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Aus der Stadt Stadt Hannover sucht weiter nach neuen Flüchtlingsunterkünften
Hannover Aus der Stadt

Steigende Zahlen: Stadt Hannover sucht nach Unterkünften für Geflüchtete

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06:00 06.01.2022
Nach einem Rückgang 2020 sind die Flüchtlingszahlen 2021 wieder deutlich gestiegen, unter anderem wegen der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Im Sommer kamen geflüchtete Menschen aus Afghanistan in Hannover an.
Nach einem Rückgang 2020 sind die Flüchtlingszahlen 2021 wieder deutlich gestiegen, unter anderem wegen der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Im Sommer kamen geflüchtete Menschen aus Afghanistan in Hannover an. Quelle: Rainer Dröse (Archiv)
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Hannover

Angesichts steigender Flüchtlingszahlen sucht die Stadt Hannover nach neuen Räumlichkeiten, in denen ankommende Menschen untergebracht werden können. Nach Angaben von Stadtsprecher Felix Weiper sind in den derzeit verfügbaren Flüchtlingsunterkünften 4200 Plätze belegt. „Damit sind die Unterkünfte aktuell zu 99 Prozent ausgelastet“, sagt Weiper. Anfang November 2021 waren noch 4035 Geflüchtete von der Stadt untergebracht.

Die Landeshauptstadt prüfe derzeit eine mögliche Nutzung von konkreten Objekten als Notunterkünfte, um kurzfristig zusätzliche Kapazitäten von etwa 150 Plätzen zu schaffen, so Weiper weiter. Um welche Gebäude es sich dabei konkret handelt, will die Stadt erst verkünden, wenn die Nutzung als Notunterkunft feststeht. Neben den Plätzen, die kurzfristig neu geschaffen werden sollen, wird laut Weiper auch weiterhin daran gearbeitet, neue Unterbringungsplätze zu finden.

Ende September hatte die Stadt das ehemalige Schulzentrum Ahlem wieder als „Reservenotunterkunft“ für Flüchtlinge in Betrieb genommen. Dort finden bis zu 160 Menschen Platz. Die Immobilie war schon einmal Flüchtlingsunterkunft, bevor sie zum Tagestreff für Obdachlose umfunktioniert worden war, weil zwischenzeitlich weniger Geflüchtete nach Deutschland kamen.

Ende September hatte die Stadt das ehemalige Schulzentrum Ahlem wieder als „Reservenotunterkunft“ für Flüchtlinge in Betrieb genommen. Quelle: Nele Schröder

Nur leichter Anstieg in der Region Hannover

Mittlerweile sind die Zahlen wieder deutlich gestiegen, unter anderem wegen der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im vergangenen Sommer. Von Januar bis November 2021 wurden in Deutschland laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 41,5 Prozent mehr Erstanträge auf Asyl gestellt als im gleichen Zeitraum 2020. In Niedersachsen ist die Zahl der Asylanträge in diesem Zeitraum von 2020 auf 2021 sogar um 56 Prozent gestiegen. Der Anstieg fällt aber auch so hoch aus, weil die Zahlen im ersten Coronajahr 2020 durch Reisebeschränkungen außergewöhnlich niedrig ausfielen.

Im Vergleich dazu sind die Zahlen an Geflüchteten in der Region Hannover nur leicht angestiegen. In der Stadt wurden laut Weiper im Jahr 2020 1017 Personen aufgenommen, im Jahr 2021 waren es 1047 Personen. Im Umland stieg die Zahl laut einer Regionssprecherin von 745 auf 885 Personen. Trotzdem reichen die aktuellen Unterbringungskapazitäten nicht mehr aus.

In Emden haben 13 Geflüchtete eine Jugendherberge bezogen. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Wegen Corona: Unterbringung in Jugendherbergen

In einigen niedersächsischen Städten werden Geflüchtete jetzt auch in Jugendherbergen untergebracht. Laut einer Sprecherin der Landesaufnahmebehörde haben beispielsweise in Emden 13 Personen eine Jugendherberge bezogen. Im Laufe der Woche soll das demnach auch in anderen Städten wie Bad Zwischenahn und Aurich passieren. Nach Angaben der Behörde werden durch diese Maßnahme aber nicht mehr Unterbringungsplätze geschaffen. Sie diene dazu, die bisherigen Unterkünfte angesichts der Corona-Pandemie zu entzerren und das Infektionsrisiko zu verringern. Die Maßnahme ist zunächst bis Ende Februar befristet.

In der Jugendherberge in Hannover sind laut Stadtsprecher Weiper keine Geflüchteten untergebracht. In den städtischen Unterkünften sei „weiterhin ein niedriges Infektionsgeschehen zu verzeichnen“.

Von Yannick von Eisenhart Rothe