ein Baum von Pilzen befallen ist. Höhlen, von Spechten ins Holz gehackt, sind ein zusätzliches Indiz dafür, dass Stämme morsch sein könnten, denn durch die Höhlen gelangen Pilzsporen ins Innere des Baumes. Gewissheit bekommen die Forstmitarbeiter aber erst, wenn sie das Holz genauer unter die Lupe nehmen.

Mit Probebohrungen wird getestet, ob ein Stamm im Inneren fault. Von außen sehen die meisten Bäume noch vital aus.

Forstamt prüft Holzdichte

Das gelingt mithilfe eines Resistographen, einer Art Bohrmaschine mit Display. Hat Forstmitarbeiter Freimann den Verdacht, dass ein Stamm innen fault, setzt er das Gerät an der Rinde an und fräst ein stricknadelgroßes Loch in den Stamm. Beim Hineinbohren misst das Gerät den Widerstand und damit die Dichte des Holzes. Fährt der Bohrer nahezu widerstandslos durch den Stamm, ist das ein klares Zeichen für Fäulnis. „Wir können dann mithilfe weiterer Bohrungen rund um Stamm einschätzen, wie stabil der Baum noch ist“, sagt Forstleiter Bettin. Als Faustregel gilt, dass der Baum mindestens eine restliche Wandstärke von einem Drittel des Stammdurchmessers aufweisen muss. Liegt der Wert darunter, wird es kritisch. Doch abgeholzt wird der Baum noch lange nicht.

Artenschutz geht vor

„Wir versuchen zunächst, den Baum zu entlasten und entfernen Äste aus der Krone“, sagt Bettin. Dann verringere sich die Angriffsfläche für Stürme. Der Stamm werde markiert und immer wieder in kurzen Abständen kontrolliert. Sollte er tatsächlich gefällt werden müssen, wirft ein weiterer Mitarbeiter einen Blick auf die Pflanze. „Wir arbeiten nach dem Mehr-Augen-Prinzip“, sagt Bettin. Vorsicht sei bei Baumhöhlen geboten. Dort können sich Fledermäuse, Siebenschläfer oder Eichhörnchen eingenistet haben. „Wir schalten einen externen Artenschutzbeauftragten ein, der sich die Höhle genauer anschaut“, sagt der Oberförster. Ist sie noch bewohnt, bleibt der Baum erhalten – ganz gleich, welche Tierart den Stamm bewohnt.

Die morsche Buche am Rande des südlichen Stadtwalds soll eine letzte Chance bekommen. Bettin und seine Kollegen haben sich entschieden, einen Sachverständigen einzuschalten, um die Standfestigkeit zu prüfen. In „Zugversuchen“ mit am Baum befestigten Seilen testet der Gutachter, wie stark die Wurzeln noch im Boden verankert sind. „Wir haben weitere Kandidaten für solche Versuche in der vorderen Eilenriede“, sagt Bettin. Dann könne der Gutachter die Bäume im Paket überprüfen, und somit hätte die Stadt ein paar Euro gespart.

Inzwischen rudern auch Naturschützer zurück. „Die städtischen Förster gehen offenbar nicht leichtfertig vor“, sagt Sabine Littkemann, Geschäftsführerin des BUND Hannover. Die Wege in der Eilenriede seien hoch frequentiert, daher müsse das Forstamt dafür sorgen, dass morsche Äste keine Radler und Spaziergänger gefährden.

Von Andreas Schinkel

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