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Aus der Stadt Möbel Staude: Eine Familie und ihre Firma
Hannover Aus der Stadt Möbel Staude: Eine Familie und ihre Firma
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08:55 20.04.2019
Helmut Staude (Mitte) mit seinen Söhnen Alexander (links) und Marc. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es ist nicht leicht, die passende Kulisse zu finden. Direkt vor dem Geschäft, das muss sein. Aber wo ist innen der beste Ort für ein Foto mit dem Vater und den beiden Söhnen? Im Foyer, wo die Gartenmöbel für die beginnende Saison ausgestellt sind? Oder in der ersten Etage bei den Polstermöbeln? Helmut Staude gefällt das sommerliche Ambiente. Doch sein Sohn Alexander ist schon auf dem Weg nach oben, um ein Sofa auszusuchen, auf dem alle drei Platz nehmen können. Vielleicht doch besser ein Foto im Stehen? Jackett auf oder zu? Die Familie ist sich nicht einig. „Wir probieren beides“, schlägt Staude senior vor. So wird es gemacht. „Die meisten geschäftlichen Entscheidungen treffen wir schneller“, sagt Sohn Marc mit einem Lachen.

Zwei Staude-Generationen arbeiten Hand in Hand

Dass die familiäre Zusammenarbeit funktioniert, beweisen sie seit mehr als einem Jahrzehnt. Helmut Staude (70) und seine Söhne Alexander (36) und Marc (34) sind gleichberechtigte Partner und Gesellschafter des traditionsreichen hannoverschen Möbelhauses und Küchencenters. 2007 stieg der ältere Bruder in die Geschäftsführung ein, zwei Jahre später folgte der jüngere in das Unternehmen, das ihr Urgroßvater anno 1928 gegründet hatte. Ein Weg, der scheinbar vorgezeichnet war.

Die Staudes widersprechen. „Den beiden etwas vorzuschreiben hätte keinen Sinn gemacht. Ein Beruf muss Freude machen, das kann man nicht anordnen“, sagt der Seniorchef. Marc nickt. „Wir haben uns nie so gefühlt, als müssten wir in die Firma einsteigen“, stellt er klar. Gleichwohl sei ihnen „relativ früh“ klar gewesen, dass es so kommen werde, ergänzt Alexander. Es war keine Entscheidung aus Pflichtbewusstsein, sondern eine, bei der Kopf und Bauch beteiligt waren. Aber auch eine, bei der Begriffe wie „Familie“ und „Tradition“ eine große Rolle gespielt haben.

Doppelter Start in England

Der Lebenslauf der Brüder weist früh Parallelen auf. Jeweils mit 16 Jahren gingen sie nach England, um ihr Abitur an einem College zu machen – auf Anraten des Vaters, der eine solch intensive Form der Auslandserfahrung für eine gute Idee hielt. „Hundertprozentig überzeugt war ich damals nicht“, erinnert sich Alexander. Unsicher sei er gewesen. Aber im Nachhinein habe sich die Zeit in Großbritannien, in der er viele Entscheidungen selbstständig treffen musste, als prägend herausgestellt. „Dafür bin ich meinem Vater dankbar.“ Der jüngere Bruder konnte von den Erfahrungen profitieren. Beide entschlossen sich für ein BWL-Studium, Alexander in Wien und Köln, Marc in Mannheim und im englischen New Castle. Während der Erstgeborene nach dem Examen noch in drei anderen Unternehmen aus der Branche arbeitete, wechselte sein Bruder gleich im Anschluss ans Studium in den Familienbetrieb.

Die Aufgaben sind verteilt. Alexanders Schwerpunkt liegt beim Möbelhaus, Marc arbeitet vorrangig für das Küchencenter und den hauseigenen Design-Outlet Smartprice. Und der Seniorchef? Der ist weiter für alles zuständig, aber er lässt dem Nachwuchs mehr und mehr freie Hand, sei es beim Einkauf, bei der Logistik oder bei Neueinstellungen. Ins Online-Geschäft mischt er sich ohnehin nicht ein, das könnten seine Söhne viel besser. „Es gibt einen fließenden Übergang“, erklärt Helmut Staude mit seinem typischen fröhlichen Lachen. „Selbst wenn ich mal längere Zeit nicht da bin, muss ich mir keine Sorgen machen, dass irgendetwas nicht klappt.“ Dabei ist er praktisch immer da. Sechs Tage in der Woche, auch und gerade am Sonnabend, dem umsatzstärksten Tag. Genau wie die Söhne. Er mache seine Arbeit einfach zu gern, lautet die Erklärung des Unternehmers.

Jeder hat seinen eigenen Kopf

Klingt nach purer Harmonie. Die drei Staudes schütteln den Kopf. „Natürlich gibt es bei uns auch Konflikte“, sagt Alexander. „Das kostet dann Kraft und nervt manchmal. Doch man muss nicht immer auf einem Nenner sein, um in der Sache gemeinsam voranzukommen.“ Das gelte ebenso für die Zusammenarbeit mit dem Bruder. Beide verstünden sich sehr gut, sie seien allerdings „Wettbewerbskinder“ und hätten sich schon früher auf dem Tennisplatz gern gemessen. „Am Ende ist wichtig, dass man abends wieder ein Bier zusammen trinken kann.“ Sie alle hätten sich versprochen, den Familienfrieden nicht wegen geschäftlicher Dinge zu gefährden, betont Staude senior. „Aber jeder hat nun mal seinen eigenen Kopf – sonst wären das ja nicht meine Söhne.“

Betrieb in vierter Generation

Das Möbelhaus Staude ist mit 40.000 Quadratmetern das größte im Stadtgebiet Hannovers. Denn Ikea im Expo-Park hat eine Verkaufsfläche von rund 21.000 Quadratmetern, und die großen Mitbewerber wie Hesse (Garbsen), Porta (Laatzen, Altwarmbüchen) oder Höffner (Altwarmbüchen) liegen außerhalb der Stadtgrenzen.

