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Aus der Stadt So gefährlich ist die Arbeit der Pannenhelfer
Hannover Aus der Stadt So gefährlich ist die Arbeit der Pannenhelfer
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00:21 06.07.2018
Abschleppunternehmer Darius Gruba kennt die Gefahren für Pannenhelfer auf vielbefahrenen Autobahnen wie der A 2. Quelle: privat
Hannover

Nicht unnötig Zeit verlieren – das ist eins der Kernziele von Abschleppwagenfahrern, wenn sie Liegenbleiber von der Autobahn schaffen müssen. „Es gilt, so schnell wie möglich wieder aus der Gefahrenzone zu kommen“, sagt Darius Gruba. Er ist Geschäftsführer von G&G Automobilhandel, im Raum Hannover schleppt seine Firma Autos und Lkw ab. Der tödliche Unfall von Montagmittag auf der Autobahn 2 zwischen Garbsen und Hannover-Herrenhausen hat auch ihm wieder gezeigt, wie riskant die Arbeiten sind. Gruba: „Unser Job ist verdammt gefährlich.“

Gegen 11.30 Uhr wollte René R. auf dem Seitenstreifen einen Unfall-Audi aufladen, als zuerst der Abschlepper und dann der 40-Jährige von einem Lkw erfasst wurde. Der Pannenhelfer aus Springe starb noch an der Unfallstelle. Der 52-jährige Audifahrer saß im Führerhaus des ADAC-Abschleppers und musste alles miterleben. Nach HAZ-Informationen soll ihn R. kurz zuvor gebeten haben, einzusteigen, weil der Aufenthalt direkt an der Autobahn zu gefährlich sei. Kollegen beschreiben den 40-Jährigen als „immer hilfsbereit“. Das Abschleppunternehmen aus Hannover, für das R. jahrelang tätig war, wollte sich gestern auf Anfrage nicht äußern.

Auf der Autobahn 2 ist der Fahrer eines Abschleppwagens von einem Lkw erfasst worden und tödlich verunglückt.

Gegen den 44-jährigen Fahrer des Unfall-Lkw ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung. Wieso er den gelben Abschlepper übersah, ist noch unklar. Die Ermittler prüfen, ob der Mann aus dem Raum Hildesheim möglicherweise unachtsam war. Laut Gruba sind Zusammenstöße dieser Art aber keine Seltenheit auf den Autobahnen. „Glücklicherweise enden sie so gut wie nie tödlich“, sagt er. „Zwei beschädigte Fahrzeuge pro Jahr haben wir jedoch definitiv.“ Das reiche vom abgefahrenen Außenspiegel bis hin zu schwereren Schäden.

Standstreifen häufig zu schmal

Das Problem seien oft die dicht aufeinander fahrenden Lkw-Kolonnen. „Da sieht der erste Fahrer noch, was los ist“, sagt Gruba, „alle dahinter kriegen aber nichts mehr mit.“ Fahre auch nur einer wenige Zentimeter zu weit rechts, komme es zu solch schweren Unfällen wie am Montag. Gruba: „Unter anderem die Spurrillen im Asphalt schlingern die Lkw oft nach links und rechts.“ Auch die Standstreifen seien häufig zu schmal. Die Regel sieht 2,50 vor, ein Abschlepper wie bei dem Unfall ist 2,55 Meter breit – Außenspiegel nicht mitgerechnet. Laut Gruba sind mindestens 3,50 Meter Breite für den Seitenstreifen nötig, „dann könnten wir halbwegs ruhig arbeiten“.

Bleiben jedoch noch die vielen Fahrzeuge auf der Autobahn. Die wenigsten würden nach links ausweichen, um den Pannenhelfern etwas Platz zu verschaffen. „Da bremst niemand“, sagt Unternehmer Gruba. Eine Vorgabe sei daher, sich möglichst zwischen rechter Fahrzeugseite und Leitplanke aufzuhalten und zu bewegen. „Das geht aber natürlich nicht immer.“ Am Montag beispielsweise hielt sich René R. zum Unfallzeitpunkt auf der linken Seite auf, weil er den Audi zum Abtransport sichern musste.

Zweiter Abschlepper als Prellbock

Bei liegengebliebenen Lkw schickt G&G einen zweiten Abschlepper als eine Art Prellbock mit postiert ihn hinter der Unfallstelle – weil die Bergungen langwieriger und komplizierter sind. So würden Autos erst das zweite Fahrzeug rammen und alle hätten genug Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. „Bei defekten Autos sind die Fahrer aber allein unterwegs“, sagt Gruba. Da müsse jeder notgedrungen stets ein Auge auf den Verkehr haben. Aufwendiges Absperren mit Hütchen bringe nichts. „In der Zeit hat man den Wagen schon aufgeladen und kann schnell wieder losfahren.“

Von Peer Hellerling

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