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Aus der Stadt Zahl der Kinderunfälle in Hannover geht zurück
Hannover Aus der Stadt

Statistik: Zahl der Kinderunfälle in Hannover geht zurück

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09:00 03.11.2019
Jeder Punkt ein „Unfall mit Personenschaden“: Der aktuelle Unfallatlas des Statistischen Bundesamts für Hannover. Quelle: Statistisches Bundesamt
Hannover

Die Bundesanstalt für Straßenwesen mit Sitz in Bergisch Gladbach veröffentlicht in regelmäßigen Abständen ein Werk, das anschließend stets für bundesweite Schlagzeilen sorgt: Der sogenannte Kinderunfallatlas verglich bislang für jeweils drei Jahre die Unfälle in Großstädten, bei denen Kinder verletzt oder sogar getötet worden sind. Derzeit arbeitet die Behörde am Unfallatlas für die Jahre 2013 bis 2018. Er soll Ende 2020 erscheinen. Der größere Zeitraum, der dieses Mal berücksichtigt wurde, ist bewusst gewählt. „Er ermöglicht es, zeitliche Veränderungen besser darzustellen“, sagt Behördensprecher Christopher Gerhard.

Anders als bei den vergangenen Veröffentlichungen müssen die Stadt und die Polizeidirektion Hannover die anstehende Veröffentlichung des Kinderunfallatlas nicht fürchten. Lag die niedersächsische Landeshauptstadt in den ersten statistischen Auswertungen der Bundesanstalt zweimal auf dem letzten Platz, haben sich die Zahlen inzwischen deutlich verbessert. Ereigneten sich im Jahr 2009 im Stadtgebiet Hannovers insgesamt noch 232 Unfälle mit Beteiligung von Kindern, waren es 2018 nur noch 182. Auch für dieses Jahr zeichnet sich bislang ein positiver Trend ab. Die Tendenz sei aktuell weiter sinkend, teilte die Behörde auf Anfrage mit.

4490 Präventionsprojekte allein im Jahr 2018

Der Rückgang ist auch auf zahlreiche Aktionen zurückzuführen, die die Polizei und die Verwaltung nach der Veröffentlichung der ersten beiden Atlanten gemeinsam mit dem ADAC, der Verkehrswacht, dem ADFC und der Gemeinde-Unfallversicherung seitdem angeschoben haben. Sie organisierten an Schulen Projekte zu den Gefahren des sogenannten toten Winkels, der Verkehrsunterricht an den Schulen und die Verkehrserziehung an den Kindertagesstätten wurden verstärkt.

Zudem wurde 2012 die landesweite Aktion „kleine Füße“ ins Leben gerufen. Seitdem markieren kleine gelbe Fußabdrücke, die auf die Gehwege aufgesprüht werden, für alle Grundschulkinder in Niedersachsen den sichersten Fußweg zu der jeweiligen Schule.

Insgesamt hat die Polizeidirektion allein im vergangenen Jahr 4490 Veranstaltungen in diesem Zusammenhang vorgenommen. Auch die HAZ leistet mit ihrer „Aktion sicherer Schulweg“ seit vielen Jahren einen Beitrag dazu, die Straßen in Hannover und dem Umland sicherer für Kinder zu machen – stets zu Schulbeginn im Sommer.

Experten helfen Schülern auf dem Weg zum Unterricht

Die Polizeidirektion Hannover weitete ihr Präventionsprogramm im Jahr 2014 erheblich aus. Untersuchungen der Behörde hatten ergeben, dass die ursprünglich angenommene Zielgruppe deutlich größer war, als angenommen. Auch die Schüler der 5. bis 7. Klassen, die bislang nicht im Fokus der Präventionsarbeit der Behörde standen, benötigten weiter Hilfe. „Nach dem Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule haben sie einen ganz neuen Schulweg, sind wesentlich mobiler und oft auch mit neuen Verkehrsmitteln unterwegs“, sagte damals Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe. Aus diesem Grund startete die Behörde das Projekt „Schulwegatlanten“. Dabei unterstützen Verkehrsexperten der Polizei Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zur weiterführenden Schule und arbeiten gemeinsam einen detaillierten Plan für den täglichen Schulweg aus.

