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Aus der Stadt Enercity will in Lahe Klärschlamm verbrennen – und damit Geld verdienen
Hannover Aus der Stadt

Stadtwerke Hannover beginnen im Sommer mit dem Bau ihres Schlammofens

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14:57 16.01.2020
Die Stadt muss ihren Klärschlamm aus dem Klärwerk Herrenhausen künftig verbrennen lassen. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Die Stadtwerke Enercity wollen Mitte des Jahres mit dem Bau ihrer Klärschlammverbrennungsanlage am Moorwaldweg gegenüber vom Laher Müllofen beginnen. Läuft alles nach Plan, geht die Anlage im Sommer 2022 in den Probe- und Anfang 2023 in den Regelbetrieb. Ausgelegt ist sie auf eine Kapazität von 30.000 Tonnen Klärschlamm. „Wir lassen ihn vorgetrocknet anliefern, um den Transportaufwand zu verringern“, sagt Projektleiter Christoph Kollenda, Geschäftsführer der Enercity Contracting Gesellschaft. Die bisher vorgesehene Investitionssumme von 60 Millionen Euro dürfte überschritten werden, weil die Anlage zusätzlich eine aufwendige Rauchgasreinigung sowie eine Aufbereitung für ein beim Schlammtrocknen entstehendes Gasgemisch erhält.

Ein neuer Entsorgungsweg ist gefordert

Klärschlamm darf wegen des Phosphorgehaltes künftig nicht mehr wie bisher auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Kommunen brauchen deshalb einen neuen Entsorgungsweg für die Rückstände, die in ihren Kläranlagen anfallen. Der liegt in der Verbrennung. Entsprechende Öfen werden deshalb nicht nur in Hannover gebaut, sondern auch in Hildesheim, Helmstedt, Bielefeld und Bremen.

Enercity und Konkurrenten wie etwa das Unternehmen Energy from Waste (EEW) wollen mit ihren Anlagen Geld verdienen. „Die Verwertung von Klärschlamm und die Rückgewinnung des wertvollen Nährstoffs Phosphor gehört zu den neuen Geschäftsfeldern unseres Unternehmens“, sagt Susanna Zapreva, Vorsitzende der Geschäftsführung von Enercity.

Tochterunternehmen besorgt den Klärschlamm

Den Betreibern stellt sich die Aufgabe, ihre Öfen auszulasten. Die Stadtwerke haben für die Klärschlammakquise die Firma Biosolid gekauft, die auf das Behandeln und Verwerten von organischen Abfällen spezialisiert ist. „Die Einzugsgebiete der Anlagen überlappen sich teilweise“, sagt Kollenda. So wollen mehrere Kommunen aus der Region Hannover wie etwa Langenhagen, Barsinghausen und Wunstorf ihren Klärschlamm nicht nach Lahe liefern, sondern nach Hildesheim. Dort können sie Teilhaber am Projekt werden.

„Es gibt aber keinen Krieg um Schlamm“, erklärt Kollenda. Idee sei es, aus Umweltgründen Transportwege und -mengen klein zu halten. Nach eigenen Angaben haben sich die Stadtwerke für ihr Projekt 15.000 Tonnen getrockneten Schlamm vertraglich gesichert. Weitere 13.000 Tonnen will die Stadt Hannover in Lahe verbrennen lassen. Sie musste allerdings den Auftrag dafür neu ausschreiben und wird ihn im Frühsommer vergeben. Sollten die Stadtwerke entgegen der eigenen Erwartungen dabei gegen Mitbewerber wie EEW nicht zum Zuge kommen, müsste die Tochter Biosolid für Ersatz sorgen. Entsprechende Mengen stünden zur Verfügung, sagt Kollenda.

Ofen geht an das Fernwärmenetz

Für ihr Projekt haben die Stadtwerke ein Stoffkreislaufsystem entwickelt. Sie lassen den Schlamm, der erst bei einem Feststoffanteil von 42 Prozent brennbar ist, dezentral entweder durch die Sonne oder durch Industrieabwärme trocknen. Dafür unterhält Biosolid mehrere Anlagen. Die bei der anschließenden Verbrennung im Schlammofen anfallende Wärme speisen die Stadtwerke in ihr Fernwärmenetz ein und können damit rechnerisch 5000 Haushalte versorgen. „Damit leisten wir einen höheren Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz als viele andere Schlammöfen“, sagt Zapreva.

Auch für den Phosphor planen die Stadtwerke eine Verwertung. Dazu haben sie mit dem Versorgungsunternehmen Gelsenwasser eine Kooperation beschlossen. In einer Anlage im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt wollen sie Kalziumphosphat herstellen, das ebenfalls als Dünger Verwendung findet. „Wir haben ein nachhaltiges Gesamtkonzept entwickelt“, befindet Kollenda. Zapreva nennt es unschlagbar und zukunftsweisend für die Wärmewende in den Städten.

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Von Bernd Haase

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