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Aus der Stadt Polizei registriert schon vor Rapper-Konzert 25 Drogendelikte
Hannover Aus der Stadt Polizei registriert schon vor Rapper-Konzert 25 Drogendelikte
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20:24 07.03.2019
Die Beamten kontrollieren unter anderem auf dem Parkplatz Ost am Messegelände. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Rund um die TUI Arena ist es am Mittwochabend wegen groß angelegter Polizeikontrollen zu Behinderungen gekommen. Die Beamten überprüften dort Fans der Rapper Bonez MC und RAF Camora. Schon vor dem Auftritt der Rapper suchte die Polizei bei anreisenden Konzertbesuchern nach illegalen Rauschmitteln. Die Polizeidirektion hatte die Kontrollen im Vorfeld angekündigt. Bereits vor dem Konzertbeginn wurden 25 Drogendelikte registriert – bei Kontrollen von 101 Fahrzeugen und insgesamt 211 Besuchern, auch auf dem Konzertgelände. Ein Autofahrer wurde beim Fahren unter Drogeneinfluss erwischt. In 23 Fällen verzeichnete die Polizei illegalen Besitz von Betäubungsmitteln, ein Konzertbesucher wurde wegen Drogenhandels überführt.

Autofahrer zeigen überwiegend Verständnis

Bereits bei den Auftritten in München und in Hamburg hatten Bonez MC und RAF Camora Ärger mit der Polizei wegen mehrerer Drogenfunde und Konzertbesuchern, die unter dem Einfluss von Rauschmitteln mit ihren Autos zum Konzert gefahren waren. In Hannover zeigten die kontrollierten Autofahrer – unter anderem auf dem Messeparkplatz Ost – überwiegend großes Verständnis für die Aktion der Polizei. „Wenn es um Drogen geht, ist das in Ordnung. Die Polizei macht ja nur ihren Job“, sagte ein 25-jähriger Mann, der aus Rehburg-Loccum zu dem Konzert angereist war. Bei ihm hatten die Beamten kurz zuvor einen Drogenschnelltest ohne Befund gemacht.

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Polizei macht Pupillentests und nimmt Urinproben

Die Maßnahmen bei dem Polizeieinsatz waren umfangreich. „Heraus gewunken und kontrolliert werden zunächst einmal Autofahrer, die augenscheinlich dem Kreis der Rapper-Szene angehören und aus der Ermittlungserfahrung heraus für mögliche Drogendelikte infrage kommen“, sagte ein Polizeisprecher kurz nach dem Auftakt der Aktion. Bei einem Anfangsverdacht werde dann mit einer medizinischen Diagnostikleuchte über eine Pupillenkontrolle nach Auffälligkeiten wie geröteten oder wässrigen Augen, aber auch nach einem möglichen Lidflattern gesucht. „Sollte sich ein Drogenverdacht erhärten, wird den Autofahrern ein Urin-Schnelltest in unserem aufgestellten mobilen Klo angeboten“, sagte der Polizeisprecher. Zwar sei es möglich, diesen Urintest abzulehnen. „Dann können wir aber eine Blutprobe anordnen“, sagte der Beamte. Stichprobenartig wurden außerdem von den Polizisten einige Fahrzeuge genauer durchsucht und auf technische Besonderheiten überprüft. Bei drei der kontrollierten Fahrzeuge war die Betriebserlaubnis des TÜVs abgelaufen. Einmal wurde vor dem Konzert auch der Verkauf von Alkohol an Minderjährige aufgedeckt.

Kritik am Auswahlverfahren der Polizei

Eine 22-jährige Frau aus Wunstorf zeigte zwar ebenfalls Verständnis für die Kontrollen: „Das ist sinnvoll, damit niemand Drogen mit in die Konzert-Arena schmuggelt.“ Kritik äußerte sie aber am Auswahlverfahren der Polizei. „Manche werden nur ganz kurz und andere extrem kontrolliert – einfach dem Aussehen nach, das ist unfair“, sagte die junge Frau, während sich ihr Freund einer Urinprobe unterzog. Als Zeitverschwendung bezeichnete ein 25-jähriger Hannoveraner die Kontrollen. „Wenn das vorher überall im Internet so groß angekündigt wird, ist doch keiner mehr so dumm, sich im Auto vor dem Konzert mit Drogen erwischen zu lassen“, sagte der junge Mann nach seiner Kontrolle. Seine Beifahrerin pflichtete ihm bei: „Wer Drogen in die Halle schmuggeln will, kriegt das Zeug sicher irgendwie auch rein.“

Drogenfunde bei Konzerten in München und Hamburg

Beim Konzert der Rapper in der bayerischen Landeshauptstadt war dies offensichtlich auch den Musikern selbst gelungen. Dort hatten rund 100 Einsatzkräfte den Tourbus und den Backstagebereich der Olympiahalle nach Betäubungsmitteln abgesucht und dabei geringe Mengen Marihuana und Kokain entdeckt. Bei dem Auftritt in Hamburg hatte die Sonderkommission „Autoposer“ der Polizei vor der Halle mehrere Fahrzeuge überprüft. An zehn Wagen fanden die Ermittler illegale Manipulationen. Sieben Fahrern wurden Blutproben entnommen. Sie stehen im Verdacht, sich nach dem Konsum von Drogen hinter das Steuer ihrer Fahrzeuge gesetzt zu haben.

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot rund um die TUI Arena unterwegs. Wie angekündigt, suchen die Beamten bei Besuchern des Konzerts der Rapper Bonez MC und RAF Camora nach illegalen Drogen.

Die Rapper Rapper Bonez MC und RAF Camora sind derzeit mit ihrem Album „Palmen aus Plastik 2“ unterwegs. Bekannt wurden sie für Songs mit Titeln wie „Kokain“ oder „500 PS“.

Von Ingo Rodriguez und Tobias Morchner