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Aus der Stadt Täter schlägt einem Polizisten drei Zähne aus
Hannover Aus der Stadt Täter schlägt einem Polizisten drei Zähne aus
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11:46 28.07.2016
Von Michael Zgoll
Die Aussagen der Beteiligten unterscheiden sich zum Teil erheblich voneinander. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Der Verdächtige, damals 19 Jahre halt, war bei einem Festnahmeversuch aus der Haut gefahren und hatte auf den Beamten eingeschlagen und -getreten. Seit gestern muss sich Royner G. vor einer Jugendschöffenkammer des Amtsgerichts wegen schwerer Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

Die Versionen des Tatgeschehens, die der Angeklagte und der als Nebenkläger auftretende Polizist schilderten, wichen erheblich voneinander ab. Wie G. erklärte, habe er damals bei seiner Schwester gewohnt. Zunächst hätten sich die drei Beamten, seine Schwester und er noch ganz friedlich in der Küche unterhalten. Dann aber habe ihn der 57-jährige Polizist provoziert, habe darauf bestanden, dass er seine Hände immer weiter in die Höhe nehme und ihn plötzlich – ganz ohne Grund – von hinten in den Schwitzkasten genommen. Daraufhin habe er den Älteren zunächst weggestoßen und dann in einer Mischung aus Panik und Wut zugeschlagen – was natürlich ein Fehler gewesen sei. Er habe nur einmal zugeschlagen und nur einmal getreten. Ganz fremd sind dem eher schmal gebauten Mann Gesetzesverstöße nicht: Er ist bereits dreimal wegen Körperverletzung, Raub und Diebstählen verurteilt worden.

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Wie der 57-Jährige aussagte, sei jener 9. Oktober der letzte Arbeitstag vor einem geplanten Jagdurlaub gewesen – den er dann aufgrund seiner Verletzungen absagen musste. Er habe den Verdächtigen nach Waffen durchsuchen wollen, stritt aber ab, „Hände hoch!“ gesagt zu haben. Es stimme, dass er G. von hinten in einen Polizeigriff genommen habe, allerdings habe ihm der Täter anschließend mehrere Schläge und Tritte verpasst. Der Beamte geißelte sich selbst, keine Schutzweste getragen und bei der Festnahme „luschig“ gearbeitet zu haben: „Vielleicht war ich ja schon in Urlaubsstimmung.“ Wegen der schmerzhaften Rippenprellungen war der Polizist vier Wochen krankgeschrieben, an der Erneuerung seiner Zähne mithilfe von drei Implantaten hat sein Zahnarzt noch ein paar Monate zu tun.

Mehrfach fragte der Vorsitzende Richter Reinhard Meffert nach, warum Royner G. überhaupt festgenommen werden sollte und wer dies angeordnet habe. Einer der zwei anderen Beamten, die in der Küche gestanden hatten, schrieb diese Entscheidung dem 57-Jährigen zu – der aber gar nicht der Einsatzleiter war. Dieser zweite Polizist bestätigte, dass sein Kollege den Verdächtigen von hinten in eine Art Würgegriff genommen und zu Boden gebracht habe. Warum er dies getan habe, konnte er nicht sagen. Nun wird das Gericht nächsten Donnerstag den Einsatzleiter und die Schwester des Angeklagten hören, um sich ein noch genaueres Bild von den damaligen Geschehnissen im Misburger Reihenmittelhaus machen zu können.

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