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Aus der Stadt Trotz Regen: 75.000 Fans feiern Ed Sheeran in Hannover
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Trotz Regen: 75.000 Fans feiern Ed Sheeran in Hannover

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09:53 03.08.2019
Sonnenschein im Regen: Ed Sheeran. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Es gibt nur ihn. Auf einer riesigen Bühne, die den kleinen Mann noch kleiner wirken lässt. Es ist niemand da, auf den man seinen Blick sonst wenden könnte. 75.000 Augenpaare richten sich auf Ed Sheeran. Oder das, was Kameras von ihm übertragen. Wie er auf die Bühne rennt, eine erste Gitarrenschleife in seine Loopmaschine spielt, sie im Kreis laufen lässt, dazu den Rhythmus auf dem Korpus klopft und so das Bett für „Castle on the Hill“ baut.

Sein Auftritt musste verschoben werden. Regen und Donner, der gegen Abend ein bisschen um das Gelände grollte, ließen die Veranstalter von Hannover Concerts zögern. Guns N’ Roses vor zwei Jahren ist noch zu gut in Erinnerung. An diesem ersten von zwei Sheeran-Tagen durfte James Bay sein Vorprogramm schließlich nicht spielen, damit der, auf den alle warten, sein komplettes Set spielen kann. Nun, sieben Minuten später als geplant, ist er da und lässt das Publikum für Bay jubeln. Ein echter Kollege.

Bildergalerie: Ed Sheeran in Hannover

Erst Regen, dann Ed Sheeran: Impressionen vom ersten Konzert auf dem Messegelände in Hannover 2019.

In den ersten hundert Reihen sind gefühlt 10.000 Handys auf Sheeran gerichtet, zumeist von jungen Damen, die zwar gerade keine Hände zum Klatschen frei haben, aber jede Zeile mitsingen oder wenigstens ordentlich bekreischen können. Auch das folgende „Eraser“ ist noch Aufwärmprogramm, doch hier verdichtet der Brite schon seine Kunst. Er macht wieder ein Bett, vier Takte, Melodie und Rhythmus, lässt es laufen, schnappt sich das Mikrofon, eilt an die Rampe, rappt in ordentlicher Geschwindigkeit lange Strophen über den Beat und hüpft so elegant aus der typischen Singer/Songwriter-Schublade.

Lesen Sie mehr: Der Konzertabend im Liveblog

Die größte Herausforderung für die Showgestalter auf dem weiten, flachen Messe- oder vielmehr Massegelände ist, Sheeran sichtbar zu machen. Dieses Mann-Menge-Proportionsdilemma auszugleichen. Also macht man auf der Kastenbühne um ihn herum ein bisschen Show, mit Leinwänden, mit Lichtern, mit bunten Animationen. Allein, damit es optisch der Größe der Veranstaltung entspricht. Der Künstler selbst könnte auch auf einer Europalette stehen, genauso unaufwendig, wie er in U-Bahn-Stationen und an Straßenecken gespielt hat und gelegentlich noch immer spielt, wenn er Lust hat. Für das, was er mit seiner Musik vermitteln möchte, braucht er kein großes Geblinke.

Er braucht etwas anderes: die Energie des Publikums, die er in seine Performance einfließen lässt wie Zusatzstrom - was die Darbietung zu einem Hybriden werden lässt. Das sei ihm selbst aufgefallen, sagt er zwischendurch, dass er ja gar keine One-Man-Band sei, sondern einen gewaltigen Chor dabei habe.

„I See Fire“ im Regen – wen stört’s?

Je mehr Sheeran das Volk befeuert, mitzumachen, aktiv zu sein, lieber laut zu singen als richtig, desto mehr Kraft bekommen seine Songs. Bei „Give me Love“ teilt er das Menschenmeer und lässt es einen Gospelchor unter sein mantraartig wiederholtes „Give me Love“ legen, sodass seine Bitte platzweit erhört wird. Alle zusammen. Dann wirft er die Loopmaschine wieder an und haut mit „Galway Girl“ eine echte Folknummer raus. Und dann wieder „I See Fire“, seinen Musikbeitrag zum, ausgerechnet, „Hobbit“. Im Regen. Wen stört’s?Mittlerweile ist er auch schon so weit, dass er seine frühen Songs zu Medleys zusammenfasst. Dabei hat er nur drei, auf acht Jahre verteilte, reguläre Studioalben, aus denen er das Konzert im wesentlichen bestückt. Tatsächlich kommt es einem vor, als ob er schon viel länger da ist. Viele musikalische Kollaborationen, kleine Filmgastrollen, Fernsehauftritte, eine durchdachte Sozialnetzwerkpräsenz und ein gelegentliches, harmloses Aufkreuzen in den Klatschspalten machen ihn zu einem verlässlichen, aber nicht aufdringlichen Alltagsbegleiter, der einem auch mal an der Käsetheke aus dem Supermarktlautsprecher „Perfect“ ins Ohr flötet.

Allein vor 75.000 Leuten

Das hier, auf dem Messegelände, das ist sein Kerngeschäft. Man sieht es ihm an. Allein vor 75.000 Leuten zu stehen, mit T-Shirt, Jeans und routiniert zerzausten Haaren, macht ihm einen Heidenspaß. Ed Sheeran ist ein perfektes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man für seine Musik brennt und das auch zeigt. Das muss nicht in Clubs enden.

Könnte es aber. Zur Not hat er immer alles dabei. Denn wenn er spielt, gibt es nur ihn. Der Chor kommt von selbst dazu.

Für Kurzentschlossene: Am Sonnabend spielt Sheeran noch einmal auf dem Messegelände. Es gibt noch Karten an der Tageskasse.

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