Tarifkonflikt im Einzelhandel: Verdi-Mitglieder in Hannover streiken
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Aus der Stadt Große Beteiligung bei Einzelhandelsstreik in Hannover: „Das macht Mut!“
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Tarifkonflikt im Einzelhandel: Verdi-Mitglieder in Hannover streiken

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18:17 23.07.2021
Hannover: Streikende des Einzel- und Großhandels während ihres Marschs durch die Innenstadt und bei der Kundgebung am Kröpcke.
Hannover: Streikende des Einzel- und Großhandels während ihres Marschs durch die Innenstadt und bei der Kundgebung am Kröpcke. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Der Warnstreiktag im Einzel- und Großhandel am Freitag mit Kundgebung in Hannover ist aus Sicht der Gewerkschaft Verdi gut gelaufen: „Die Beteiligung war sehr, sehr gut – mehr als wir erwartet hatten“, sagt Gewerkschaftssekretär Sebastian Triebel. „Wir hatten mit 120 Streikenden gerechnet, es waren letztlich 150 bis 180!“

Die Gewerkschaft Verdi hatte im Tarifkonflikt im Einzel- und Großhandel in der Region Hannover, Celle, Bückeburg Beschäftigte von H&M, Douglas, Zara, Primark, E-Center, Ikea, den Obi-Baumärkten sowie von Metro und Bofrost zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Es gab einen Protestzug von der Goseriede zum Kröpcke (hier fand auch die Kundgebung statt) und zurück.

Auch Bofrost-Beschäftigte streiken mit

In Hannover, berichtet Triebel, habe es eine „sehr gute Beteiligung von Douglas-Beschäftigten gegeben – es seien mehr gewesen als beim letzten Mal. Auch Bofrost-Beschäftigte seien dabei gewesen – sie kämpfen dafür, überhaupt mal in den Genuss der Tarifbindung zu kommen. Allein dies zeige: „Die Kollegen und Kolleginnen entwickeln Mut, schließen sich an!“ Auch die drei hannoverschen H&M-Filialen hätten sich beteiligt, von Primark seien gar rund 60 Mitarbeitende im Streik gewesen, bestreikt wurde auch der Metro-Großhandel am Tönniesberg. Für den Verdi-Mann war „das schöne an dem Streik heute: Wir konnten den Einzelhandel und den Großhandel (dabei miteinander verbinden – das ist ein ganz gutes Zeichen!“

Ziel: Ende der Tarifflucht

Ein Ziel der Gewerkschaft ist es, der Tariflosigkeit und Tarifflucht der Unternehmen ein Ende zu setzen. Daher strebt sie die Allgemeinverbindlichkeit des irgendwann dann neu abgeschlossenen Tarifvertrags an. Laut Triebel endete das im Jahr 2001. Während damals noch 60 bis 70 Prozent der Unternehmen Tarifgebunden gewesen seien, seien es im Westen Deutschlands noch etwa 20 Prozent, im Osten gerade mal neun Prozent.

„Wir hatten mit 120 Streikenden gerechnet, es waren letztlich 150 bis 180!“: Demonstration auf dem Kröpcke. Quelle: Samantha Franson

Mit den Modefilialisten Zara und Primark gibt es für Niedersachsen bislang nur einen Anerkennungs-Tarifvertrag, Obi wendet den Tarif immerhin an. Die Edeka-E-Center als Eigenbetrieb unterliegen dem Tarif, Inhabergeführte E-Center jedoch nicht. Ähnlich sieht es bei Rewe aus. Ohne Tarifbindung sind Douglas (wendet nur Teile an) und Bofrost.

Nächstes Verhandlungsgespräch Anfang September

Wie es weiter geht, ist offen – das nächste Verhandlungsgespräch wird wohl Anfang September sein. Größere Aktionen wie jetzt sind bis dahin laut Triebel nicht geplant.

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Verdi fordert für die Beschäftigten des Einzelhandels 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Lohn/Gehalt und 100 Euro pro Monat mehr für die Ausbildenden sowie eine Laufzeit von 12 Monaten. Im Groß- und Außenhandel sollen Löhne und Gehälter um 199 Euro für alle Beschäftigen steigen, 99 Euro mehr für Auszubildende, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem fordert die Gewerkschaft von den Arbeitgebern die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge für den Einzel- und Großhandel.

Von Ralph Hübner