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Aus der Stadt 1000-Euro-Spende im Briefumschlag
Hannover Aus der Stadt 1000-Euro-Spende im Briefumschlag
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06:15 25.05.2012
Von Conrad von Meding
Foto: „Sogar Kinder, die um ihre verstorbenen Meerschweinchen trauern, hängen hier ihre Briefe an die Engel auf“: Pastorin Anke Merscher-Schüler mit der Geldspende an der „Litfaßsäule“ in der Pauluskirche.
„Sogar Kinder, die um ihre verstorbenen Meerschweinchen trauern, hängen hier ihre Briefe an die Engel auf“: Pastorin Anke Merscher-Schüler mit der Geldspende an der „Litfaßsäule“ in der Pauluskirche.Thomas Quelle: Thomas
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Hannover

Das Geld soll jetzt voraussichtlich für den Bau einer behindertengerechten Rampe verwendet werden. War der anonyme Spender aus Braunschweig Vorbild? Dort verteilt seit Anfang November ein Unbekannter portionsweise Geldspenden an Bedürftige. Erst in der vergangenen Woche erhielt die Markus-Kirche in der Braunschweiger Südstadt einen Umschlag, ebenfalls mit 20 Geldscheinen. Dort allerdings waren es 500-Euro-Scheine, die Gesamtsumme betrug großzügige 10.000 Euro. Insgesamt hat der anonyme Braunschweiger Wohltäter schon weit mehr als 200.000 Euro verteilt.

Während in Hannovers Nachbarstadt stets ein Zeitungsartikel bei der Spende liegt, aus dem sich die Bedürftigkeit des Empfängers ergibt, hat der hannoversche Spender (oder die Spenderin) einen handschriftlichen Zettel beigefügt. Auf Bitte der Kirchengemeinde zeigt die HAZ kein Bild des Briefes. „Wir wollen den Wunsch des Spendengebers nach Anonymität respektieren und verhindern, dass vielleicht jemand die Handschrift erkennt“, erklärt Pastorin Merscher-Schüler die Zurückhaltung. Aber was darauf zu lesen ist, das darf in der Zeitung stehen. „Als Dank für die Kraft, die mir durch die Kirche als Ort der Besinnung gegeben wurde, um eine schwierige Entscheidung zu treffen“, heißt es in dem Brief. Der Umschlag war persönlich an die Pastorin adressiert.

Die Kirche als Ort der Besinnung - damit werde wohl honoriert, dass die Pauluskirche an der Meterstraße fast immer ganztägig geöffnet sei, vermutet die Pastorin. „Der Raum wird intensiv genutzt“, sagt Merscher-Schüler: „Immer wieder sehen wir Menschen auf den Bänken sitzen, die in Gedanken versunken sind.“ Besonders gut werde die kleine Litfaßsäule angenommen. Dort hängen Zettel, auf denen die Besucher notieren, was sie erfreut oder bedrückt. „Sogar Kinder, die um ihre gestorbenen Meerschweinchen trauern, hängen hier ihre Briefe an die Engel auf“, sagt die Pastorin.

Dem Kirchenvorstand der Südstadtgemeinde - in ihr sind Paulus-, Athanasius- und Nazarethkirche fusioniert - hat Merscher-Schüler gestern den Vorschlag unterbreitet, das Geld für die dringend benötigte Rampe zu nutzen. 20000 Euro soll das Bauwerk kosten, um auch Rollstuhlfahrern einen Zugang zum Sakralraum zu ermöglichen. „Bei denkmalgeschützten Gebäude ist so etwas eben sehr teuer“, sagt Merscher-Schüler. Die Gemeinde sammelt Spenden zur Finanzierung.

l Käßmann bei Pfingstgottesdienst: Das 125-jährige Bestehen der Pauluskirche findet seinen Höhepunkt im Freiluft-Pfingstgottesdienst am Montag auf dem Stephansplatz, den die Südstadtgemeinde ab 10.30 Uhr mit den Südstädter Katholiken, Baptisten und der selbstständig-lutherischen Bethlehemgemeinde feiert. Die Predigt hält die Luther-Beauftragte der Landeskirche, Margot Käßmann. Das Thema des Gottesdienstes: Der Ton macht die Musik. Die Christen wollen an dem Tag auch ein Zeichen gegen fremdenfeindliche Umtriebe setzen, die es in der Südstadt jüngst immer wieder gegeben hat.

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