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Aus der Stadt Hund stirbt trotz Operation: Besitzerin will Kosten nicht zahlen
Hannover Aus der Stadt

Streit um Tierarztrechnung: Hund stirbt trotz Operation: Besitzerin will Kosten nicht zahlen

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14:31 21.09.2019
Tierarzt Peter Siggel (rechts) und sein Anwalt Dirk Schaper im Gerichtssaal mit Richterin Dagmar Frost. Quelle: Ingo Rodriguez
Hannover

Operation gelungen, Patient tot: Diese scherzhaft benutzte Formulierung ist für eine Hundebesitzerin aus Hannover zur bitteren Realität geworden. Obwohl ein Tierarzt aus Sehnde im Januar 2018 aus dem Körper ihres schwer krebskranken Tieres erfolgreich einen Tumor entfernt hatte, musste die Kanarische Dogge nach der Notoperation gut zwei Monate später eingeschläfert werden. Vor dem Amtsgericht Hannover geht es seit Donnerstag darum, wer nach der erfolgreichen Operation mit dem tragischen Ende nun die Behandlungskosten übernimmt.

Die Frau weigert sich, die Rechnung in Höhe von rund 1450 Euro zu zahlen. Ihr Argument: Die Operation sei sinnlos gewesen, der Veterinär habe sie nicht ausreichend über die Risiken beraten. Sie sei auch nicht über den bereits äußerst schlechten Gesundheitszustand des Hundes aufgeklärt worden. Tierarzt Peter Siggel aus Sehnde bestreitet das. Er will die Kosten für die Behandlung einklagen.

Dogge war auch als Therapiehund für krankes Kind wichtig

Zum Auftakt des Zivilverfahrens wies der Veterinär in der Anhörung am Donnerstag die Vorwürfe der Hundebesitzerin zurück. „Wir haben die Risiken der Notoperation besprochen. Die Alternative wäre Sterbehilfe gewesen, aber ich sollte den Hund unbedingt operieren“, sagte der Tierarzt mit einer Berufserfahrung von mehr als 30 Jahren.

Zuvor hatte sich Richterin Dagmar Frost von beiden Seiten den Behandlungsverlauf schildern lassen. Laut Hundebesitzerin war die neunjährige Kanarische Dogge „Cheryl“ seit Januar 2018 bei Veterinär Siggel in Behandlung. Die Hannoveranerin hatte sich wegen guter Erfahrungen mit dem Tierarzt dazu entschlossen, einen tennisballgroßen Tumor und später weitere tastbare Tumore am Gesäuge der Hündin in der mobilen Praxis – einem umgebauten Krankenwagen – des Veterinärs entfernen zu lassen. „Damit das Tier zu Hause narkotisiert wird“, sagte die Besitzerin.

Bei einer Untersuchung sei auf einem Röntgenbild auch auf der Lunge des Tieres ein Schatten erkannt worden. Der Tierarzt habe ihr jedoch Hoffnung gemacht. „Wir operieren erst den großen, dann die anderen Tumore weg, dann wird sie kastriert, um neue Gefahren zu verringern“, soll er gesagt haben. Deshalb sei sie mit der OP einverstanden gewesen. „Ich hatte die Hoffnung, dass das Tier noch ein paar Jahre leben wird – auch, weil sie für meinen herzkranken dreijährigen Sohn wie ein Therapiehund ist“, sagte die Hannoveranerin.

Tumor platzt: Notoperation

Zur der geplanten Operation kam es jedoch nicht: Nach übereinstimmenden Aussagen platzte der große Tumor in der Gesäugeleiste der Hündin unerwartet Ende Januar. Das Tier wurde mit hohem Fieber und Herzbeschwerden umgehend zum Tierarzt nach Sehnde gebracht. Gemeinsam mit einer Kollegin rettete dieser der Dogge in einer Notoperation das Leben. „Wir sind das Risiko eingegangen, dass der Hund die Injektionsnarkose nicht überlebt. Aber die Besitzerin wollte das Tier unbedingt wegen des kleinen Sohnes operieren lassen“, berichtete der Veterinär. Später seien die Behandlung und Nachsorge wie geplant verlaufen.

Tier wird wegen epileptischer Anfälle acht Wochen später eingeschläfert

Trotzdem wurde die Hündin im März wegen epileptischer Anfällen von einem anderen Tierarzt eingeschläfert. Der Vorwurf der Besitzerin: Der entfernte Tumor habe schon vor der OP bis in das Gehirn gestreut und die Anfälle ausgelöst. Hätte der Tierarzt nach dem Röntgenbefund die weit fortgeschrittene Metastasierung erkannt, wäre sie für eine sofortige Einschläferung gewesen. Auch diese beiden Vorwürfe wies der Veterinär zurück: Die Verschattung auf der Lunge sei gut abgegrenztes Gewebe ohne Streuung gewesen, eine notwendige Punktion hätte im Fall eines Tumores die Gefahr einer möglichen Streuung sogar erhöht, sagte Siggel. Außerdem bestreite er, dass der entfernte Tumor Auslöser für die Anfälle im März gewesen sei.

Tierversicherung der Frau will Kosten für sie nicht übernehmen

Der Tierarzt verriet zwei vielsagende Details: Nachdem die Tierversicherung der Frau die Übernahme der Behandlungskosten aus bislang ungeklärten Gründen verweigert habe, sei von der Hannoveranerin auf Nachrichten des Veterinärs keine Antwort mehr gekommen. Möglicherweise habe sie Versicherungsbeiträge nicht bezahlt, spekulierte der Tierarzt nach der Anhörung. Deshalb habe er ein Mahn- und Inkassoverfahren eingeleitet.

Den Vorschlag der Richterin an beide Parteien, sich auf die Zahlung von Behandlungskosten in Höhe von 1000 Euro zu einigen, lehnte nur die Frau aus Hannover nach einer Beratung mit ihrer Rechtsanwältin ab. Deshalb will die Richterin nun in der Patientendokumentation des Tierarztes nach Belegen für eine korrekte Beratung sowie Leistungserbringung suchen. Den Beweis für eine falsche Beratung muss laut Amtsgericht die Beklagte erbringen. Am 17. Oktober will die Richterin dann ein Urteil fällen oder mögliche Zeugen vorladen. Dann könnte auch die bei der Operation anwesende Kollegin des Tierarztes zu Wort kommen.

Von Ingo Rodriguez

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