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Aus der Stadt Stöckener Bad feiert 50-jähriges Bestehen
Hannover Aus der Stadt

Stöckener Bad: Stöckener Bad feiert 50-jähriges Jubiläum

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14:49 06.02.2020
50 Jahre Stöckener Bad – das muss gefeiert werden. Mit Wasserspielen, besonderen Saunaaufgüssen, kostenlosen Massagen, einer Poolparty, Kinderschminken und Musik in der Schwimmhalle. Quelle: Samantha Franson
Stöcken

Nicht länger als zwei Stunden durften Gäste des Stöckener Bads in den Anfangszeiten ihre Bahnen ziehen. Eine Badefrist gibt es in dem Hallenbad heute nicht mehr. Stattdessen wurden Öffnungszeiten gekürzt und nicht immer war sicher, dass das Bad eine Zukunft hat. Den Kampf um die eigene Existenz meistert das Stöckener Bad mittlerweile seit 50 Jahren. Mit alkoholfreien Swimming Pool-Cocktails, Kuchen und kostenfreiem Eintritt feierten Mitarbeiter und Gäste am vergangenen Sonntag das Jubiläum.

1988 sollte das Stöckener Bad geschlossen werden – die Bevölkerung wehrte sich erfolgreich mit einem 24 Stunden Volksschwimmen damit. Quelle: Gerhard Stoletzki

„Der Anteil von Nichtschwimmern steigt und mit ihnen auch die Badeunfälle“, sagte Klaus Dieter Scholz, Bürgermeister der Stadt Hannover, während seiner Rede. Aus diesem Grund sehe er auch die Stadt in der Verantwortung, ihre Bäder zu unterstützen – auch wenn das eigentlich eine freiwillige Leistung ist. „Schwimmbäder gehören zur Infrastruktur einer Stadt“, sagte Scholz entschlossen. Unterstützung fand das Bad auch in der Rede des stellvertretenden Vorsitzenden des Sportausschusses, Thomas Klapproth. „Für die Stadt Hannover ist immens wichtig, dass wir Schwimmflächen haben“, sagte Klapproth. „In meinen Augen sind es noch zu wenige.“

Bei Geldmangel stehen Bäder auf der Abschlussliste

Für ihre Aussagen ernteten Scholz und Klapproth lautstarken Applaus der Gästen des Jubiläums. Einige von ihnen begleiten die Entwicklung des Bades schon über mehrere Jahrzehnte. So auch Ehrengast Helmut Harders, der während der Achzigerjahre als Betriebsleiter des Bades arbeitete. Er erinnert sich vor allem an die vielen Herausforderungen, die das Stöckener Bad bereits stemmen musste. „Sobald Städte über Geldmangel klagen, stehen die Bäder als erstes auf der Abschlussliste“, sagt Harders. „Aber die Bäder zurückschrauben und dann meckern, dass die Kinder nicht mehr schwimmen können, ist einfach grotesk. Bürger brauchen Bäder.“

Bürgermeister Klaus Dieter Scholz und Bezirksbürgermeisterin Renate Bittorf bei der Feier. Quelle: Hoffmann

Wie wichtig Schwimmbäder sind, zeigt auch die Unfallstatistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). 2018 starben mindestens 504 Menschen durch Ertrinken. „Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer“, heißt es außerdem auf der Seite der Wasserrettungsorganisation. „Bereits 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad – oder müssen zum Teil lange Wege auf sich nehmen.“

„Wir sind hier sehr familiär“

Viel wurde unternommen, damit die Stöckener weiterhin in ihrem Bad das Schwimmen lernen können: 2006 wurde das Stöckener Bad behindertengerecht ausgebaut und zum Ausbildungsbetrieb für „Fachangestellter für Bäderbetriebe“ erklärt. Mitarbeiterin Kirstin Rose hat diese Ausbildung bereits 2007 absolviert. Seitdem gibt sie Schwimmunterricht, kümmert sich um Badegäste und hält den Badebetrieb mit ihren Kollegen am Laufen. Am Stöckener Bad schätzt sie besonders das Arbeitsklima. „Wir sind hier sehr familiär und haben eben auch viele Stammgäste“, erklärt Rose.

Doch immer weniger Menschen lassen sich für die Arbeit im Schwimmbad begeistern. „Der Beruf stirbt aus“, sagt Betriebsleiterin Kerstin Frick. „Ich würde mir wünschen, dass sich das ändert – immerhin soll das Stöckener Bad in 50 Jahren auch noch sein 100-jähriges Jubiläum feiern.“

Kommentar: Vergnügen mit Mehrwert

Ein Schwimmbad in erreichbarer Nähe ist eine gar nicht genug zu schätzende Annehmlichkeit. Kinder denken dabei vor allem an den großen Spaß, den sie an unzähligen Nachmittagen und Ferientagen beim Tollen im Wasser haben. Erwachsene Schwimmer schätzen meist mehr, dass sie sich in der Schwimmhalle ausgiebig bewegen können und damit etwas für ihre Gesundheit tun. Egal, ob sie dazu pfeilschnell durchs Wasser schießen oder gemächlich ihre Bahnen ziehen. Dennoch drücken die Kosten jede Kommune, die Freibad oder Hallenbad betreibt. Denn die Kosten lassen sich in der Regel mit den Einnahmen bei Weitem nicht decken. Vor allem, wenn Sanierungen anfallen, versinken schnell viele Millionen im frischen Nass. In Hannover hat deshalb ein heftiges Gerangel begonnen.

Zu viele Schwimmbäder sind in die Jahre gekommen. Auch das Stöckener Bad harrt weiter seiner Sanierung. Jeder Stadtbezirk mit Bad will den Bestand sichern und dabei zügig und gut bedacht werden. Doch wenn die einen teure Extrawünsche durchsetzen, rücken andere in der Warteliste nach hinten. Die Chance, schwimmen zu lernen, sollten aber alle Kinder bekommen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Stadt ihre Bäder erhält. Damit Kinder sich in der Nachbarschaft mit dem nassen Element vertraut machen.

Von Bärbel Hilbig

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