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Aus der Stadt Studenten zeigen Visionen fürs Ihme-Zentrum
Hannover Aus der Stadt Studenten zeigen Visionen fürs Ihme-Zentrum
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00:18 24.08.2018
So stellen sich die Studenten Lu Zhang und Nikola Bisevac den Stadtwerke-Turm künftig vor. Quelle: Leibniz-Universität Hannover
Linden-Mitte

Wie wäre es, wenn in den leeren Ladenlokalen des Ihme-Zentrums Tomaten, Salat, Möhren oder Pilze wachsen? Für Maiwenn Guillouet ist das keine abwegige Vorstellung. Die Studentin der Leibniz-Universität setzt auf den Trend Urban Farming – Landwirtschaft im städtischen Umfeld. Die Brachflächen in dem Großkomplex will die angehende Architektin zu blühenden Landschaften zu machen. Beete statt Beton. Mit nachhaltigem Ansatz: Regionale Erzeugnisse könnten dort wachsen und direkt vor Ort vermarktet werden.

Das Ihme-Zentrum ökologisch aufzuwerten, ist eine von neun unkonventionellen Ideen, die Bachelor- und Masterstudenten der Uni jüngst in den Räumen der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum präsentiert haben. Ein halbes Jahr haben sich die Studenten mit der Problemimmobilie beschäftigt – unter Federführung des Instituts für Entwerfen und Konstruieren. Bei dem von Architekt Michael Vogt geleiteten Seminar sind Entwürfe entstanden, die jenseits der bestehenden Planungen von Investor Intown neue Anregungen geben sollen, was vor und hinter den maroden Mauern möglich sein könnte.

Angehende Architekten der Leibniz-Uni haben Visionen für den Beton-Komplex entworfen.

Erlaubt war, quer zu denken – auch um dem Ihme-Zentrum ein neues Image zu verpassen. Zum Beispiel ein ökologisches: So schlagen Pham Puong und Christina Trentou ein innovatives Energiekonzept vor. Dazu gehören Solarzellen an der Fassade und Windräder auf dem Dach – und eine hauseigene Müllverbrenungsanlage. „Wenn der Müll aller Bewohner vor Ort verbannt wird, lässt sich daraus Strom gewinnen“, erklärt Pham Puong. Ihre Vision: Der gesamte Komplex soll sich selbst mit Energie versorgen.

Den Freizeitwert des Ihme-Zentrums rücken Larissa Theil und Jascha Baumgardt in den Fokus. Sie möchten südlich der Spinnereistraße eine zweite Fußgängerbrücke über die Ihme führen und dort eine Seebühne mit Freitreppe errichten. „Wir wollen auch das alte Schwimmbad wiederbeleben“, betonen beide. Am Nordende des Komplexes wurde 1974 ein unterirdisches Badebecken gebaut, aber nie in Betrieb genommen. Im Entwurf der Studenten wird es erneuert und bis über das Ihmeufer hinaus ins Flusswasser gezogen. An der Ida-Arenhold-Brücke soll es einen Stadtplatz mit Gastronomie, in Richtung Schwarzer Bär eine Markthalle geben.

Fast alle Studenten sehen das massige Sockelgeschoss als besonderes Problem, weil es zum Stadtteil wie ein Riegel wirkt. Laura Kettler und Rebekka Siebert wollen die Mauern einreißen. Sie planen neben der bestehenden Durchwegung in Höhe der Gartenallee drei diagonale Öffnungen an der Blumenauer Straße. Diese sollen durch in der Dunkelheit leuchtende Elemente aus Glasbausteinen hervorgehoben werden. Die Bodenplatte des ersten Obergeschosses möchten die Kommilitoninnen aufbrechen, um eine parkähnliche Anlage mit Gastronomie, Spielplatz, Skateparcours und anderen Sportmöglichkeiten einzurichten.

