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Aus der Stadt So wollen Bewohner in der Öko-Siedlung leben
Hannover Aus der Stadt

Tiny Houses am Kronsberg: So wollen Bewohner in der Öko-Siedlung leben

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09:00 03.06.2019
Sie planen mit (von links): Henrik Miebach, Dorothea Kurtz, Thomas Köhler, Daria Kistner und Martin Kittelmann vor einem Tiny House. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

 Im Freizeitheim Ricklingen löffeln Heidrun Marsau und Rita Behrens die Reste ihrer veganen Suppe, um sie herum sind Stellwände aufgebaut. Es geht um Mobilität, Wohnformen und Energie. Menschen diskutieren auf den Fluren, im großen Saal bespricht sich eine Arbeitsgruppe. Die beiden Frauen sind Gäste des sogenannten Visionskongresses, eingeladen haben Initiatoren der am Kronsberg geplanten Öko-Siedlung Ecovillage. Etwa 400 Interessierte sind gekommen.

Marsau möchte mit Menschen zusammenleben, die sie sich selbst ausgesucht hat, und sie kann sich vorstellen, Gemeinschaftsräume mit anderen Bewohnern zu teilen. Doch bei aller Nachbarschaft will sie auch Distanz: „Dass man seine Tür auch mal zumachen kann.“ Rita Behrens gefällt die Idee von Ecovillage, weil sie Miete nicht an einen einzelnen Wohnungseigentümer zahlen würde. Von ihrem Geld profitierten Menschen, die sich im selben Projekt engagierten. Finanzielle Gründe in einem Markt ständig steigender Mieten spielen ebenfalls eine Rolle. Marsau kassierte vor Kurzem eine Mieterhöhung, „ich bin ein Modernisierungsopfer“.

Viele wollen weniger besitzen

Ob die beiden Frauen einmal in der Siedlung leben wollen, wissen sie selbst noch nicht. Beim Kongress wurde jedoch deutlich, was sich potenzielle Bewohner wünschen. Nimmt man Zustimmung und Ablehnung als Maßstab, die Teilnehmer an Flipboards äußern konnten, dann soll die Siedlung ungefähr so aussehen: barrierefrei, mit kurzen Wegen zum Einkaufen und Leben ohne Auto als Normalfall. Viele Interessierte wollen sich Gemeinschaftsräume teilen (Waschküchen, Bäder, Werkstätten). Sie wünschen sich gemeinsame Regeln fürs Zusammenleben und können sich vorstellen, deutlich weniger zu besitzen als in ihren bisherigen Wohnungen. Thomas Köhler vom Projektbetreiber Transition Town schränkte am Rand der Veranstaltung ein: „Was nicht geht ist, dass jeder Bewohner 1000 Quadratmeter für einen Kleingarten bekommt.“

Winzige Häuschen

Ein weiterer Mitbegründer von Ecovillage ist Hannovers früherer Umweltdezernent Hans Mönninghoff (Grüne). Er fühlte sich während des Kongresses an Wohngemeinschaften und Kommunen aus den 1970er-Jahren erinnert, nun sei es erneut „spannend, mit idealistisch denkenden jungen Leuten zusammenzuarbeiten“. Das Projekt, bei dem Menschen auf wenig Raum leben sollen, unter anderem in Tiny Houses, winzigen Häuschen, soll auch Menschen mit geringen Einkommen ansprechen. Für Dorothea Kurtz aus der Arbeitsgruppe Soziale Verträglichkeit gibt es da noch viel Spielraum, um den Kreis der Interessenten zu erweitern. „Unsere Kommunikation schließt noch viele aus. Die Frage ist, wie wir andere Kulturkreise erreichen und Menschen, die kein Internet haben.“

Die Pläne für die Siedlung werden nach dem Kongress konkreter. Im Herbst soll eine Genossenschaft gegründet werden, ein Anteil kostet voraussichtlich 500 Euro. Interessenten an Ecovillage können auf einem Fragebogen angeben, welche Vorstellungen sie haben und welche finanziellen Leistungen möglich sind. Mönninghoff glaubt, dass bei zügigem Tempo die ersten Häuser in zwei Jahren am Kronsberg stehen können.

Das ist Ecovillage

Die Stadt Hannover hat den Initiatoren des Projektes Ecovillage eine Fläche von 50.000 Quadratmetern am Kronsberg angeboten. Dort sollen verschiedene Formen kleiner Wohnungen entstehen, gedacht ist an eine Nettofläche von rund 30 Quadratmetern pro Person – eine Zahl, die Mitbegründer Hans Mönninghoff jedoch „nicht in Stein gemeißelt“ sieht. Dazu soll es gemeinschaftlich genutzte Räume geben.

Auf dem Grundstück sind verschiedenen Wohnformen vorgesehen. Häuser zur Miete etwa, gebaut von der zu gründenden Ecovillage-Genossenschaft. Baugemeinschaften können eigene Häuser bauen und besitzen. Dazu kommen Tiny Houses, winzige Häuschen. Wer eines besitzt, soll es am Kronsberg aufstellen können. Wer keines hat, kann voraussichtlich eines von der Genossenschaft mieten. gum

Lesen Sie hier: https://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Europas-groesste-Tiny-House-Siedlung-soll-an-den-Kronsberg-in-Hannover-ziehen

Von Gunnar Menkens

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