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Stadt geht gegen Elterntaxis vor

Um gegen das zunehmende Problem der sogenannte Elterntaxis vor Schulen vorzugehen, hat die Stadt Hannover im vergangenen Jahr zudem einen wichtigen Entschluss gefasst: Eltern sollen künftig ihre Kinder nicht mehr mit dem Auto unmittelbar vor den Schulen absetzen oder abholen dürfen, sondern dafür an extra ausgewiesenen Haltepunkten Stopp machen müssen. An der Albert-Schweitzer-Schule in Limmer wird das in einem Modellversuch seit 2017 praktiziert. Wegen des Erfolges dort soll das Projekt auch auf andere Schulen übertragen werden.

Wichtigster Baustein in der Bekämpfung der hohen Zahl der Kinderunfälle in Hannover waren allerdings umfangreiche Baumaßnahmen. Die Stadtverwaltung lud nach der Veröffentlichung der ersten schlechten Ergebnisse zu mehreren runden Tischen der Verkehrsexperten in Hannover. Dort wurde auch ein Programm zum Umbau gefährlicher Straßen und Plätze in der Stadt ins Leben gerufen. Allein 2012 stellte die Stadt 400.000 Euro für die bauliche Entschärfung von 20 Gefahrenstellen zur Verfügung. Bis Ende 2015 waren insgesamt 120 solcher Gefahrenstellen umgebaut worden. Zudem kennzeichnen rote Fahnen im Stadtgebiet Orte, an denen sich ein Unfall mit einem Kind ereignet hat. Auf diese Weise sollen die Auto- und Radfahrer auf die Gefahrenstellen aufmerksam gemacht werden.

Zahl der Unfälle mit jungen Erwachsenen steigt

Der Rückgang der Kinderunfälle im Stadtgebiet also ist ein Erfolg, den Polizei und Stadt gemeinsam mit vielen Partnern erarbeitet haben. Doch auf die Behörden warten neue Herausforderungen. Die Zahl der Unfälle, bei denen junge Erwachsene in der Altersgruppe zwischen 18 und 20 Jahren verletzt oder getötet wurden, ist im Zeitraum von 2017 auf 2018 wieder deutlich angestiegen.

Insgesamt verunglückten im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover im vergangenen Jahr 909 junge Erwachsene. Extrem gestiegen ist auch die Anzahl der verunglückten Fahrradfahrer – um 18,8 Prozent seit dem Jahr 2014. Ebenfalls in die Höhe geschnellt ist die Zahl der verunglückten Senioren, nämlich um 18,7 Prozent seit dem Jahr 2014.

So schlecht schnitt Hannover in der Statistik bisher ab

Es war ein Schock für die Polizeidirektion Hannover und die Stadtverwaltung, als die Bundesanstalt für Straßenwesen im Jahr 2008 zum ersten Mal den sogenannten Kinderunfallatlas herausgab. Denn Niedersachsens Landeshauptstadt landete damals im Vergleich aller deutschen Großstädte auf dem letzten Platz. Auf 1000 Kinder kamen in Hannover zu diesem Zeitpunkt statistisch betrachtet durchschnittlich 3,94 Unfälle. Der Studie zufolge war die Gefahr, in Hannover Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden, für Menschen unter 15 Jahren 1,5-Mal so hoch wie beispielsweise in Städten wie Nürnberg oder Leipzig.

Auch ein Gutachten des Prognos-Instituts zur Familienpolitik sah in Hannover einen deutlichen Handlungsbedarf bezüglich der Verkehrssicherheit von Kindern. Der Untersuchung zufolge waren im Jahr 2005 rechnerisch 46 von 10.000 Kindern in der Landeshauptstadt bei Unfällen verletzt worden. Das waren mehr als in jeder der zehn Vergleichsstädte der Studie.

Eine Besserung trat auch bei der Veröffentlichung des zweiten Kinderunfallatlasses im Jahr 2012 nicht ein. Wieder belegte Hannover den schlechtesten Platz. Damals kamen im Stadtgebiet auf 1000 Kinder durchschnittlich 3,35 Unfälle. Auf dem ersten Platz landete die Stadt Leipzig. Dort ereigneten sich lediglich 2,23 Unfälle je 1000 Kinder.

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Der Link zum Unfallatlas:

Die Auswertung für die Straßen, die Sie interessieren, können Sie auch über diesen Link vornehmen.

Von Tobias Morchner

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