Investor will 2020 mit Umbau fertig sein

Intown, der Investor des Ihme-Zentrums, hatte im Dezember 2016 eigene Umbaupläne vorgelegt, die im Mai 2017 überarbeitet wurden. Demnach soll die derzeitige Verkaufsfläche von 60 000 Quadratmetern auf etwa 24 000 Quadratmeter reduziert werden. Statt der überdimensionierten alten Mall im Obergeschoss soll es ebenerdig eine Einkaufs- und Gastropassage geben. Im Obergeschoss sind kleinere, durch begrünte Wege verbundene Wohnungen geplant. Für das Erdgeschoss der alten Saturn-Räume war bisher Edeka als Gewerbemieter im Gespräch, darüber könnte eine „Kulturetage“ einziehen. Optionen für den Bereich des alten Huma-Marktes sind neben Einzelhandel ein Fitnesscenter, Betreutes Wohnen oder ein Hotel. Für die Nachnutzung des Stadtwerke-Turms hat Intown noch keine Vorschläge gemacht.

Der Investor hat erklärt, alle Umbauten 2020 abschließen zu wollen. Noch wurden aber keine unterzeichneten Mietverträge präsentiert. Im Herbst dieses Jahres sollen rund 10 Millionen Euro teure Arbeiten an der Fassade beginnen. Zudem gibt es konkrete Pläne, die Durchwegung zwischen Gartenallee und Ida-Arenhold-Brücke neu zu gestalten. jk

Das Thema Wohnen steht im Vordergrund der Konzeption von Fionn Quantz und Moritz Rücker. Beide regen an, die Sockelebene um vier Etagen aufzustocken, in denen Wohnungen und Apartments untergebracht werden sollen. Die Studenten haben detailgenau geplant: Die Größen der Einheiten liegen zwischen 56 und 171 Quadratmetern. Der Clou ist eine tragende Holzfachwerk-Konstruktion, die in das Betonskelett integriert wird und die Fassade optisch auflockert. Auch in den Innenräumen sollen die Holzstreben sichtbar sein.

Noch mehr Wohnungen wollen Lu Zhang und Nikola Bisevac schaffen – im Stadtwerke-Turm. Der Energieversorger wird das Hochhaus mit 22 Geschossen 2020 verlassen. Was dann mit der Büroimmobilie passiert, ist offen. Die angehenden Architekten planen Grundrisse vom Studentenapartment bis zur Familienwohnung. Loggien und Wintergärten, kombiniert mit einer bräunlichen Blechverkleidung, strukturieren die Fassade. Im Sockel sind Co-Working-Einheiten vorgesehen, im Erdgeschoss sollen die Fronten für Gewerbe aufgebrochen werden. Auch Amelie Bimberg und Alexander Frisch wollen den Turm zum Wohnhaus machen. Sie geben den Wohnungstypen weltgewandte Namen – von Buenos Aires über Paris bis nach New York und Rom.

Die Profis sind zufrieden: „Tolle Konzepte, die weit über das hinaus gehen, was bisher offiziell für das Quartier vorgestellt wurde“, findet Architekt Gerd Runge von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Sein Mitstreiter Constantin Alexander hat eine eigene Vision: „Wenn Hannover 2025 europäische Kulturhauptstadt ist, sollen die Besucher zum Ihme-Zentrum kommen und sich anschauen, wie aus einer Ruine ein neues Wahrzeichen geworden ist.“

In der Broschüre „BrutalSchön“ sind alle Entwürfe der Studenten erläutert – ebenso wie die Ergebnisse der Workshop-Reihe #ihmezentrum2025. Erhältlich ist das Heft für 5 Euro im Buchladen Annabee, Stephanusstraße 12, in der Lindener Apotheke, Limmerstraße 1, und der Gaststätte Elena, Blumenauer Straße 4, sowie unter www.ihmezentrum.info/shop.

Von Juliane Kaune

Sie lebte für ihren Beruf – nun ist die langjährige Leiterin der Grundschule Salzmannstraße im Alter von 70 Jahren verstorben.

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