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Aus der Stadt Jeder achte Fahrer ist zu schnell
Hannover Aus der Stadt Jeder achte Fahrer ist zu schnell
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00:15 27.02.2015
Von Jörn Kießler
Viel zu tun für die Polizei: Bei den Geschwindigkeitskontrollen am Montag wurden deutlich mehr Verstöße geahndet als bei vergleichbaren Aktionen im Vorjahr. Quelle: Schmidt
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Hannover

Obwohl die Polizei die umfangreiche Verkehrskontrolle in dieser Woche angekündigt hatte, gingen den Beamten bereits bei den Geschwindigkeitsmessungen am ersten Tag verhältnismäßig viele Temposünder ins Netz. Mehr als 12,5 Prozent der kontrollierten Verkehrsteilnehmer hielten sich nicht an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und das obwohl die Polizeidirektion insgesamt nur 1367 Fahrer in Stadt und Umland überprüfte. „Allgemein kann man feststellen, dass der Anteil der Fahrer, die sich nicht an die Regeln halten, höher ist, wenn die genauen Messstellen nicht vor den Kontrollen veröffentlicht werden“, sagte Polizeisprecher André Puiu.

Bei mehreren angekündigten 24-stündigen Kontrollaktionen, die die Polizei gemeinsam mit den Kommunen in der Region im vergangenen Jahr durchführte, lag der Anteil der Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die Tempolimits hielten, meist nur knapp über 2 Prozent. Aber auch bei einer unangekündigten Messaktion im Juni stieg der Anteil der Temposünder nur auf 5,89 Prozent. Bei diesen großangelegten Verkehrskontrollen waren jedoch im Gegensatz zu der laufenden Maßnahme jedes Mal 70 bis 100 Beamte der Polizei im Einsatz, die zwischen 12 000 und 18 000 Verkehrsteilnehmer überprüften.

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Dennoch erreichte die Behörde durch diese Maßnahmen nicht, die Anzahl der Unfälle zu verringern, bei denen Menschen getötet oder schwer verletzt wurden. Ganz im Gegenteil: Während 2013 noch 39 Personen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover, stieg die Zahl im Jahr 2014 auf 64 an. Allein in den ersten beiden Monaten des aktuellen Jahres kamen bereits 15 Personen bei Unfällen in Hannover und dem Umland ums Leben. In sechs Fällen war nach Informationen der Polizei überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache für die Unfälle.

Wirkung der Kontrollen fraglich

„Um die Zahl der Verkehrstoten zu verringern, sind solche Verkehrskontrollen nicht das richtige Mittel“, sagt der hannoversche Verkehrspsychologe Wolfgang Thielke. Dennoch bewertet der Experte die umfangreichen Maßnahmen als positiv. „Durch die Aktion wird die große Masse der Verkehrsteilnehmer angesprochen und sensibilisiert“, sagt er. „Die Gruppe der Autofahrer, die immer wieder zu schnell fahren, werden durch solche Aktionen jedoch nicht erreicht.“ Diese Fahrer denken nach Meinung des Verkehrspsychologen erst um, wenn ihnen nach mehreren Verstößen ein Fahrverbot droht. „Ohnehin gibt es keine belastbaren Untersuchungen, die belegen, dass solche Verkehrskontrollen die Verkehrssicherheit steigern“, sagt Thielke. Dennoch hält er sie für sinnvoll.

Genau wie die Polizeidirektion Hannover, die bereits am Dienstag ankündigte weitere Verkehrskontrollen in diesem Jahr durchzuführen und sich wie im vergangenen Jahr auch wieder an bundesweiten Maßnahmen zu beteiligen. Bereits Dienstag kontrollierten die Beamten 24 Stunden lang vor allem Autofahrer, die während der Fahrt mit dem Handy telefonierten. Die Ergebnisse der Kontrollen sollen im Laufe des Tages veröffentlicht werden.

Bei den Maßnahmen am Mittwoch liegt der Fokus auf dem Verhalten der Verkehrsteilnehmer beim Abbiegen und in Vorfahrtsituationen. Am Donnerstag soll es dann um das Einhalten des Mindestabstandes vor allem auf der Autobahn gehen, bevor die Polizisten am Freitag verstärkt Fahrradfahrer kontrollieren. Die umfangreichste Verkehrskontrolle der Polizeidirektion Hannover endet am Freitag gegen 12 Uhr.

Am Mittwoch geht es ums Abbiegen

Vorsicht am Mittwoch an Kreuzungen: Die Polizei nimmt schwerpunktmäßig Regelverstöße beim Abbiegen ins Visier. Sie glauben, da kann man nicht viel falsch machen? Weit gefehlt! Ein paar Beispiele:
Abbiegen in den Kreisverkehr: Wussten Sie, dass es verboten ist, bei der Einfahrt in den Kreisverkehr zu blinken? Die Regel wurde 2001 geändert.

Wann man blinken muss: Nicht nur beim Abbiegen, sondern auch beim Anhalten und beim Verlassen eines Kreisverkehrs muss der Blinker gesetzt werden. Das Verwarngeld für „Blinkmuffel“ ist immer gleich hoch: 10 Euro sind fällig.
Grüner Abbiegepfeil: Seit 1994 ist der grüne Rechtsabbiegepfeil als Zusatzschild an Ampeln in ganz Deutschland zugelassen. Er erlaubt es zwar, trotz roten Ampelsignals rechts abzubiegen. Erstens darf man dabei aber niemanden behindern, zweitens muss man sich davon bei absolutem Fahrzeugstillstand überzeugt haben. Drei Sekunden ist Minimum. Wer das nicht beachtet, zahlt laut aktuell geändertem Bußgeldkatalog 70 Euro. Wer sogar Fußgänger oder Radfahrer gefährdet, zahlt 150 Euro.

Mehrspurig abbiegen: Kann ganz schön kompliziert sein, wie man etwa beim Linksabbiegen vom Schiffgraben in die Hamburger Allee täglich sehen kann. Grundsätzlich gilt: eigene Spur halten. Ändert sich die Zahl der Spuren auf der Kreuzung aber, soll man sich „deutlich für eine Spur entscheiden“, damit alle anderen  sich nach einem richten können.

med

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