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Aus der Stadt Lindener Narren knöpfen sich bei Stunk-Sitzung Schostok vor
Hannover Aus der Stadt Lindener Narren knöpfen sich bei Stunk-Sitzung Schostok vor
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00:18 31.01.2019
Die Bauamtsmitarbeiterinnen lassen Günter Papenburg warten Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Ein Mann stand weite Strecken des Abends im Mittelpunkt, obwohl er gar nicht da war. Die Lindener Narren hatten sich für ihre diesjährige Stunksitzung am Montagabend Oberbürgermeister Stefan Schostok vorgeknöpft, der hatte aber kurzfristig abgesagt, wie der Vorsitzende der Lindener Narren und Moderator des Abend im GOP, Martin Argendorf, berichtet.

Stunk-Sitzung der Lindener Narren

So wird in der Stunksitzung die „Mär vom Knaben, den sie Schostok nannten“ als Puppentheater nacherzählt. Im 1. Akt heißt es: „Als klein Schostok war, wohnte er bei der Mama, saß den ganzen Tag bei ihr auf dem Schoß, viel war mit ihm wohl nicht los.“ Während zuweilen die Grenze des guten Geschmack überschritten wird, geht das Puppenspiel dann weiter bis zum 65-Jährigen Schostok, der sich zu seiner Pensionierung ein Pedelec kauft und –zum Gelächter seiner Mitpolitiker – eine Radtour nach Pattensen plant.

Aber nicht nur die SPD, auch die CDU wird von den Lindener Narren aufs Korn genommen. Die Opposition im hannoverschen Rathaus könne man einfach nicht ernst nehmen, sagt Co-Moderatorin Laura Zacharias. Und Argendorf erwidert: „Ehe die CDU den Oberbürgermeister stellt, sagt der Beifahrersitz, wer neben Margot Käßmann gesessen hat.“

Genüsslich beschäftigen sich die beiden Moderatoren auch mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Dieser sei „vom braven Schwiegersohn zur Skandalnudel Nummer 1 geworden“, sagt Argendorf. „Er hat zweimal die selbe Frau geheiratet, das hat noch nicht einmal Gerhard Schröder geschafft.“ Mancher Gag war dabei nicht ganz neu – und stammte erkennbar aus Auftritten von Dietmar Wischmeyer (“Günther, der Treckerfahrer“) in den vergangenen Wochen.

„Geistiges Eigentum zählt nicht mehr“

„Rund ein halbes Jahr lang recherchieren wir“, berichtet der Moderator der Stunk-Sitzung, Martin Argendorf, um die Veranstaltung vorzubereiten. Dazu gehöre auch, sich gute Gags zu merken. Wie zum Beispiel vom Kabarettisten Dieter Nuhr oder vom Satiriker Dietmar Wischmeyer, wie Argendorf einräumt. Das seien Sachen, die er öffentlich gehört habe und sich dann gleich aufgeschrieben habe. „Das ist kein Geheimnis“, sagt er.

Wischmeyer ist klar, dass seine Texte oder Ausschnitte davon auch von anderen verwendet werden. „Geistiges Eigentum zählt nicht mehr“, sagt er. Es gebe zahlreiche Texte von sich, über die er letztlich die Kontrolle verloren habe. Seine Texte seien, wenn er zum Beispiel als „Günther, der Treckerfahrer“ auftrete, öffentlich. Letztlich falle das aber auf diejenigen zurück, die etwas von ihm übernommen hätten. Sehr oft würden zum Beispiel im ganzen Land Gespräche von „Frieda und Anneliese“ nachgespielt. „Dagegen anzugehen, lohnt sich nicht“, sagt der Satiriker. Und die Stunksitzung sei „eine Laienspielgruppe“.

Höhepunkt eines eher dahinplättschernden Abends war sicher eine Szene aus dem hannoverschen Bauamt. „Chaotische Abläufe, Regeln, die nicht eingehalten werden, ständige Überforderung: Ich rede nicht von einer Kita am Mühlenberg sondern vom Bauamt der Landeshauptstadt“, sagt Zacharias in ihrer Ankündigung. In der Szene kommt Bauunternehmer Günter Papenburg ins Bauamt, um sich die Baugenehmigung für die Wasserstadt zu holen. Weil Baudezernent Uwe Bodemann ihn nicht ins Büro lässt, wälzt sich Papenburg irgendwann mit Herzproblemen am Boden. „Herr Papenburg, sie verbreiten hier eine extreme Unruhe“, sagt dazu eine Bauamtsmitarbeiterin.

Außer von Schostok gab es noch eine zweite Absage. Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, der während der Stunksitzung das GOP eigentlich am Flügel „rocken“ wollte, wie in der Ankündigung mitgeteilt, musste krank zuhause bleiben.

Insgesamt machte sich die Stadtprominenz an diesem Abend im GOP rar. Die Gästeliste verzeichnete unter anderem Landespolizeidirektor Axel Brockmann, die SPD-Fraktionsvorsitzende Christine Kastning und den Ricklinger Bezirksbürgermeister Andreas Markurth.

Bei der Verleihung des diesjährigen Stunk-Ordens tat sich Kabarettist Matthias Brodowy schwer. Eigentlich sollte die Negativ-Auszeichnung an Hannover 96 gehen. Brodowy war damit aber nicht einverstanden. „Egal, was passiert“, sagt er, „diese Stadt muss hinter Hannover 96 stehen. Und wenn es die 2. Liga wird, kommt auch wieder die 1. Liga“, betonte er. Deshalb gab es den Stunk-Orden auch nur für die erste Saisonhälfte der Mannschaft. Und dann sangen alle, Akteure und Publikum, „Alte Liebe.“

Die Stunk-Sitzung wird am Rosenmontag (4. März) wiederholt.

Von Mathias Klein

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