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Aus der Stadt Preiswerte Wohnungen für Studenten fehlen
Hannover Aus der Stadt Preiswerte Wohnungen für Studenten fehlen
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00:15 24.09.2018
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nnn Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Die Suche nach einer erschwinglichen Unterkunft ist für Studenten schwierig. „Rund 2.600 Studierende warten aktuell auf einen Wohnheimplatz bei uns, und unsere Wohnheime sind voll“, erklärt Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover. Die Zahl der Anwärter liegt um 25 Prozent höher als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Und Hoffmann erwartet, dass weitere Bewerbungen eingehen.

Ein halbes bis ein Jahr müssten Studenten in der Regel auf einen der preisgünstigen Wohnheimplätze warten, berichtet der Studentenwerkschef. Viele springen in dieser Zeit ab. „Das ist ein unhaltbarer Zustand.“ Nur sechs Prozent der Studenten können in Hannover im Wohnheim wohnen. Die Unterbringungsquote ist im Landesvergleich besonders niedrig. „Allein um auf den Landesdurchschnitt von 9,4 Prozent aufzuschließen, bräuchten wir knapp 1.300 weitere Wohnheimplätze in der Stadt“, bilanziert Hoffmann.

Vor diesem Hintergrund sieht der Studentenwerkschef es kritisch, dass die Landesregierung für 2019 kein Geld für die Wohnheimförderung eingeplant hat. „Ich halte das bildungs- und wirtschaftspolitisch für unvernünftig, denn die Haushaltssituation ist besser, als sie zukünftig sein wird.“ Bayern und Hessen wollen ihre Wohnheimplätze kräftig aufstocken, um sich Nachwuchskräfte zu sichern.

Das Studentenwerk Hannover hat in den vergangenen Jahren durch Neu- und Umbauten 150 Plätze neu geschaffen. Jetzt entstehen 68 neue Plätze in der Dorotheenstraße, im kommenden Jahr sollen 184 Plätze an der Haltenhoffstraße gebaut werden. Das reiche jedoch nicht. „Wir brauchen unbedingt mehr öffentliche Förderung“, betont Hoffmann. Es gebe zwar ein zunehmendes Engagement privater Investoren. „Aber wir dürfen das Mietniveau nicht außer Acht lassen. 450 Euro und mehr für die Miete können sich die meisten Studenten einfach nicht leisten.“ Im Durchschnitt haben Studenten in Hannover 929 Euro pro Monat zur Verfügung. 51 Prozent zahlen bis zu 300 Euro Miete, 16 Prozent über 400 Euro.

Der Asta der Leibniz-Universität bewertet die Situation kritisch. Die Studentenvertretung bietet wieder eine „Schlafplatzbörse“ für Notfälle, in der Studenten und andere Bürger befristete Schlafmöglichkeiten anbieten. Bisher gibt es jedoch kaum Angebote. „Besonders schwer haben es Studenten, die noch niemanden in der Stadt kennen“, berichtet Sozialreferent Nils Donhauser. Es habe sich jetzt ein tunesischer Student gemeldet, der am Bahnhof übernachtet. „Das ist natürlich katastrophal.“

Von Bärbel Hilbig