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Aus der Stadt Roßmann: „Hannover, das Silicon Valley der Menschlichkeit“
Hannover Aus der Stadt

Talk bei Markus Lanz: Roßmann: „Hannover, das Silicon Valley der Menschlichkeit“

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00:24 26.05.2019
Dirk Roßmann zu Gast in der Talkshow Markus Lanz. Quelle: ZDF
Hamburg

Hannover ist das Silicon Valley der Menschlichkeit.“ Wie bitte? Hat er das gerade wirklich gesagt? Die ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ ist bekannt für plakative Parolen. Aber in diesem Moment – zumal als Hannoveraner – stutzt man schon. Aber Dirk Roßmann hat das am Mittwochabend wirklich gesagt: Also: Was Google, Facebook und Apple im Internet sind, das ist Hannover in Menschlichkeit? Im Prinzip hat Roßmann das auch so gemeint. Und er hat gewusst, so darf man sein Minenspiel deuten, dass die Sache ihm die Übertreibung wert ist.

„Zurück nach Hannover. Herr Kind ...“

30 Minuten lang war es da für Lanz, Roßmann, den Unternehmer und 96-Profi-Chef Martin Kind, Florian Klenk, Chefredakteur des österreichischen „Falter“, und Verfassungsrichterin Juli Zeh schon um Österreich gegangen. Um Strache, um Kurz, um die FPÖ und die AfD, um politische Hygiene. Und dann Lanz: „Zurück nach Hannover, Herr Kind ...“.

„Da ist die Welt noch in Ordnung“, witzelt Journalist Klenk dazwischen. Gelächter. Roßmann fühlt sich gefordert. „Vorbildlich … Hannover ist das Silicon Valley der Menschlichkeit.“ Lanz: „Noch mal bitte?“ Roßmann wiederholt mit beidhändiger Unterstützungsgestik. Lanz: „Wer hat den schönen Spruch erfunden?“ Roßmann: „Natürlich ich.“ Applaus, Gelächter, gute Laune.

Roßmann zählt dann für Hannover auf: die Bürgerstiftung, als Vorbild von 360 ähnlichen Vereinen in ganz Deutschland, Mentor Lesen, Klasse wir singen ... Lanz: „Sie haben Carsten Maschmeyer vergessen.“ Roßmann nimmt Fahrt auf. „Maschmeyer stand früher häufig in der Kritik. Ich könnte jetzt hier eine Viertelstunde über Carsten Maschmeyer erzählen, dass er zum Beispiel mal sein großes Haus in Hannover halbiert hat und dass ich erlebt habe, dass er mit zwölf Syrern da gelebt hat.“

Martin Kind in der Talkshow bei Markus Lanz. Quelle: ZDF

Unausgesprochen: Die „Hannover-Connection“

Der Dialog wird schwungvoll, Klenk mischt sich ein. „Das klingt ja wie Österreich“, sagt der Österreicher. Roßmann erwidert: Ich habe gerade über humane Entwicklung gesprochen, nicht über irgendwelche kleinkarierten Mauscheleien.“

Die „Hannover Connection“ wird nicht mit dieser Vokabel erwähnt. Aber die Namen des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, von Altbundespräsident Christian Wulff, Maschmeyer werden in die Runde geworfen, und Lanz ergänzt: „Goslar ist ja auch nicht weit“ – gemeint ist der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel. Ob die Nähe zur Politik nützlich sei, will Lanz wissen. Kind meint mit Blick auf Roßmann, Schröder könne dem sowieso nicht helfen, „der muss seine Drogeriesachen verkaufen“. Roßmann meint, bei einem großen Bauunternehmer sei das vielleicht anders. „Aber wenn man Hörgeräte und Zahncreme verkauft, brauche ich keinen Politiker.“

Skat kloppen mit Schröder

Und worüber reden sie, wenn sie sich mit Schröder treffen, will Lanz wissen. Roßmann: „Als wir im Sommer im Kokenhof saßen, und Schröder saß mit einem Freund auch da, da wollte er bei uns beim Skat mitspielen.“ Schröder und Altbundespräsident Wulff hätten keine Lust, in ihrer Freizeit über Politik zu sprechen, meint Roßmann. Kind ergänzt mit der ihm eigenen unbarmherziger Trockenheit: „Beide haben auch keinen Einfluss mehr.“ Aber, meint Kind, man solle Politikern Respekt entgegenbringen, die die Gesellschaft gestalten. An wen er da denke, will Lanz von Kind wissen, der einen Moment stammelt, wie immer, wenn er weiß, dass er gleich etwas Unpopuläres sagt: „Ja, hm, ach, öh ... Ganz extrem, sie gestaltet ja nicht mehr, sie verwaltet, aber Frau Merkel zum Beispiel.“ Diesmal spürbar mehr Gelächter als Applaus.

Die Runde flufft. Weil Kind und Roßmann zwei Gesichter zeigen: die gelassene Galanterie der Schwerreichen und eine seniore Lausbubigkeit (wenn es das überhaupt gibt). Kind nennt Roßmann einen „Spieler“, weil der mal mit Aktien existenzbedrohend danebengegriffen habe. Lanz will wissen, warum Kind sich nicht bei 96 zurückzieht. Wenn’s nur ums eigene Geld ginge, sagt Kind, hätte er das wahrscheinlich. Aber er habe andere zum Engagement überredet. Und mit fremdem Geld mache man das nicht. Da gebe es eine Verantwortung. Ob Kind, fragt Lanz nach, bei 96 inzwischen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag verspielt habe – Roßmann platzt heraus: „’türlich!“ Lanz: „Herr Roßmann, Sie haben mal gesagt, Kind sei etwas verrückt.“ Roßmann: „Jetzt weiß ich es, er ist sehr verrückt.“ So geht das hin und her, fast 25 Minuten. Lausbubengeschwätzt – die zwei, so sieht es aus, müssen sich schon sehr mögen.

Roßmann: Kind ist „sehr verrückt“ und der allergrößte 96-Fan

Und dann geht’s auch noch um 96, da verschwinden bei Roßmann die Lachfalten um die Augenwinkel, der Blick wird direkt und die Stimme tiefer. „Ich bewundere ihn auch“, sagt Roßmann über Kind. „Der hat unglaublich viel Rückgrat. Weil, wenn Sie in ein Stadion kommen mit 50.000 Menschen, und da gibt es in der Nordkurve Plakate mit ,Kind muss weg’ und ,Kind, Sohn einer Hure’ ... Ich kann noch nicht einmal in Ruhe mit dem Tennis spielen, weil er immer ans Handy muss, weil der Sportdirektor anruft ... Der setzt sich den ganzen Tag dafür ein und ist eigentlich der allergrößte Fan, den 96 hat. Das ist eine doppelte Herausforderung für mich, an seiner (Kinds; d. Red.) Seite zu stehen.“ Wie er das sagt, klingt das einerseits warm und andererseits auch ein bisschen nach Waldorf und Statler – den beiden Greisen in der Loge bei der Muppet Show. Es gibt Applaus.

Ob das Silicon Valley sich heimlich wünscht, das Hannover der Verantwortung zu sein?

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„Wir suchen ohne Ende Mitarbeiter und können Stellen nicht besetzen“ – das HAZ-Interview mit den Drogerie-Unternehmern Dirk und Raoul Roßmann

MArtin Kind: 96-Profi-Chef und Unternehmer – die Bildergalerie

Wenn Sie die gesamte Sendung sehen möchten: Sie steht bis zum 21. Juni 2019 in der ZDF-Mediathek – und zwar hier.

Von Volker Wiedersheim

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