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Aus der Stadt So vielfältig ist Designachten im Expowal
Hannover Aus der Stadt So vielfältig ist Designachten im Expowal
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00:15 12.12.2017
Designachten im Expowal.
Designachten im Expowal. Quelle: Franson
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Hannover

 Mit einem Weihnachtsbasar alter Prägung hat Designachten wahrlich nichts gemein. Doch wer weiß – vielleicht würden „Männerkerzen“ in den Geruchsvarianten Lagerfeuer und Whiskey, Räucherspeck oder Golfplatz auch dort ihre Käufer finden. „Nur der Eichhornpups ist ein Frauenduft“, merkt Verkäuferin Steffi Kirsch an. Der Preis ist für beide Geschlechter gleich: 13 Euro pro Dosenkerze. Der oft von Besuchern umlagerte Tisch der holsteinischen Manufaktur ist einer von rund 100 Ständen, die dieses Wochenende im Expowal – auf dem Gelände der ehemaligen Weltausstellung – aufgebaut sind. Bei dieser Verkaufsausstellung findet man viel Schräges, Witziges, Spezielles, hier zeigen Designer, Architekten oder Quereinsteiger aus vielerlei Berufen, was sie so alles erdacht und gefertigt haben.

Zum Beispiel für Hannover.

Designachten 2017 im Expowal: Rund 100 Künstler verkaufen ausgefallene Dinge von der Männerkerze bis zum Stadtplan-Lampenschirm.

Wer meint, er hat in seinen vier Wänden schon alles, was einen Hannover-Bezug hat – etwa das irritierende Stadtpuzzleposter von Uwe Stelter –, kann im Expowal noch neue Entdeckungen machen. Die „Buchstabenorte“ von Alexander Heitkamp etwa zeigen die Silhouette der Landeshauptstadt in Buchstabenform. Jeder Stadtteil, ja sogar Quartiere wie Roderbruch oder Kronsberg lassen sich mit etwas Geduld finden, jeder Name steht an seinem geografisch korrekten Platz. „Im Schnitt brauche ich drei Monate Recherche für ein Motiv, erstelle bei Veränderungen im Stadtbild auch neue Auflagen“, erzählt der 45-jährige Dresdener. Hannover gibt’s im Postkartenformat oder als Poster; diese kosten zwischen 30 und 80 Euro.  

Die Südstadt strahlt

Außergewöhnlich sind auch die Teelichte und Lampenschirme, die Lukas Thorsson in seiner „Lamperei“ in der Calenberger Neustadt herstellt. In dünnes Birkenholz, hell oder dunkel geölt, sind hannoversche Straßenzüge hineingeschnitten. Wer sich und seinen Freunden etwas zutraut, wählt einen Viereck- oder Zwölfeckschirm ohne Stadtteilbezeichnungen – hier kann man seine Hannover-Kenntnisse unter Beweis stellen. Es gibt aber auch Modelle, wo die Namenszüge von Linden und Limmer, Südstadt und Kirchrode fein nach draußen strahlen. „Ich mache das als Nebenerwerb“, erzählt der  32-jährige Filmemacher. Bislang habe er Stadtplanausschnitte aus sieben Städten in Holz verewigt, vier weitere sind in Arbeit. Ein Teelicht aus der „Lamperei“ kostet 22 Euro, die Lampenschirme von 80 bis 240 Euro.

Städte abzuschichten und Momentaufnahmen ihrer Geschichte auf Hochkant-Postern von unten nach oben festzuhalten: Das ist das Geschäft des Berliner Grafikdesigners Wolfgang Philippi. Auf der Feder-Tusche-Zeichnung mit den hannoverschen Sehenswürdigkeiten sind im unteren Sektor Begriffe wie Leinefurt, Königreich und Kaisergedöns zu finden, weiter oben liest man etwas von Hanomag-Teilen oder den „Mitmischmeyermauscheleien“. Zusammengefügt wird der mit einigem Rechercheaufwand erstellte Mix aus den verschiedenen Epochen, so erzählt Kunsthistorikerin Judith Wiedenhöft am Verkaufsstand, schlussendlich am Computer. Eine Federzeichnung von Philippi kostet 14 Euro.

Linden aus der Kopter-Perspektive

Fotos aus ungewöhnlicher Perspektive aufzunehmen ist das Metier von Tobias Harland. Der gelernte Elektro- und Luftwaffentechniker hat mithilfe von Drohnen wunderschöne Winterbilder von der Lindener Bethlehemkirche und dem Lichtenbergplatz, vom Steg am Maschseebad oder dem Welfengarten gefertigt, hat die Fotos hier und da noch nachbearbeitet. „Koptic“ heißt die Firma des 44-Jährigen, der auch Kopter-Kurse gibt und Luftbilder auf Bestellung fertigt. „Die Auflagen, um eine Drohne steigen lassen zu dürfen, werden aber immer strenger“, erzählt Harland. Im nächsten Jahr will er „Kopter and Travel“ anbieten, Reisen für Kleingruppen in den Harz oder nach Fehmarn, um dort das Drohnenfliegen zu erlernen und ungewöhnliche Fotos aus der Luft zu schießen. Hannover-Motive hat er derzeit 20 im Programm, sie kosten von einem Euro im Postkartenformat bis 40 Euro für einen Din-A-3-Druck.

Designachten gibt es in diesem Dezember zum achten Mal, lange Jahre war der ungewöhnliche Weihnachtsmarkt im SofaLoft in der Südstadt beheimatet. Die Organisatorin heißt Sandra Strüber, und wie jedes Jahr hat die umtriebige Lindenerin auch 2017 wieder etliche neue Kreative mit ausgefallenen Ideen nach Hannover gelotst. „Designachten ist halt der Tummelplatz für alle, die sagen: Ich habe doch schon alles“, lacht Strüber.

Alljährlich lässt die Veranstalterin die Besucher ihrer Internetseite über einen besonders talentierten Newcomer abstimmen, der dann bei der Designachten-Ausstellung einen prominenten Platz in der „Erstlings-Ecke“ nahe dem Eingang zugewiesen bekommt. Dieses Jahr lag Wiebke Rüdrich mit dem „Knotenwerk“ vorn. Ihre Blumenampeln und Wandbehänge aus Baumwollkordeln sind mit selbst kreierten Keramikscheiben verziert. Das Atelier der 29-Jährigen befindet sich in Limmer, hauptberuflich arbeitet sie im Marketing. „Aber die Makramee-Fertigung ist schon abwechslungsreicher“, sinniert Rüdrich. Einen geknoteten Schlüsselanhänger gibt’s bei ihr für 12 Euro, ein Wandbehang kann auch schon mal 130 Euro kosten.

Die Verkaufsausstellung mit ihrem breitgefächerten Angebot an Schmuck, Stehauftieren und Seifen, mit Taschen, T-Shirts, Tassen und all ihren hannöverschen Besonderheiten ist am Sonntag, 10. Dezember, noch einmal geöffnet. Von 11 bis 19 Uhr kann man Designachten an der Chicago Lane 9 besuchen. Ein Tagesticket kostet fünf Euro, Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt.

Von Michael Zgoll