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Aus der Stadt Brüder mit großen Namen
Hannover Aus der Stadt Brüder mit großen Namen
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18:14 22.04.2015
Von Simon Benne
Ein Stück Transparenz: Stuhlmeister Siegfried Schildmacher mit dem Buch über Hannovers Freimaurer. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Er war königlichen Geblüts, doch er konnte ziemlich demütig sein: „Kann ich in Ihrem Kreise mitwirken, so soll es nie an brüderlicher Bereitwilligkeit fehlen, gleich wie das Beste der Loge mir stets am Herzen liegen wird“, versicherte Ernst August, als er in aller Bescheidenheit um Aufnahme in den Kreis der Freimaurer ersuchte. Neun Jahre, ehe er König wurde, avancierte er 1828 schon zum „Großmeister der Groß-Loge des Königreichs Hannover“. Zuvor hatte er bereits im heimischen London eine Blitzkarriere als Freimaurer gemacht, bei der seine Herkunft nicht im Wege gestanden haben dürfte: „An nur einem Tag wurde er Lehrling, Geselle und Meister“, sagt Winfried Brinkmann von der hannoverschen Loge „Friedrich zum weißen Pferde“, der Ernst August als Ehrenmitglied angehörte.

Um den König und um andere prominente Logenbrüder geht es in dem jetzt erschienenen Buch „Auf den Spuren der Freimaurer - ein Spaziergang durch Hannovers Straßen“ (160 Seiten, 8 Euro). Ein Autorenteam um Herausgeber Siegfried Schildmacher, selbst Stuhlmeister der Loge „Friedrich zum weißen Pferde“, hat für den Band Kurzporträts jener 108 Freimaurer verfasst, nach denen in Hannover Straßen benannt sind.

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Unter den Prominenten sind Auswärtige wie Mozart oder Goethe, über die sich ja immer viel sagen lässt, doch auch genuin hannoversche Gewächse: Bürgermeister Gustav August Fink gehörte seit 1892 der Loge „Zur Ceder“ an. Der sozial engagierte Unternehmer Leonard Körting amtierte seit 1893 als Stuhlmeister der Loge „Zum Schwarzen Bär“. Und der Aufklärer Adolph Freiherr Knigge schloss sich 1780 dem sagenumwobenen Illuminatenorden an. Die Freimaurer, angeblich verschworene Geheimbündler, entpuppen sich beim genauen Hinsehen als ziemlich heterogene Truppe.

In früheren Jahrhunderten gehörte es gewissermaßen zum guten Ton, in einer Loge zu sein. Die Mitgliedschaft war ein Kennzeichen aufgeklärter Eliten. Schließlich hatten sich bei der Gründung der ersten Groß-Loge in London am Johannistag 1717 illustre Persönlichkeiten zusammengefunden, um jenseits aller Standesgrenzen das freie Denken zu wagen. In zwei Jahren, am 24. Juni 2017, jährt sich dieser Tag zum 300. Mal. Im Vorfeld des Jubiläums plant ein Arbeitskreis der zwölf hannoverschen Logen, die rund 600 Mitglieder zählen, eine Reihe von Veranstaltungen. So gewährt derzeit eine kleine Ausstellung im Historischen Museum Einblicke in die Welt der Freimaurerei. Zu sehen sind Logenabzeichen, Medaillen und Zierteller mit Freimaurersymbolen.

Logenbrüder bis heute im Ruch der Geheimniskrämerei

Das Buch über Freimaurernamen auf Straßenschildern schafft ein Stück Transparenz, schließlich stehen Logenbrüder bis heute im Ruch der Geheimniskrämerei. Und es ist ein Stück Werbung in eigener Sache. Schurken und Kanaillen, die es auch unter Freimaurern geben dürfte, kommen unter den Straßennamenspatronen ja nicht vor.

Stattdessen liest sich das Buch wie ein Who‘s who der Stadtgeschichte: Legendäre Theatermänner wie Karl August Devrient und August Wilhelm Iffland waren Freimaurer. Die große Tanzlehrerin Mary Wigmann - eine Ausnahme in der männerdominierten Welt der Logen - war Freimaurerin. Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves? Freimaurer.

Pelikan-Chef Fritz Beindorff? Freimaurer. Künstler wie WP Eggers oder Johann Heinrich Ramberg? Alles Freimaurer. Das Werk ist ein freimaurerischer Bilderbogen. Leider findet sich darin viel Lexikalisches - und oft nur wenig darüber, was genau denn all die großen Geister mit der Freimaurerei verband. An der Stelle hätte es ruhig mehr Licht sein dürfen.

Donnerstag, 18 Uhr, wird der Band im Historischen Museum vorgestellt.

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