Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt 15 neue Stolpersteine
Hannover Aus der Stadt 15 neue Stolpersteine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 09.10.2014
Mahnung und Erinnerung: In der Hinüberstraße erinnert ein Stolperstein an Hilde Schneider.
Mahnung und Erinnerung: In der Hinüberstraße erinnert ein Stolperstein an Hilde Schneider. Quelle: Dillenberg
Anzeige
Hannover

Keine zehn Minuten dauert es, dann hat Künstler Gunter Demnig den neuen Stolperstein verlegt. Die kleinen Betonklötze mit einer Messingplatte darauf sollen an die Opfer des NS-Regimes erinnern. Der Stein für Hilde Schneider in der Hinüberstraße 19 ist einer von 15, die gestern neu in die Stadt kamen. Insgesamt gibt es hier nun 297 Stolpersteine. Normalerweise liegt jeder vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers.

Im Fall von Hilde Schneider ist es anders: Ihr letzter selbst gewählter Wohnort war ihr Geburtshaus in der Königstraße 6 in Hannover. Nur wenige Meter weiter, in der Hinüberstraße, wurde nun ihr zu Ehren ein Stolperstein verlegt. „Hier war der Lydiahof“, sagt Hartmut Schmidt aus Frankfurt. Er lernte Hilde Schneider zu seiner Zeit als Journalist kennen und sollte einen Artikel über die verfolgte Krankenschwester schreiben – daraus wurde ein ganzes Buch. In dem „Mägdeheim“ sollten alleinstehende, stellungssuchende und durchreisende Frauen und Mädchen Schutz finden. Bis zu ihrer Deportation in das Ghetto Riga lebte Hilde Schneider dort ein Jahr lang.

15 neue Stolpersteine sind am Montag in Hannover verlegt worden. Insgesamt sind nun 297 Steine in der Stadt zu finden.

Schneider wurde am 12. November 1916 geboren. Sie begann eine Ausbildung zur Krankenschwester im Henriettenstift, die sie aber abbrechen musste, weil sie vor dem NS-Regime als Jüdin galt. 1941 wurde Schneider dann ins Ghetto Riga deportiert. Im Konzentrationslager Kaiserwald wurde sie außerdem zur Zwangsarbeit eingeteilt. Schneider überlebte beide Konzentrationslager und kehrte 1945 nach Hannover zurück. Nach ihrem Theologiestudium wollte sie Gefängnispfarrerin werden und wurde 1959 Seelsorgerin im Frauengefängnis in Frankfurt-Preungesheim. Mit 91 Jahren starb Schneider 2008 in Frankfurt. Auf eigenen Wunsch wurde sie auf dem Schwesternfriedhof der Henriettenstiftung in Kirchrode beerdigt.

„Sie war eine unserer treuesten Spenderinnen“, sagt der ehemalige Vorsteher der Stiftung, Dieter Zinßer. Er verwahrt auch die Bibel Schneiders. Die hatte sie über die Jahre gerettet. Später soll sie im „Hilde Schneider-Haus“ – dem vorigen „Pflege- und Therapiezentrum Fischerstraße“ – ausgestellt werden. Nicht nur das Therapiezentrum wurde nach der Hannoveranerin benannt. Auch die 
Elkartallee in der Südstadt heißt demnächst Hilde-Schneider-Allee. Das beschloss der Bezirksrat Südstadt-Bult.

Von Diana Koschorreck

Simon Benne 06.10.2014
Aus der Stadt Hannovers Stadthistoriker - Waldemar Röhrbein ist tot
Simon Benne 09.10.2014
Aus der Stadt Zentrale Polizeidirektion Hannover - Den Streifenwagen droht Überalterung
08.10.2014