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Aus der Stadt 19-Jähriger lässt Hund im Auto schmoren
Hannover Aus der Stadt 19-Jähriger lässt Hund im Auto schmoren
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00:15 09.03.2013
Von Michael Zgoll
Hunde brauchen frische Luft – auch im Auto.
Hunde brauchen frische Luft – auch im Auto. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Viel hätte nicht gefehlt, und das kurze Leben eines drei Monate alten Pinscher-Mischlings hätte ein frühes Ende gefunden. 45 Minuten war der Welpe im August des Vorjahres in einem Opel Corsa eingesperrt, der in der Glockseestraße parkte. Die Außentemperatur: 28 Grad im Schatten - mehr als 50 Grad im Wageninneren. Als zwei von einer Zeugin alarmierte Polizisten eine Scheibe des Fahrzeugs einschlugen, fanden sie im hinteren Fußraum ein apathisches schwarzes Fellbündel, dem Tode nah. Das Amtsgericht Hannover verurteilte den jungen Mann, der den Hund im Stich gelassen hatte, wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zum Ableisten von 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit - möglichst in einem Tierheim.

Der 19-Jährige, der nun vor Gericht stand, war nicht der Besitzer des Pinschers. Ein Freund hatte ihn gebeten, sich um das im Auto hockende Tier zu kümmern, drückte dem Kumpel den Wagenschlüssel in die Hand. Wasser und Futter befanden sich im Corsa, die Fenster waren zwei Zentimeter heruntergelassen, das Schiebedach stand in Kippstellung. Doch anstatt gleich nach dem Welpen zu sehen, ging der Hundesitter zunächst einmal duschen, gönnte sich ein Frühstück. Warum er den Mischling nicht gleich in die Wohnung geholt habe, wollte Jugendrichter Jens Buck wissen. Die Antwort des Mannes, der seit anderthalb Jahren einen Ausbildungsplatz sucht: Er lebe dort mit vier Geschwistern, und seine Mutter dulde keine Tiere in der Wohnung. Als der 19-Jährige zum Auto kam, fand er nur noch ein paar Hundehaufen im Fußraum vor - der Pinscher war schon auf dem Weg ins Tierheim.

Bei einer Außentemperatur von 30 Grad im Schatten wird es im Inneren von Autos je nach Messpunkt bis zu 75 Grad heiß, auf dem Armaturenbrett sogar bis zu 100 Grad. Das ist das Ergebnis einer Studie, die eine Sachverständige gestern vorstellte. Sie erläuterte, dass ein Hund im Normalfall eine Körpertemperatur von 38,6 Grad habe. Ab 40 Grad Hitze folgt diese den Gradzahlen der Umgebung, spätestens bei 41,7 Grad Körpertemperatur stirbt das Tier. Der Mischling hatte Glück, dass er überlebte. Doch habe er, so die Veterinärin, mindestens eine halbe Stunde „erheblich“ gelitten. Hunde besitzen keine Schweißdrüsen, schwitzen nicht wie Menschen. Sie können überschüssige Körperwärme nur über ihre Ballen oder per Hecheln mit der Zunge abgeben - doch bei 130 bis 400 Atemzügen pro Minute bricht der Kreislauf irgendwann zusammen.

Richter Buck machte dem jungen Mann in der Urteilsbegründung deutlich, dass seine „Gedankenlosigkeit“ dem Welpen erhebliches Leid zugefügt habe. Der 19-Jährige müsse aber nicht nur lernen, seiner Verantwortung für andere Lebewesen gerecht zu werden. Er solle auch für sich selbst Verantwortung übernehmen - und sich schnellstmöglich um eine Berufsausbildung kümmern.

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