Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Fête de la Musique: Hannover feiert mit Metal- und Big-Bands
Hannover Aus der Stadt Fête de la Musique: Hannover feiert mit Metal- und Big-Bands
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 24.06.2018
Der große Trommelwirbel am Platz der Weltausstellung. Quelle: Michael Wallmüller
Anzeige
Hannover

Jetzt steht es fest: Die Stadt Hannover wurde für die Fête de la Musique konzipiert. Die Ecken und Plätze sind exakt so weit voneinander entfernt, dass dort platzierte Bühnen in Sicht- aber nicht in Hörweite sind. Bestes Beispiel ist die neue „30666 Metal Stage“ am Schillerdenkmal, neu und wie der Name schon verrät, ein Ort für Fans lauter Gitarrenmusik. „Hier gibt‘s jetzt Metal vom Feinsten“, sagt der Sänger der Band I Raise The Siren, und dann legen sie los. Schnell und laut und durchaus bewegend, wenn man mal ins Publikum schaut. Das neue Ding kommt gut an – im zehnten Jahr der hannoverschen Version des weltweiten Musikfests.

Hannover feiert zehn Jahre Fête de la Musique – mit 1200 Musikern auf 40 Bühnen und vielen neugierigen Musikwanderern.

Geht man das kleine Stück bis zum Kröpcke, kommt man vorbei an Ständen und Aktionen, die die zehn Jahre noch einmal aufgreifen. Unter anderem werden Taschen verkauft, die aus Planen der zurückliegenden Festivals gefertigt sind, mit Kröpcke-Uhr oder Neuem Rathaus drauf. Und siehe da, die höllisch lärmenden Bratzgitarren vom Schillerdenkmal sind exakt am Kröpcke nicht mehr zu hören. Das ist auch gut so, denn hier spielt Daniel Astles aus Liverpool was ganz anderes. Leise, geradezu zerbrechliche Songs. Allein mit seiner zarten Stimme und seiner Gitarre steht er da, singt, erzählt – und freut sich, dass er in Hannover ist. Denn er ist kurzfristig für eine verhinderte Kollegin eingesprungen, die Organisatoren von Musikzentrum und Unesco City of Music haben schnell alles umgebucht, und nun ist er wieder da, wo er vor Jahresfrist schon gespielt hat. Auf der Kröpcke-Bühne treten Musiker aus Partnerstädten oder anderen Citys of Music auf, auf Astles folgen Gäste aus der Stadt Blantyre in Malawi, mit der Hannover seit 50 Jahren verbandelt ist. Das Projekt Electric Fields aus Adelaide in Australien hat die weiteste Anreise von allen.

1200 Musiker und noch mehr Neugierige

Chöre vor dem Hauptbahnhof, Trommeln in der Andreaestraße, Elektro auf dem Goseriedeplatz, Big-Band-Sound am Ballhof – 1200 Musiker sollen es sein, noch viel mehr Neugierige hören zu, und das zumindest nachmittags bei Wind und Sonnenschein, es hätte schlimmer kommen können. Die Bratwurst, die vorm Teestübchen am Ballhof verkauft wird, heißt Gustav und ist nach dem gerade geborenen Sohn von Dennis Bohnecke benannt, GOP-Chef und Schwiegersohn des Hauses und GOP-Chef. Hier geht es lässig und entspannt zu, während vor dem Leibnizhaus wieder gehüpft wird: Die Bazookas sind mit ihrem eigenen Bus angereist und spielen auf dem Dach ihre Skajazzpunk-Mischung. Kinderbühne, Songwriter, Weltmusik – wer nicht fündig wird, ist entweder lauffaul oder ist einfach irgendwo anders hängengeblieben. Kann leicht passieren.

Zurück an der Metalstage: Hinnerk aus Hannover hat seine vierjährige Tochter Tomma auf eine Trittleiter gesetzt und lässt ihr einen schicken Totenkopf schminken. Sie trägt Ohrenschützer. Die Musik ist noch zu laut. Aber den Pommesgabel-Metalgruß, den kann sie schon.

Von Uwe Janssen