Das Unternehmen hat eine lange Tradition: 1928 legte Hermann Staude, der Großvater des heutigen Seniorchefs Helmut Staude, den Grundstein mit einem Einrichtungsgeschäft in der Schmiedestraße. Helmut Staudes Vater, der den gleichen Vornamen trug, fing nach dem Krieg neu an: 1948 eröffnete er einen Möbelladen am Engelbosteler Damm, 1968 zog er zwecks Erweiterung in die Meelbaumstraße nach Hainholz. „Das war damals mit 10.000 Quadratmetern quasi der erste Möbelmarkt auf der grünen Wiese“, sagt Staude.

Längst gehört das Gewerbegebiet, in dem das Möbelhaus nach wie vor ansässig ist, zum Gebiet der Kernstadt. Im Laufe der Jahrzehnte hat der heutige Seniorchef die Verkaufsfläche stetig durch Grundstückszukäufe vergrößert. 2003 wurde das Küchencenter eröffnet, zwei Jahre später der Design-Outlet Smartprice. 2012 investierte die Unternehmerfamilie 13,5 Millionen Euro in ihr Stammhaus und verdoppelte die Ausstellungsfläche. Eine Erweiterung auf dem Expo-Gelände wurde nach Unstimmigkeiten mit der Stadt aufgegeben.

Weitere Expansionen in Hannover seien nicht geplant, erklären Staude senior und seine Söhne Alexander und Marc. Mit immer größerer Fläche ließen sich in Hannover keine Zuwächse mehr erzielen. Denkbar sei aber, das geschäftliche Engagement zusätzlich nach Hamburg auszudehnen, wo es bereits einen Kundenstamm gibt. „Wir verstehen uns als Fachbetrieb mit familiärer Atmosphäre und kompetenter Beratung“, sagt Helmut Staude. So gibt es etwa eine Textilabteilung, in der eine Innenarchitektin beschäftigt ist. Insgesamt arbeiten rund 200 Beschäftigte in der Firma, etwa ein Viertel wurde dort ausgebildet.

Der Staude-Kochclub lockt mit turnusmäßigen Veranstaltungen Spitzenköche und prominente Persönlichkeiten für den guten Zweck an: Der Erlös der Benefiz- und Gourmetabende kommt der Aktion Sonnenstrahl zugute, die bedürftigen Kindern täglich ein Mittagessen serviert. jk

Das Verhältnis zu seinem Vater, von dem er das Geschäft im Alter von 26 Jahren wegen dessen Krankheit übernehmen musste, sei schwieriger gewesen, erinnert er sich. Es zählte vor allem das Pflichtbewusstsein. Eigentlich wollte der junge Helmut die „große weite Welt“ sehen, ging nach dem Studium in die USA und nach Kanada – musste dann aber bald zurück nach Hannover-Hainholz. Gleichwohl übernahm er die Aufgabe gewissenhaft, die Profession hatte er von der Pike auf gelernt. „Ich habe immer Möbel geschleppt, darum hatte ich schon mit 15 so ein breites Kreuz.“ Auch seine Söhne verdienten sich als Schüler hinter der Kasse oder im Lager ihr Taschengeld. Als sich abzeichnete, dass sie in die Firma einsteigen werden, arbeiteten sie zunächst in allen Bereichen mit – von der Montage bis zum Kundenservice. Das hat ihr Vater von ihnen erwartet.

Kunden auch aus Hamburg

Das Unternehmen sei wirtschaftlich gut aufgestellt, bilanzieren die Staudes. Doch die Konkurrenz gerade in der Region Hannover, wo es mit rund 350.000 Quadratmetern Möbelverkaufsfläche die bundesweit größte Dichte der Branche gibt, sei ausgesprochen hart. Hinzu kommt der Wettbewerb im Internet. Gleichwohl gibt es offensichtlich Kunden, die das Ambiente im Hause Staude besonders schätzen und selbst aus Hamburg oder Berlin anreisen, um sich in Hainholz eine Küche auszusuchen.

Die Übernahme ist geregelt

Klar ist, dass Alexander und Marc die Firma übernehmen werden. Doch einen Tag X, an dem der Senior seinen offiziellen Rückzug verkünden würde, gibt es nicht. „Warum auch?“, fragt er. „Die älteren Kunden freuen sich, mich zu sehen, die jüngeren freuen sich, meine Söhne zu sehen“, sagt Staude, der in der Stadtgesellschaft als Netzwerker bekannt ist. Mit verschmitztem Lächeln fügt er hinzu: „Auch hier im Büro habe ich ja mal meine Ruhephasen.“ Ab und zu verlässt er es inzwischen etwas früher Richtung Golf- oder Tennisplatz. Und auf eine seit Jahrzehnten praktizierte Tradition verzichtet er ohnehin nicht: Jeden Mittag fährt er nach Hause, um mit seiner Frau in Herrenhausen das Mittagessen zu genießen. „Das war schon so, als Alexander und Marc noch klein waren.“

Dass der Job alles andere als familienfreundlich, ist, wissen die beiden, die inzwischen selbst Väter sind. Alexanders Sohn ist dreieinhalb, Marcs Sohn kam vor acht Monaten auf die Welt. Ob da die fünfte Möbelhändler-Generation heranwächst? Man wird es sehen.

Von Juliane Kaune

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